Solingen – Ein Jahr nach dem heimtückischen Anschlag beim Stadtjubiläum hat die Stadt Solingen ein starkes Zeichen des Zusammenhalts gesetzt. Rund 250 Menschen versammelten sich am Samstag auf dem Fronhof – genau dort, wo am 23. August 2024 drei Besucher brutal getötet und acht weitere verletzt worden waren.
Trauer und Zusammenhalt im Herzen der Stadt
Unter den Teilnehmern waren Angehörige der Opfer, Betroffene, Einsatzkräfte, Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Oberbürgermeister Tim Kurzbach und zahlreiche Mitglieder der Landesregierung sprachen zu den Menschen. Auch Roland Weber, der Bundesopferbeauftragte, und Dr. Barbara Havliza, die NRW-Opferschutzbeauftragte, waren nach Solingen gekommen.
Die Zeremonie begann mit einer musikalischen Einstimmung der Bergischen Symphoniker. Neben Samuel Barbers „Adagio for Strings“ erklangen Werke von Schostakowitsch und Borodin. Danach schlugen die Glocken der Stadtkirche dreimal – ein Schlag für jedes der Opfer – gefolgt von einer Schweigeminute, die den Platz in tiefe Stille tauchte.
„Wir halten die Opfer in Ehren“
Oberbürgermeister Tim Kurzbach fand bewegende Worte: „Dieser Tag hat sich unauslöschlich in unser Gedächtnis eingebrannt. Er hat für viele das Leben geteilt in ein ‚Vorher‘ und ein ‚Nachher‘. Und doch stehen wir heute hier, an genau dem Ort des Geschehens, um zu sagen: Wir erinnern uns. Wir halten die Opfer in Ehren. Wir vergessen sie nicht.“
Kurzbach betonte zugleich die Stärke der Solingerinnen und Solinger. Die Stadt habe nach vorne geblickt, wieder gefeiert, zuletzt beim Sommerfest auf dem Neumarkt. „Unsere Botschaft ist klar: Wir lassen uns die Freude am Leben nicht nehmen. Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir zu leben haben. Wir werden weiter lachen, wir werden weiter feiern, wir werden weiter offen sein.“
Sicherheit als gemeinsame Verantwortung
Ministerpräsident Hendrik Wüst griff das Thema Sicherheit auf. Nach dem Anschlag sei das umfassendste Maßnahmenpaket in der Geschichte Nordrhein-Westfalens beschlossen worden. „Hass, Hetze und Terror werden bei uns keinen Sieg erringen“, rief er den Anwesenden zu. „Mit dem brutalen Anschlag auf das Stadtfest in Solingen wollte der Täter einen Keil in unsere Gesellschaft treiben. Doch unser Land lässt sich nicht spalten. Nordrhein-Westfalen ist stark durch Zusammenhalt und Menschlichkeit.“
Ein visuelles Zeichen des Friedens
Besonders eindrucksvoll war der Moment, als drei weiße Stoffbahnen der Künstlerin Ulrike Bruchhaus aus den Fenstern des Bürgersaals herabgelassen wurden. Sie trugen die Aufschrift „Frieden? Frieden! Frieden.“ Superintendentin Dr. Ilka Werner begleitete die symbolische Handlung mit einem geistlichen Impuls: „Wir halten inne. Zwischen Erinnerung und Zukunft. Der Abend des 23. August 2024 ist Teil unseres Lebens geworden. Die Stadt feiert wieder. Und sie gedenkt der Ermordeten und Verletzten. Beides, gleichzeitig.“
Als schließlich alle Anwesenden begannen, gemeinsam zu summen, entstand ein Klangteppich, der den Platz erfüllte und für viele zu einem bewegenden Moment der Verbundenheit wurde. Den Abschluss bildete die Niederlegung von Blumen an der Gedenktafel durch Angehörige, Betroffene sowie Oberbürgermeister Kurzbach und Ministerpräsident Wüst.
Erinnerung, die bleibt
Seit dem 14. Februar 2025 erinnert eine Gedenktafel im Blumenbeet an der Stadtkirche an die Opfer des Attentats. Sie trägt die Inschrift: „Alles ändert sich mit dem, der neben einem ist oder neben einem fehlt.“ Drei Säuleneiben und weiße Blühpflanzen rahmen den Ort ein – ein stiller Platz des Erinnerns mitten in der Stadt.
Rückblick
Der Terroanschlag am 23. August 2024 hatte das „Festival der Vielfalt“ zum 650-jährigen Stadtjubiläum jäh beendet. Schon am Tag nach der Tat versammelten sich 1.500 Menschen auf dem Neumarkt, entzündeten Kerzen und beteten gemeinsam. In den Wochen darauf besuchten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz und zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft Solingen, um ihre Solidarität zu bekunden.
Der Jahrestag nun hat gezeigt: Die Trauer ist geblieben, aber auch der Wille, nicht aufzugeben. Solingen hält die Opfer in Ehren – und die Stadt bleibt vereint gegen Hass und Gewalt.











