Solingen – Schon vor Beginn der Veranstaltung drängten sich die zahlreichen Gäste im Maku-Restaurant auf der Prinzenstraße. Stühle wurden zusammengerückt, viele mussten stehen, einige verfolgten die Diskussion sogar von draußen durch die geöffneten Türen. Die gespannte Erwartung war deutlich spürbar, als Martin Bender (BfS), Daniel Flemm (CDU), Jan Höttges (SG Zukunft) und Josef Neumann (SPD) auf dem Podium Platz nahmen.
Noch bevor konkrete Projekte wie Engelsberger Hof oder Stadtfeste auf die Tagesordnung kamen, stand die grundsätzliche Frage des Präsidenten der „Ohligser Jongens“, Dr. Jörg Wacker im Raum, wohin sich Ohligs in Zukunft orientieren solle. Er moderierte gemeinsam mit dem bekannten Rundfunk- und Fernsehjournalisten Tobias Kollig die Veranstaltung.
Martin Bender und Daniel Flemm machten zunächst deutlich, dass sie die wirtschaftliche Nähe zur Rheinschiene stärker nutzen wollen. Beide betonten, dass Solingen durch Verbindungen Richtung Düsseldorf und Köln mehr Chancen habe, sich wirtschaftlich zu behaupten. Jan Höttges hingegen stellte klar, dass er im „Bergischen Schulterschluss“ den besseren Weg sehe. Für ihn liegt die Zukunft in engerer Kooperation der Verwaltungen im Bergischen Land, weil dadurch Synergien entstehen und Kosten gespart werden können. Einige Zuhörer reagierten mit Applaus auf die Idee, Ressourcen gemeinschaftlich zu nutzen, während andere nickend den Blick zur Rheinschiene unterstützten.

Gleich danach rückte der Engelsberger Hof in den Mittelpunkt der Diskussion. Daniel Flemm nannte ihn einen „vergessenen Schatz“ in der Stadt, dessen Potenzial dringend besser genutzt werden müsse. Als er betonte, dass Recht und Ordnung nicht nur beschlossen, sondern auch konsequent umgesetzt werden müsse, brandete spontaner Applaus auf. Martin Bender zeichnete ein düsteres Bild, sprach von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ und warnte, dass viele ihre Kinder dort nicht mehr spielen ließen. „Ganze Familienverbände lehnen sich dort offen gegen Polizei und Ordnungsamt auf“ so Bender weiter. Einige Zuhörer raunten ungläubig, zahlreiche andere klatschten zustimmend und riefen ihm ermutigende Worte zu. Josef Neumann erinnerte an die Zeit, als es noch eigene Pflegeteams für das Areal in der Ohligser Heide gab, und schlug Kooperationen mit sozialen Trägern vor. Sein nüchterner Vorschlag sorgte für zustimmendes Nicken im Saal. Jan Höttges forderte eine grundlegende Sanierung durch Partnerschaften mit privaten Investoren und erklärte, Grillverbote seien nicht zielführend. Stattdessen müsse man mehr Flächen ausweisen. Bei diesem Punkt gab es im Publikum geteilte Reaktionen: Während einige klatschten, schüttelten viele andere skeptisch den Kopf.
Auch die Frage der Sicherheit auf Festen rief zahlreiche Reaktionen hervor. Flemm sprach den ausufernden Bürokratismus an und erklärte, es könne nicht sein, dass Vereine jedes Jahr seitenlange Sicherheitskonzepte vorlegen müssten, auch wenn sich zum Vorjahr nichts geändert habe. Sein Vorschlag, Verfahren zu vereinfachen und die Stadt solle in mobile Sperren investieren, löste insbesondere bei vielen Ehrenamtlichen kräftigen Applaus aus. Bender erinnerte daran, dass Sicherheit grundsätzlich staatliche Aufgabe sei, wie beim Fußball auch. Neumann schlug einen ernsten Ton an, als er mahnte, dass es keine Kompromisse geben dürfe, wenn es um den Schutz von Menschen gehe. Höttges brachte seine Erfahrungen als Mitorganisator der Sommerparty ein, sprach von jahrelangen Forderungen nach einem festen Ansprechpartner im Rathaus und plädierte für versenkbare Poller.

Beim Thema Einzelhandel prallten unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Flemm erklärte, dass eine Innenstadt ein Erlebnis sein müsse, und stellte Aufenthaltsqualität und klare Gestaltungssatzungen in den Mittelpunkt. Sein Hinweis, die Stadt müsse Schlüsselimmobilien sichern, stieß bei vielen Besuchern auf spürbare Zustimmung. Bender griff die Idee einer Nichtvermietungsabgabe auf und wetterte gegen Eigentümer, die Immobilien brachliegen ließen. Sein Einsatz für inhabergeführte Geschäfte brachte ihm kräftigen Applaus. Neumann hingegen machte die Fehler in der Vergangenheit aus: Große Einkaufszentren hätten den Händlern geschadet und hohe Mieten täten ihr Übriges. „Da muss die Stadt eingreifen“, forderte er, was mehrere Besucher mit zustimmendem Zwischenruf kommentierten. Höttges schließlich kritisierte Eigentümer scharf, die lieber nach Rendite strebten anstatt nachhaltige Konzepte zu fördern. Sein Satz, Handel sei keine Aufgabe der Stadtplanung, sondern gehöre in die Wirtschaftsförderung, löste ein hörbares Raunen und Applaus aus.
Am Ende des Abends hatten alle vier Kandidaten ihre Handschrift hinterlassen. Neumann brachte die soziale Komponente ein und erinnerte eindringlich an Verantwortung und Sicherheit. Höttges überzeugte mit organisatorischer Erfahrung und pragmatischen Vorschlägen. Bender polarisierte, gewann aber mit deutlichen Worten und dem Mut, Probleme offen auszusprechen, die Sympathie vieler Zuhörer. Flemm wiederum präsentierte sich als der Kandidat mit den klarsten und pragmatischsten Lösungen, die für viele sofort umsetzbar wirkten. Der Eindruck im Saal war am Ende eindeutig: Alle vier lieferten Argumente, aber Flemm und Bender setzten sich mit der größten Klarheit und Durchschlagskraft spürbar von ihren Mitbewerbern ab.












