von Kay Ganahl – Auf der Suche nach einem Waldstück oder Park, in dem eine literarische Wanderung stattfinden kann – in diesem Fall der 10. Literarische Wandertag mit dem Thema „Leben und Technik“ – stößt man immer wieder auf Interessantes.
Das gilt auch für das Holterhöfchen in Hilden. Es ist eine Ringwallanlage nahe der Walder Straße und bei dem Krankenhaus St. Josefs. Sie ist wohl nicht so bekannt im Bergischen Land. Historiker haben erforscht, dass am Ort dieser Ausgrabungsstätte im 9. Jahrhundert n. Chr. mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Hof eines Adligen lag, der sich gegen Angriffe schützen wollte, indem Wälle aufgeschüttet wurden. So entstand die Ringwallanlage. Es handelt sich also, darf man feststellen, um ein aus historischer Sicht technisch relevantes Bauwerk. Die Anlage ist an sich schon einen Besuch wert.
Sie passt natürlich gut zum Thema des diesjährigen Literarischen Wandertages.
Das Thema gab den im Holterhöfchen mitwirkenden neun literarischen Autorinnen und Autoren, die sich am letzten Sonntagnachmittag bei bestem Wetter trafen, sehr zu denken.
Seit Jahrtausenden erleichtern technische Anwendungen den Menschen das Leben. Technik macht die Natur beherrschbar, weil so das Leben, das Überleben des Einzelnen und der Gruppe, einer ganzen Gemeinschaft besser ermöglicht werden können. Aber Technik hat auch Schattenseiten, über die nachgedacht werden muss. Jemand, der kritisch durch sein Leben geht, kommt kaum umhin, auch über diese Schattenseiten zu reflektieren.
Die vielfältige Bedeutung von Technik – alltagspraktisch bis theoretisch, sogar philosophisch – wurde an diesem Nachmittag in jedem gelesenen Beitrag deutlich.
Autorinnen und Autoren brauchen keine „Naturkulisse“. Es ist aber bestimmt eine besondere Leseerfahrung, wenn inmitten der Natur öffentlich gelesen wird. Der Gast wird durch das Hören von literarischen Texten vermutlich in eine eher ungewöhnliche Gefühlslage gebracht.
Erst recht dann, wenn es sich bei der Örtlichkeit nicht um einen Park oder ein Waldstück handelt, sondern um eine Ringwallanlage, die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem Park ausgebaut wurde und frei zugänglich ist.
Eventuell erschließt sich einem Besucher des Holterhöfchens nicht sofort der historische Hintergrund.
Die Autoren Armin Tofahrn, Jan Michaelis,Pascal Herder, Dirk Steinert, Nini Schlicht, Kay Ganahl, Petra Lötschert, Florian Meurer und Martina Hörle lasen in dieser Reihenfolge im Holterhöfchen ihre zum Teil recht technikkritischen, aber auch amüsant-geistreichen Textbeiträge und stießen bei den zahlreichen Gästen auf großes Interesse.
Der Herner Michael Völkel sang zur Gitarre unterhaltsame Lieder, die nicht des geistreichen Witzes entbehrten. Außerdem las er aus einem seiner Bücher vor.
Veranstalter waren die Solinger Autorenrunde und Freunde, der Freundeskreis Düsseldorfer Buch ’75 e. V. und der Freie Deutsche Autorenverband/NRW.












