Solingen – Tatort Solingen-Ohligs: Wie ein unsichtbares Detail eine europaweite Jagd auf Geldautomatensprenger auslöste
Zwischen verkohlten Fassadenresten und einem völlig zerstörten Geldautomaten entdeckten Ermittler in Ohligs im März 2024 etwas, das man mit bloßem Auge nicht sehen konnte: eine DNA-Spur. Winzig, fast unscheinbar – und doch der Beginn einer internationalen Fahndung, die schließlich vier mutmaßliche Sprengmeister hinter Gitter brachte.
Der unsichtbare Hinweis
Die Spur führte in die Niederlande. Plötzlich stand ein Name im Raum, der in den Akten bisher nicht aufgetaucht war. Für die Ermittler war klar: Hier steckt mehr dahinter. Aus einer einzelnen Spur wuchs ein Bild – das einer Bande, die über Ländergrenzen hinweg Banken attackiert, Gebäude zerfetzt und Hunderttausende Euro erbeutet.
„Es war der Moment, in dem wir wussten: Wir jagen keine Einzelgänger, sondern ein Netzwerk“, heißt es von einem Ermittler aus NRW.
Ein Netzwerk aus Bombenlegern
Unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf begannen Spezialisten in Wuppertal, Neuss, Mönchengladbach und Viersen die Fäden zusammenzuführen. Unterstützung kam von Europol, aus Österreich und aus den Niederlanden. Wochenlange Observationen folgten, Autos wurden verfolgt, Telefone überwacht, Bewegungen minutiös dokumentiert.
Der Tag des Zugriffs
Am 19. August diesen Jahres war dann Schluss mit dem Katz-und-Maus-Spiel. In Hofkirchen, einem Ort im österreichischen Bezirk Linz, hatten die Täter gerade erneut zugeschlagen. Noch während die Rauchschwaden über dem gesprengten Automaten hingen, rückten Spezialeinheiten an. Sekunden später klickten die Handschellen – zwei Niederländer, ein Deutscher aus Bochum und eine junge Niederländerin wurden überwältigt.
Parallel stürmten Einsatzkräfte Wohnungen in Bochum und in ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden. Türen flogen aus den Angeln, Computer und Handys wurden beschlagnahmt, Berge von Beweismaterial sichergestellt.
Eine Spur der Verwüstung
Die Liste der Tatorte liest sich wie eine Landkarte der Zerstörung: Solingen, Bottrop, Ennigerlohe, Medebach, Gänserndorf, Neusiedl am See. Überall detonierten Geldautomaten, überall hinterließen die Täter nicht nur Löcher in den Mauern, sondern auch Angst in den Städten. Ihre Beute: ein mittlerer sechsstelliger Betrag. Der angerichtete Schaden: ungleich größer.
Der Anfang vom Ende
Dass die Bande nun zerschlagen ist, verdanken die Ermittler einem Bruchteil menschlicher DNA – gefunden in den Trümmern von Solingen. „Am Ende war es ein unsichtbares Detail, das das ganze Kartenhaus zum Einsturz gebracht hat“, so ein Ermittler.












