Solingen – Der Prozess um eine mutmaßliche Attacke auf eine Mitarbeiterin des Solinger Ordnungsamtes entwickelt sich zunehmend zu einer Geduldsprobe für das Landgericht Wuppertal. Seit Wochen kommt das Verfahren kaum voran – wichtige Zeugen sind bisher nicht erschienen, und das Klinikum Solingen reagiert nicht auf die Anfragen des Gerichts.
Bereits am vierten Verhandlungstag zeigte sich der Vorsitzende Richter sichtlich frustriert über die schleppende Beweiserhebung. „Es gestaltet sich zunehmend mühsam“, erklärte er und kündigte an, notfalls den Chefarzt persönlich vorzuladen, sollte das Krankenhaus weiterhin keine Stellungnahme zur Verletzung der Geschädigten abgeben. Seit sechs Wochen wartet das Gericht vergeblich auf Antworten – sowohl vom Klinikum als auch von Zeugen, die bisher nicht vor Gericht erschienen sind.
Streit um ein Knöllchen eskaliert
Der Ursprung der Auseinandersetzung liegt im Herbst 2021. In der Solinger Innenstadt hatte eine städtische Mitarbeiterin ein falsch geparktes Auto notiert – der Wagen gehörte einer 51-jährigen Ladenbesitzerin. Laut Anklage soll die Frau daraufhin aus ihrem Geschäft geeilt sein und lautstark verlangt haben, die Verwarnung zu streichen. Als die Politesse darauf nicht einging, habe die Angeklagte sie mit der Faust geschlagen. Die Ordnungsamtsmitarbeiterin erlitt dabei eine Schulterverletzung, die später operiert werden musste.
Während der hitzigen Szene soll ein bislang unbekannter Mann auf Bitten der Geschäftsfrau den Wagen umgeparkt haben – und dabei über den Fuß der Beamtin gefahren sein. Wer dieser Helfer war, ist bis heute unklar; die Angeklagte verweigert Angaben zu seiner Identität, die Ermittlungen laufen weiter.
Langwieriges Verfahren, große Belastung
Nach einer ersten Verurteilung zu einer Geldstrafe vor dem Amtsgericht wird der Fall nun in zweiter Instanz vor dem Landgericht verhandelt. Die Angeklagte bestreitet weiterhin jede Schuld. Die verletzte Politesse hingegen blieb bei ihrer Darstellung des Geschehens und schilderte emotional, wie sehr sie der lange Prozess und die gesundheitlichen Folgen belasten.
Während sie sichtlich erschöpft neben ihrem Nebenklagevertreter Platz nahm, äußerte der Vorsitzende Richter erneut Unmut über die fehlende Kooperation des Krankenhauses: „Bei allem Verständnis für die Überlastung im Klinikum – ich finde das … Ach, denken Sie sich ein Wort.“ Er betonte, inzwischen fast täglich dort anzurufen, um die benötigten Unterlagen zu erhalten.
Das Gericht hat zwei weitere Termine bis Weihnachten angesetzt, um endlich die ausstehenden Zeugenaussagen zu hören und die medizinischen Befunde zu prüfen.











