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RegionalesLetzter Abschied am Düsseldorfer Flughafen – Aviapartner-Mitarbeiter begraben Hoffnung auf soziale Verantwortung

Letzter Abschied am Düsseldorfer Flughafen – Aviapartner-Mitarbeiter begraben Hoffnung auf soziale Verantwortung

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Düsseldorf – Rund zwei Wochen nach dem endgültigen Aus für den Bodenabfertigungsdienstleister Aviapartner Düsseldorf GmbH & Co. KG wollen dessen frühere Mitarbeiter am Mittwoch, 19. November, ein letztes Mal gemeinsam an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Mit einer symbolischen Aktion am Flughafen Düsseldorf wollen sie nicht nur voneinander Abschied nehmen, sondern auch ein Zeichen setzen: Sie „begraben“ ihre Hoffnung auf soziale Verantwortung durch das NRW-Verkehrsministerium und den Flughafenbetreiber.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di übt scharfe Kritik an der Vergabepraxis des Flughafens und am Umgang mit der Belegschaft des insolventen Unternehmens. „Der Flughafen Düsseldorf hat nach seiner Schützenhilfe durch das NRW-Verkehrsministerium langjährige und verdiente Mitarbeiter der Bodenabfertigung wie Kriminelle unter Polizeigeleit vor die Tür gesetzt. Das ist unwürdig gegenüber den betroffenen Menschen und beschämend seitens aller Verantwortlichen“, sagt ver.di-Gewerkschaftssekretär Andrej Bill.

Bill betont, viele der Beschäftigten hätten über Jahrzehnte verlässlich für reibungslose Abläufe gesorgt. Die Krise bei Aviapartner sei nicht betriebsbedingt entstanden, sondern politisch verursacht worden: „Die intransparente Lizenzentscheidung des NRW-Verkehrsministeriums hat diese Misere herbeigeführt.“

Auch die im Jahr 2023 beschlossene Ausweitung des Lizenzsystems von zwei auf drei Anbieter habe die Situation verschärft. Die Vergabe an zwei Unternehmen ohne eigene Belegschaft in Düsseldorf habe einen geordneten Übergang verhindert, so ver.di.


Flughafen weist Kritik zurück

Der Flughafen Düsseldorf reagiert mit Verständnis auf das Bedürfnis der ehemaligen Aviapartner-Mitarbeiter, sich voneinander zu verabschieden. Man sei sich der schwierigen Lage bewusst, betont ein Sprecher: „Uns sind ihre Situation und die damit verbundenen Sorgen bewusst. Den langjährigen Einsatz der Mitarbeiter von Aviapartner am Standort würdigen wir ausdrücklich.“

Gleichzeitig verweist der Flughafen auf klare gesetzliche Rahmenbedingungen im Zuge der Betriebsschließung. Der Zutritt zum Sicherheitsbereich sei ausschließlich Personen im aktiven Dienst gestattet – eine Vorgabe internationaler Sicherheitsstandards, die ohne Ausnahme gelte. Maßnahmen zur Betriebsschließung seien zudem mit dem Gläubigerausschuss abzustimmen.

Den Vorwurf eines chaotischen Übergangs weist der Flughafen zurück. Man stehe seit Monaten mit allen Bodenverkehrsdienstleistern im Austausch, sodass die Umstellung geordnet verlaufe. Die Flüge, die zuvor von Aviapartner betreut wurden, würden inzwischen zuverlässig von AAS abgefertigt. Für Passagiere entstünden keine Einschränkungen.


Zum umstrittenen Lizenzverfahren

In der Debatte um die Lizenzvergabe stellt der Flughafen klar, dass die Entscheidung nicht in seiner Verantwortung lag. Der Sprecher verweist auf bundesrechtliche Vorgaben:
Der Bieterwettbewerb für zwei Volllizenzen und eine Teillizenz sei im Februar 2022 gestartet. Die Auswahlentscheidung habe aus wettbewerbsrechtlichen Gründen beim NRW-Verkehrsministerium gelegen. Die neuen Lizenznehmer nahmen am 1. April 2023 ihre Tätigkeit auf.

Der Flughafen habe den Übergang eng begleitet und gemeinsam mit den Unternehmen geordnete Abläufe vorbereitet. Auch mit ver.di habe man mehrfach über Wechselmöglichkeiten für Mitarbeiter gesprochen. Die neuen Lizenznehmer hätten nach Angaben des Flughafens „mindestens gleichwertige Konditionen“ angeboten. Zudem gelte inzwischen ein gemeinsam mit ver.di ausgehandelter Branchentarifvertrag, der einheitliche Standards und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen solle.

Der Sprecher betont abschließend, dass das kritisierte Vergabeverfahren „erst ermöglicht hat, dass Aviapartner überhaupt am Flughafen Düsseldorf tätig werden konnte“.


Unterstützung für Betroffene

Während die politische Debatte weiterläuft, richtet ver.di den Blick nach vorn. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit plant die Gewerkschaft für Dezember eine Jobmesse im Düsseldorfer Gewerkschaftshaus, speziell für die ehemaligen Aviapartner-Beschäftigten. „Die Durchführung einer solchen Veranstaltung wäre für den Flughafen ein Leichtes gewesen“, kritisiert Bill. Stattdessen präsentiere sich der Betreiber bei Spendengalas als sozial engagiert, während langjährige Mitarbeiter in ihrer Not allein gelassen würden.

Mit der Aktion am 19. November wollen die früheren Mitarbeiter einen würdevollen Abschluss finden – für ihre Arbeit, ihre Kolleginnen und Kollegen und für fast 25 Jahre Bodenabfertigung am Düsseldorfer Flughafen.

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