Bergisches Land – Die Wiederansiedlung einer lange als „in der Natur ausgestorben“ geltenden Art sorgt weltweit für Aufmerksamkeit: Die Moorea-Baumschnecke (Partula tohiveana), einst von den Inseln Französisch-Polynesiens verschwunden, zeigt nach umfangreichen Schutzmaßnahmen erstmals wieder stabile Lebenszeichen im Freiland. Möglich wurde dies durch ein internationales Zuchtprogramm, an dem auch der Grüne Zoo Wuppertal maßgeblich beteiligt ist.
Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) wurden im Jahr 2024 weltweit über 80 Arten als „extinct in the wild“ geführt – Arten also, die ausschließlich in menschlicher Obhut überlebt haben. Zu ihnen zählte über Jahrzehnte auch die Moorea-Baumschnecke. Mindestens 29, möglicherweise sogar 34 der 51 bekannten Partula-Arten gelten heute als ausgestorben. Die Ursachen liegen wesentlich im Eingriff des Menschen: In den 1960er-Jahren wurden Große Achatschnecken nach Moorea gebracht, um wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Nachdem sich diese Pläne zerschlugen, setzte man die Tiere aus – mit fatalen Folgen für die heimische Schneckenfauna. Erst in den frühen 1990er-Jahren konnten die letzten Moorea-Baumschnecken gerettet und ein Erhaltungszuchtprogramm in Großbritannien aufgebaut werden.
Seit 2023 ist der Grüne Zoo Wuppertal in enger Kooperation mit dem Zoo Schwerin Teil des internationalen EAZA ex-situ Programms (EEP). Hinter den Kulissen entstehen in nahezu sterilen Terrarien ideale Bedingungen für die empfindlichen Weichtiere. Konstante Temperaturen, strenge Hygiene und sorgfältige Betreuung führten zu bemerkenswerten Zuchterfolgen. Bereits im August 2023 stellte der Grüne Zoo Wuppertal 603 eigene Nachzuchten bereit, die gemeinsam mit insgesamt über 7.000 Tieren aus weiteren Einrichtungen nach Moorea zurückkehrten – das größte Auswilderungsprojekt polynesischer Baumschnecken überhaupt. Der Nachweis von juvenilen und nicht markierten erwachsenen Schnecken im ursprünglichen Lebensraum bestätigte erstmals wieder erfolgreiche Fortpflanzung im Freiland. Daraufhin konnte die IUCN den Status der Art 2024 von „in freier Wildbahn ausgestorben“ auf „vom Aussterben bedroht“ anheben.
Auch 2025 setzt sich das Engagement fort. Der Grüne Zoo Wuppertal stellte 200 weitere Tiere – 50 Jungtiere und 150 Erwachsene – bereit. Vor dem Transport wurden alle Schnecken tierärztlich untersucht, vermessen, gewogen und auf verschiedene Erreger getestet. Eine UV-reflektierende Markierung ermöglicht später eine sichere Wiedererkennung im Lebensraum. Nach einer Quarantänephase im Zoo Schwerin erfolgte der Weitertransport über Tahiti nach Moorea. Dort wird die Entwicklung der Population mithilfe moderner Technik wie Kameras, Drohnen und Lichtquellen engmaschig beobachtet. Zu Beginn finden wöchentliche, später zweiwöchentliche und anschließend monatliche Zählungen statt.
Die Partula-Schnecken übernehmen im Ökosystem eine wichtige Rolle als Zersetzer von Pflanzenmaterial und Pilzen. Ihre Rückkehr stärkt das ökologische Gleichgewicht der polynesischen Wälder und zeigt eindrucksvoll, welchen Beitrag zoologische Einrichtungen zum Erhalt der weltweiten Biodiversität leisten können.
Der Grüne Zoo Wuppertal plant, die Zucht weiter auszubauen, um sowohl die Reservepopulation in menschlicher Obhut zu sichern als auch künftige Auswilderungen zu ermöglichen. Die Geschichte der Moorea-Baumschnecke beweist, dass engagierter Artenschutz selbst dann erfolgreich sein kann, wenn eine Art bereits als verloren galt.











