Solingen – Mit einer bewegenden Aktion im Hofgarten hat die Frauenberatungsstelle Solingen am Dienstag, 25. November, gemeinsam mit der Gleichstellungsstelle der Stadt und unter Unterstützung von Oberbürgermeister Daniel Flemm (CDU) auf das tabuisierte Thema „Femizide“ aufmerksam gemacht. Unter dem Motto „Wir erinnern. Wir fordern. Wir brechen das Schweigen.“ stand der „Orange Day“ ganz im Zeichen des Gedenkens und der politischen Forderung nach besseren Schutzstrukturen für Frauen.
Seit 41 Jahren ist die Frauenberatungsstelle Teil des Solinger Netzwerks gegen Gewalt an Frauen und engagiert sich für Gleichberechtigung und Unterstützung Betroffener. Bereits seit mehreren Jahren beteiligt sie sich am bundesweiten Aktionstag am 25. November, der im Rahmen der Aktionswoche gegen Gewalt an Frauen stattfindet. In diesem Jahr wurde der Schwerpunkt bewusst auf öffentliche Sichtbarkeit gelegt.
„Wir möchten das Thema aus dem rein individuellen Beratungskontext herausholen und im Stadtbild sichtbar machen“, erklärte Mitarbeiter Sandra Steverding. „Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem. Dass wir den Aktionstag gemeinsam mit der Stadt durchführen können, ist ein wichtiges Zeichen.“

Auch Kollege Nina Klein machte deutlich, wie dringlich das Thema ist: „In Medien werden Tötungen von Frauen oft als ‚Familiendrama‘ bezeichnet. Dass es sich dabei um Femizide handelt – also um Morde an Frauen, weil sie Frauen sind – wird kaum benannt. Was nicht benannt wird, bleibt unsichtbar.“
Die Mitarbeiterinnen erleben in ihrer täglichen Arbeit, wie hoch das Risiko für Frauen in gewaltvollen Beziehungen ist. „Risikoeinschätzungen gehören zu unserem bedrückenden Alltag“, so Steverding. „Immer wieder müssen wir mit der Sorge leben, dass eine Frau, die bei uns Hilfe sucht, Opfer eines Femizids werden könnte.“
Um die Dimension sichtbar zu machen, wurden am Eingang des Hofgartens 155 Paar Schuhe aufgestellt – stellvertretend für die 155 Frauen, die laut BKA im Jahr 2023 von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet wurden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten; in über 80 Prozent der Fälle bestand ein partnerschaftlicher Bezug.
Neben dem Gedenken formulierte die Frauenberatungsstelle klare Forderungen: Ein gut finanziertes Hilfesystem, ein diskriminierungsfreier Zugang zu Schutzangeboten, intensive Netzwerkarbeit zwischen Beratungsstellen, Frauenhäusern, Polizei, Gerichten und Jugendhilfe sowie präventive Bildungsangebote seien notwendig, um Femizide zu verhindern. Ein wichtiger politischer Schritt sei zwar die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat zum Gewalthilfegesetz im Februar 2025, doch dieses könne nur wirken, wenn die Fraueninfrastruktur vollständig finanziert werde.
Über Social Media (@fbs_solingen) macht die Beratungsstelle das Thema zusätzlich sichtbar.
Mit der Schuhaktion und zahlreichen Gesprächen vor Ort wurde deutlich: Der Orange Day soll nicht nur erinnern, sondern auch verändern. Gemeinsam gedachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer all jener Frauen, die durch ihre (Ex-) Partner getötet wurden und nicht ausreichend geschützt waren – und setzten gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass Schweigen gebrochen werden muss.











