Solingen – Nach mehr als anderthalb Jahrzehnten steht in Gräfrath wieder ein Christdemokrat an der Spitze des Stadtbezirks. Die Bezirksvertretung wählte den 59-jährigen Christian Götz (CDU) mit deutlicher Mehrheit zu ihrem neuen Vorsitzenden. Acht der zwölf abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn – ein Ergebnis, das bei Götz sichtlich Emotionen auslöste.
Die Wahl markiert einen bemerkenswerten politischen Neustart: Erstmals seit 2009 führt wieder ein CDU-Vertreter das Amt, das damals von Udo Vogtländer (SPD) übernommen worden war. Zwischenzeitlich hatten ausschließlich Kandidatinnen und Kandidaten der SPD oder der Grünen den Posten inne.
Besonders auffällig war die neue Konstellation, die sich bei der Abstimmung herausbildete. Götz trat gemeinsam mit Sascha Schilling (SPD) und Helen Conrads (SG Zukunft) an. Beide wurden im Anschluss zu seinen Stellvertretern bestimmt. Gegenkandidaturen gab es keine. Die Grünen hingegen fanden sich nicht auf der gemeinsamen Liste wieder – trotz vorheriger Gespräche mit CDU und SPD, die jedoch ohne Ergebnis blieben.
Damit endet die Amtszeit von Ruth Fischer-Bieniek (B90/Die Grünen) nach knapp vier Jahren. Eine Rolle als Vertreterin erhielt sie nicht mehr. Dennoch bleibt sie der Bezirksvertretung als Sprecherin ihrer Partei erhalten und ist zudem Co-Vorsitzende der grünen Ratsfraktion. Gegenüber der Presse sprach sie von „intensiven und prägenden Jahren“ im Amt und betonte, dass nun andere Verantwortung übernehmen müssten. Zu den gescheiterten Verhandlungen mit den beiden großen Parteien äußerte sie sich nicht.
Götz, der seit sieben Jahren in der Bezirksvertretung sitzt und den CDU-Stadtbezirksverband führt, lebt seit rund zwei Jahrzehnten in Gräfrath. Verheiratet und Vater von drei Kindern, kündigte er nach seiner Wahl an, Bewährtes im Stadtteil erhalten zu wollen, gleichzeitig aber neue Entwicklungen anzustoßen. Er wolle verstärkt auf die Zusammenarbeit aller wichtigen Akteure setzen – nicht nur parteipolitisch, sondern insbesondere mit Vereinen und lokalen Initiativen.
Mit seiner Wahl zeichnet sich somit nicht nur ein personeller, sondern auch ein politischer Kurswechsel im Stadtbezirk ab. Wie die neue Allianz in der Praxis wirken wird, bleibt nun mit Spannung abzuwarten.











