Solingen – Die SPD hat am Wochenende in der Klingenstadt ein neues Führungsduo gewählt und damit ein deutliches Signal für einen Neustart gesetzt. Mit Natalie Schaffert und Daniel Weber stehen künftig zwei Personen an der Spitze, die sich vorgenommen haben, ihre Partei sowohl organisatorisch als auch inhaltlich neu auszurichten. Die Delegierten gaben beiden Kandidaten klare Mehrheiten: Schaffert erreichte 79 % der Stimmen, Weber lag mit etwas über 80 % noch leicht darüber.
Rückblick auf schwierige Jahre
Bevor der Blick nach vorn gerichtet wurde, nahm der Parteitag in der Mensa der Alexander-Coppel-Gesamtschule zunächst eine schonungslose Bestandsaufnahme der vergangenen Jahre vor. Die scheidenden Vorsitzenden Sabine Vischer-Kippenhahn und Manfred Ackermann schilderten, wie stark interne Konflikte und persönliche Anfeindungen die Arbeit belastet hatten. Auch langjährige Parteigrößen wie der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ingo Schäfer erinnerten an Grenzüberschreitungen, die das Vertrauen innerhalb der Partei massiv erschüttert hätten. Diese Offenheit sorgte für spürbare Emotionen im Saal und wurde mit langem Beifall der Delegierten gewürdigt.
Aufbruchsstimmung mit klaren Aufgaben
Vor diesem Hintergrund betonte das neue Duo die Notwendigkeit eines echten Neubeginns. Beide machten deutlich, dass vieles anders werden müsse, damit Parteimitglieder sich wieder gerne engagieren. Aktuell sei nur ein kleiner Teil der rund 550 Genossinnen und Genossen aktiv. Schaffert und Weber kündigten an, interne Abläufe transparenter zu gestalten und regelmäßige Kommunikationsformate – etwa per Videobotschaft oder Messenger – einzuführen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Partei, Fraktion und Ortsvereinen müsse verlässlicher und konstruktiver werden. Erst wenn im Innern wieder ein solides Fundament geschaffen sei, könne die SPD in Solingen politisch erfolgreich agieren, so die Einschätzung des neuen Führungsduos.

Strategie für kommende Wahlen
Mit Blick auf die nächsten Wahlkämpfe wollen Schaffert und Weber stärker sichtbar machen, wofür die SPD in Solingen steht. Dazu soll die Präsenz in sozialen Netzwerken ausgebaut und stärker auf klare, erkennbare Persönlichkeiten gesetzt werden. Weber, der als einziger Sozialdemokrat einen Wahlkreis direkt gewonnen hatte, sieht im direkten Gespräch mit den Wählern den Schlüssel, um Vertrauen zurückzugewinnen – besonders in Stadtteilen, in denen rechtspopulistische Kräfte zuletzt erstarkt sind.
Hintergrund der neuen Vorsitzenden
Schaffert, beruflich in der Geschäftsführung der Diakonie Bethanien tätig und erst seit gut einem Jahr Mitglied der Partei, bringt Erfahrung aus Initiativen zur Förderung von Frauen in der Politik mit. Weber wiederum leitet seit vielen Jahren ein Solinger Schneidwarenunternehmen und möchte seine Kenntnisse aus der Wirtschaft in die Parteiarbeit einfließen lassen.
Beide gehören dem neuen Stadtrat an und sehen darin die Chance, politische Gestaltung und parteiinterne Erneuerung eng miteinander zu verzahnen.
Weitere Personalentscheidungen
Neben der neuen Doppelspitze wurden auch deren Vertreter gewählt. Dabei erhielt Musa Kavalli aus dem Ortsverein Mitte eine deutliche Mehrheit (80%). Seine Mitbewerberin Ramona Engels kam mit 61,7 % auf etwas weniger als zwei Drittel der Stimmen.
Ein Parteitag zwischen Bilanz und Aufbruch
Der rund dreistündige Parteitag verband ernste Rückblicke mit einer spürbaren Bereitschaft, alte Gräben zu überwinden. Zahlreiche Delegierte würdigten zudem frühere Führungskräfte wie Iris Preuß-Buchholz und den (nicht anwesenden) ehemaligen Oberbürgermeister Tim Kurzbach für deren Engagement. Mit der Wahl des neuen Führungsduos geht die Solinger SPD nun mit klaren Erwartungen an sich selbst in die kommenden Jahre – und mit dem erklärten Ziel, wieder geschlossen und selbstbewusst aufzutreten.











