Gummersbach – Dieses Derby hatte alles, was ein Handballkrimi braucht – und am Ende fühlte sich das 29:29 (12:16) für den Bergischen HC fast wie ein Sieg an. 59 Sekunden vor Schluss, eine letzte Auszeit, der BHC im Ballbesitz und mit 28:29 im Hintertreffen: „Wenigstens einen Punkt holen wir uns hier“, sagte Trainer Markus Pütz entschlossen. Und seine Mannschaft lieferte. Johannes Wasielewski fasste sich bei angezeigtem Zeitspiel ein Herz und nagelte den Ball unhaltbar in den Winkel. Kurz darauf jubelten die Löwen ausgelassen – ein Punkt, der sich wie eine kleine Sensation anfühlte.
Starke erste Halbzeit der Bergischen
Dabei war der BHC über weite Strecken das bessere Team. Nach einer frühen Unterzahl geriet man zwar 6:8 ins Hintertreffen, doch die Gäste zeigten eine beeindruckende Reaktion. Ein Gegenstoßtreffer von Julian Fuchs, ein sicher verwandelter Siebenmeter von Noah Beyer – und schon war das Derby wieder offen.
Angetrieben vom überragenden Sören Steinhaus, der im personell ausgedünnten Rückraum enorme Verantwortung übernahm, erspielten sich die Bergischen immer mehr Kontrolle. Wasielewski, als einziger linker Rückraumspieler früh mit zwei Zeitstrafen belastet, verteidigte anschließend fehlerfrei.
In ihrer stärksten Phase setzte sich der BHC mit einem 5:1-Lauf auf 16:12 ab. Torwart Christopher Rudeck parierte sogar einen Siebenmeter, die 250 mitgereisten Fans peitschten ihr Team lautstark nach vorn – der VfL wirkte beeindruckt.
Gummersbach kämpft sich zurück
Nach der Pause schien der BHC seinen Vorsprung zunächst zu behaupten, doch Gummersbach fand nun besser ins Spiel. VfL-Keeper Bertram Obling steigerte sich, die Hausherren verkürzten Tor für Tor. Ein umstrittener Offensivfoul-Pfiff gegen Steinhaus und ein ausbleibender Siebenmeter für Beyer sorgten zusätzlich für Frust beim BHC.
In der 44. Minute war es dann so weit: Nationalspieler Julian Köster glich zum 20:20 aus – das Derby war wieder völlig offen. Die Löwen, mittlerweile sichtlich müde, stemmten sich mit Herz und Leidenschaft dagegen. Nico Schöttle erzielte zwei wichtige Treffer und brachte sein Team erneut nach vorn, doch der VfL antwortete mit drei Toren in Serie. Die Schwalbe-Arena stand Kopf.
Spektakel in der Schlussphase
Das Spiel war nun ein reines Drama. Steinhaus traf per Kempa, Wasielewski legte nach, der VfL konterte jeweils postwendend. Beim Stand von 26:25 bangten die Gäste kurz um Kreisläufer Aron Seesing, der später jedoch zurückkehrte. Zwischenzeitlich traf auch Ersatzmann Lars Kooij – doch Gummersbach blieb hartnäckig, ging erst mit 28:27, später mit 29:28 in Führung.
Dann folgte die Szene des Spiels: BHC-Keeper Diedrich parierte glänzend gegen den frei durchlaufenden Lukas Blohme – seine sechste Parade. Wasielewski traf wieder zum Ausgleich, der VfL legte noch einmal vor, doch in der Schlussminute zeigte der BHC-Rückraumspieler erneut Nerven aus Stahl und erzielte das entscheidende 29:29.
Der letzte Angriff des VfL verpuffte – Seesing zog ein Offensivfoul, die Uhr lief herunter. Die BHC-Spieler fielen sich in die Arme. Ein Punkt – aber ein gefühlter Sieg.
Stimmen zum Spiel
Markus Pütz (BHC-Trainer):
„Wir nehmen einen Punkt mit, der mehr als verdient ist. Über weite Strecken waren wir das Team, das für den Sieg infrage kommt. Die Jungs haben in dieser Atmosphäre unglaubliche Stabilität gezeigt.“
Gudjon Valur Sigurdsson (VfL-Trainer):
„Ich kann nicht behaupten, glücklich zu sein. Der BHC war heute das bessere Team. Unsere 5:1-Abwehr hat nicht funktioniert, wir hatten kaum Zugriff. Der BHC hat uns vorgemacht, wie man mit Kampf und Leidenschaft so ein Spiel führt. Der Punkt ist verdient.“
Fabian Gutbrod (Sportlicher Leiter BHC):
„Das war eine unglaubliche Moral. Wir haben jeden Rückschlag weggesteckt. Unter diesen Voraussetzungen ist der Punkt ein riesiger Erfolg.“
Endstand:
VfL Gummersbach – Bergischer HC 29:29 (12:16)












