Nordrhein-Westfalen – Die von der NRW-Landesregierung vorgelegte Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) sorgt für deutliche Kritik seitens der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di NRW. Der am Montag präsentierte Gesetzentwurf bleibe weit hinter den Erwartungen zurück und verschärfe nach Einschätzung der Gewerkschaft die ohnehin angespannte Lage in den Kindertageseinrichtungen weiter.
Frank Bethke, stellvertretender Landesbezirksleiter von ver.di NRW, spart nicht mit deutlichen Worten: „Die Reform verspricht mehr Verlässlichkeit und Stabilität – tatsächlich aber erfolgt das auf Kosten des Personals und der pädagogischen Qualität. Die Landesregierung ist auf einem Irrweg. Unsere Kolleginnen und Kollegen werden mit den Folgen allein gelassen.“
Kritik an Kern- und Randzeiten
Besonders problematisch sieht ver.di die geplante Einführung von Kern- und Randzeiten, deren Umfang künftig von den Trägern selbst festgelegt werden kann. Während in der Kernzeit pädagogische Angebote stattfinden sollen, darf in Randzeiten auch nicht ausgebildetes Personal eingesetzt werden.
„Damit wird die Kita zur reinen Verwahranstalt umgebaut“, erklärt Bethke. Die Reform entwerte die Professionalität von Erziehern und Kinderpflegern und führe zu weniger Verlässlichkeit im Alltag. Die Beschäftigten würden so zum „Spielball ihrer Arbeitgeber“.
Größere Gruppen, höhere Belastung
Ein weiterer Punkt, den ver.di scharf kritisiert, ist die Möglichkeit, Gruppengrößen künftig um bis zu vier Kinder zu erweitern. Dies bedeute nicht nur eine deutlich höhere Belastung im Betreuungsalltag, sondern auch zusätzlichen Aufwand in Dokumentation und Zusammenarbeit mit Eltern.
„Qualifizierte Betreuung und frühkindliche Bildung erfordern fundiertes Fachwissen“, betont Bethke. Eine Ausweitung der Gruppen sei weder pädagogisch sinnvoll noch organisatorisch vertretbar.
Sinkende Standards statt Lösungen
Bereits mit der Personalverordnung 2024 wurden neue Einsatzmöglichkeiten für fachfremdes Personal eingeführt – eine Entwicklung, die durch die KiBiz-Reform fortgeführt werde. Bethke warnt: „Die Absenkung der Qualitätsstandards ist keine Lösung für den Fachkräftemangel. Im Gegenteil: Sie verschärft ihn.“
Zwar erkennt ver.di an, dass der Entwurf auf den ersten Blick positive Elemente enthält, etwa bei der stärkeren Einbindung von Kita-Helfern sowie bei der Integration der praxisintegrierten Ausbildung zur Kinderpflege. Diese Maßnahmen seien jedoch nicht geeignet, die grundlegenden strukturellen Defizite auszugleichen.
ver.di fordert Nachbesserungen
Die Forderungen der Gewerkschaft bleiben klar: kleinere Gruppen, klare Personalstandards und echte Entlastung. „Diese Reform liefert das nicht“, fasst Bethke zusammen. Die Sorge, dass die pädagogische Qualität in den Kitas weiter abnimmt, sei durch den Gesetzentwurf bestätigt worden.
ver.di kündigt an, die Umsetzung der Reform aufmerksam zu verfolgen und weiterhin Druck für grundlegende Verbesserungen auszuüben.












