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SolingenAufarbeitung sexualisierter Gewalt: Evangelische Kirche in Solingen zieht erste Bilanz

Aufarbeitung sexualisierter Gewalt: Evangelische Kirche in Solingen zieht erste Bilanz

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Über 6.000 Personalakten gesichtet – weitere Schritte folgen

Solingen – Die Evangelische Kirche in Solingen hat einen wichtigen Schritt bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt abgeschlossen. Von August bis November sichtete ein sechsköpfiges Expertenteam alle Personalakten des Kirchenkreises seit dem Jahr 1946. Insgesamt wurden 6.097 Akten geprüft – ein zentraler Baustein der ersten Projektphase „Aktensichtung“.

„Wir wissen jetzt, was in unseren Akten zu finden ist. Aber wir wissen auch, dass wir mit Fällen von Gewalt rechnen müssen, von denen sich nichts in den Akten finden lässt“, erklärt Superintendentin Dr. Ilka Werner. Genau deshalb verstehe sich die Aktenrecherche nicht als Abschluss, sondern als Anfang eines umfassenderen Aufarbeitungsprozesses.

Zum Team gehörten sechs Fachleute, darunter vier pensionierte Kriminalbeamte. Sie suchten gezielt nach Hinweisen auf sexualisierte Gewalt oder grenzverletzendes Verhalten – etwa nach Beschwerdebriefen, auffälligen Personalentscheidungen wie plötzlichen Kündigungen oder nach Fällen, mit denen sich kirchliche Gremien bereits früher beschäftigt hatten. Wo nötig, wurden ergänzend weitere Unterlagen, etwa Presbyteriumsprotokolle, hinzugezogen.

Das Ergebnis: In acht Personalakten fanden sich Hinweise auf sexualisierte Gewalt, übergriffiges oder grenzverletzendes Verhalten. Einige dieser Fälle waren bereits früher Gegenstand staatlicher Ermittlungen. Alle betroffenen Akten wurden sorgfältig dokumentiert und anschließend nach Düsseldorf gebracht. Dort prüfen nun unabhängige Staatsanwältinnen und Staatsanwälte im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland die Unterlagen.

In dieser zweiten Phase geht es um mehrere Fragen: Haben die Hinweise strafrechtliche Relevanz? Wurde damals angemessen gehandelt – oder haben kirchliche Gremien versagt? Und wo müssen heute Konsequenzen gezogen werden? Nach Abschluss der Prüfung erhält der Kirchenkreis Solingen die Ergebnisse. Sind Pfarrpersonen betroffen, übernimmt die Landeskirche die weiteren Schritte. In allen anderen Fällen kommen die Akten zurück nach Solingen, um gegebenenfalls weitere Maßnahmen einzuleiten.

Superintendentin Werner betont, wie wichtig es ist, über die Akten hinauszuschauen: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass es in den letzten 80 Jahren weitere Fälle sexualisierter Gewalt gegeben hat, die sich nicht in unseren Unterlagen finden.“ Deshalb bittet der Kirchenkreis ausdrücklich Betroffene, Angehörige sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, sich zu melden. „Wir versprechen, solche Hinweise heute immer sehr ernst zu nehmen – auch dann, wenn das Geschehen lange zurückliegt oder früher nicht gehört wurde.“

Die Aufarbeitung diene nicht nur der Klärung von Vergangenem, sondern auch dem Schutz für die Zukunft. Erkenntnisse aus der Untersuchung sollen helfen, Strukturen zu verbessern und neues Leid zu verhindern.

Der Solinger Prozess ist Teil einer umfassenden Verpflichtung der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Eine bundesweite Studie hatte im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass Beschwerden in der Vergangenheit häufig nicht angemessen verfolgt wurden. Inzwischen gibt es klar geregelte Verfahren, Schulungen für Mitarbeitende und Schutzkonzepte in Gemeinden, Kirchenkreis und Diakonischem Werk, um Betroffene besser zu schützen und Verantwortung zu übernehmen.


INFO: Anlaufstellen und Hilfe

Haben Sie sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche erfahren oder Hinweise auf entsprechende Fälle?

Vertrauenspersonen des Evangelischen Kirchenkreises Solingen:
Simone Tschense und Simone Henn-Pausch
📞 0212 – 287 301
✉️ vertrauenspersonen@evangelisch-solingen.de

Ansprechstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland:
📞 0211 – 4562 391

Unabhängige Beratungsangebote:

  • Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche (FABS):
    📞 0212 – 586118
  • Hilfetelefon Sexueller Missbrauch:
    📞 0800 – 2255530

Alle Gespräche werden vertraulich behandelt.

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