Solingen – Nach mehr als einem Jahr Stillstand kommt endlich Bewegung in die digitale Ausstattung der Schulen: Bund und Länder haben sich auf den Digitalpakt 2.0 geeinigt. In Solingen wird die Entscheidung grundsätzlich positiv aufgenommen – doch Euphorie klingt anders. Zu groß sind die Baustellen, zu zahlreich die Geräte, die schon lange kaputt in Schränken liegen oder im Unterricht improvisiert ersetzt werden müssen.
„Ja, es ist gut, dass endlich Bewegung in die Sache kommt“, sagt Jens Merten, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Solingen. Die Stadt habe als Schulträger monatelang im Dunkeln gestanden. Reparaturen wurden aufgeschoben, Ersatzbeschaffungen gestoppt – eine Phase, die sich an vielen Schulen unmittelbar bemerkbar machte. „Defekte Geräte konnten nicht mehr repariert oder ersetzt werden und wichtige Investitionen konnten nicht getätigt werden. So stand vielerorts wieder Technikfrust auf dem Stundenplan.“
Dass nun Planungssicherheit für fünf Jahre bestehe, sei wichtig – gerade in Solingen, wo bereits Modernisierungsprojekte auf der Kippe standen. Doch Merten warnt vor zu viel Optimismus: „Für einen echten Digitalisierungsschub reicht das vereinbarte Budget bei Weitem nicht aus.“
Tatsächlich fällt der Digitalpakt 2.0 finanziell deutlich schwächer aus als sein Vorgänger. Und aus Sicht des VBE droht die Lage sich weiter zu verschärfen, weil Länder eigene Ausgaben anrechnen können. Daniel Weber, stellvertretender VBE-Vorsitzender und Experte für digitale Bildung, spricht Klartext: „Wenn aus 2,5 Milliarden am Ende durch Taschenspielertricks der Finanzminister auf Landesebene nur noch 500 Millionen für neue Investitionen übrigbleiben, dann ist das kein Aufbruch, sondern Schönfärberei.“
Während in den Schulen längst Tablets mit kaputten Displays, nicht mehr unterstützte Laptops und ausgefallene Präsentationstechnik den Alltag erschweren, brauche es aus Sicht des VBE deutlich mehr als bloße Ersatzbeschaffungen. „Unsere Schulen brauchen nicht nur neue Leitungen und Server, sondern moderne Unterrichtskonzepte, KI-fähige Infrastruktur und digitale Weiterbildung“, so Weber. „Wer Digitalisierung ernst meint, darf nicht mit Minimalbudgets hantieren.“
Der Verband fordert deshalb eine schnelle, unbürokratische Bereitstellung der Mittel sowie eine klare Zweckbindung, damit das Geld tatsächlich bei der pädagogischen Weiterentwicklung ankommt. Außerdem brauche es frühzeitige Gespräche über einen Digitalpakt 3.0 – um ein erneutes Finanzierungsloch zu vermeiden.
„Wir dürfen nicht wieder sehenden Auges in eine Finanzierungslücke laufen. Der Stillstand seit Sommer 2024 war schmerzhaft“, betont Merten. Digitale Bildung sei kein zeitlich begrenztes Projekt: „Sie endet nicht 2030. Sie ist dauerhaft – und muss entsprechend dauerhaft abgesichert werden.“












