Bergisches Land – Der Bann ist gebrochen: Nach sieben Heimspielen ohne Niederlage ist die Erfolgsserie des Bergischen HC in der Wuppertaler Unihalle gerissen. Vor ausverkauftem Haus boten die Löwen gegen den Tabellendritten TBV Lemgo Lippe eine beeindruckende, kämpferische Vorstellung, führten über weite Strecken – und mussten sich am Ende dennoch knapp mit 27:28 (15:12) geschlagen geben.
Starker Auftakt, aber Chancen bleiben liegen
Der BHC startete konzentriert und dominant in die Partie. Die Deckung arbeitete kompakt, Torhüter Christopher Rudeck glänzte mit einer Fangquote von 40 Prozent zur Halbzeit. Im Angriff trafen Johannes Wasielewski und Nico Schöttle aus der Distanz, während Kreisläufer Aron Seesing sowohl selbst abschloss als auch Siebenmeter herausholte, die Noah Beyer sicher verwertete.
Trotz klarer Feldvorteile verpassten es die Gastgeber jedoch, sich deutlicher abzusetzen. Zu viele freie Gelegenheiten blieben ungenutzt, Lemgos Keeper Constantin Möstl parierte mehrfach stark – einmal verfehlte der BHC sogar das leere Tor. So stand zur Pause ein 15:12 auf der Anzeigetafel, ein Vorsprung, der angesichts der Dominanz fast zu niedrig wirkte.
Rote Karte als Wendepunkt
Nach dem Wiederanpfiff häuften sich die Fehler aufseiten der Hausherren, Lemgo nutzte diese konsequent. Zwar parierte Rudeck einen Siebenmeter von Samuel Zehnder, und der eingewechselte Tomas Babak brachte sein Team wieder mit 18:16 in Front. Doch die Schlüsselszene folgte in der 44. Minute: Nach einem abgeblockten Lemgo-Angriff startete Möstl einen Gegenstoß, wurde von Gerdas Babarskas gestoppt. Die Unparteiischen sahen sich die Szene per Videobeweis an – und entschieden auf Rot für den BHC-Abwehrchef.
Für die ohnehin personell dezimierten Löwen war der Ausfall ein schwerer Schlag. In der Defensive fehlte fortan der Zugriff auf Lemgos überragenden Linkshänder Niels Versteijnen, der in der Schlussphase neun der verbleibenden zwölf TBV-Tore warf.
Ein packendes Finish – mit bitterem Ende
Trotz Unterzahl und erneuter Hinausstellungen kämpfte der BHC unermüdlich weiter. Auch als Lemgo in der 51. Minute erstmals in Führung ging (22:23), gaben die Gastgeber nicht auf. Selbst der 25:27-Rückstand zweieinhalb Minuten vor dem Ende wurde noch einmal wettgemacht: Schöttle verkürzte, Beyer traf spektakulär zum 27:27-Ausgleich.
Doch wieder war es Versteijnen, der zum 28:27 traf – der entscheidende Treffer. Der letzte BHC-Wurf durch Wasielewski fand nicht den Weg ins Tor. Eine mögliche Berührung im Gesicht des Werfers wurde per Videobeweis überprüft, brachte aber keinen Strafwurf mehr ein.
Stimmen zum Spiel
TBV-Trainer Florian Kehrmann lobte die Intensität: „Ein Spiel Spitz auf Knopf zwischen zwei Teams voller Selbstvertrauen. Wir hatten am Ende das Quäntchen Glück.“
BHC-Coach Markus Pütz ärgerte sich über verpasste Möglichkeiten: „Wir hätten in der ersten Halbzeit mehr Kapital schlagen müssen. Die Rote Karte tut uns unfassbar weh. Trotzdem ein Riesenspiel meiner Mannschaft.“
BHC-Routinier Fabian Gutbrod kommentierte die umstrittene Szene deutlich: „Wenn diese Rote Karte regelkonform ist, werden wir kaum noch Bundesligaspiele ohne Platzverweis erleben.“ Dennoch erkannte er Lemgos Effizienz an und sprach von einem „verdienten, wenn auch unglücklichen Ausgang“.
Fazit
Auch wenn die Heimserie des BHC gerissen ist – die Leistung stimmt optimistisch. Mit großem Kampfgeist und mutigem Handball hielten die Löwen den Tabellendritten bis in die Schlusssekunden am Rande einer Niederlage.












