Solingen – Während viele Menschen den Jahreswechsel als Moment des Innehaltens und Feierns begreifen, nutzt der Solinger FDP-Politiker und ehemalige Ratsherr Dario Dzamastagic die Nacht zu Silvester für einen klaren politischen Appell. In einem persönlichen, aber zugleich deutlichen Beitrag beschreibt er die Herausforderungen, vor denen Solingen steht – und formuliert einen konkreten Vorschlag, wie die Stadt im Jahr 2026 zu neuer Stabilität finden kann. Dzamastagic sieht die politischen Mehrheiten bröckeln, das Vertrauen der Menschen abnehmen und die Stadt vor zentralen Entscheidungen. Sein Text ist weniger Rückblick als Weckruf.
Im Folgenden veröffentlichen wir seinen Beitrag im Wortlaut.
Ein Jahreswechsel für Solingen – und eine Entscheidung
Von Dario Dzamastagic
Ich schreibe diesen Text an Silvester. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil Jahreswechsel Momente sind, in denen man Bilanz zieht und Verantwortung nicht vertagen kann. 2026 wird geschrieben. Die Frage ist, von wem und mit welchem Inhalt.
Solingen steht (politisch) an einem kritischen Punkt. Die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat sind ungewiss, Entscheidungen werden schwer, Kompromisse noch schwerer. Oberbürgermeister Daniel Flemm steht damit vor einer Aufgabe, die in dieser Form kaum ein Einzelner lösen kann. Handlungsfähigkeit entsteht nicht durch Ämter, sondern durch Zusammenarbeit.
Dabei mangelt es unserer Stadt nicht an offenen Themen. Wohnungsbau, soziale Zufriedenheit, Sicherheit, ein ausgeglichener Haushalt, Umwelt, soziale Fairness, eine starke Wirtschaft und eine funktionierende Verwaltung sind keine konkurrierenden Ziele. Sie sind miteinander verbunden. Wer eines blockiert, schwächt am Ende alle anderen.
Was derzeit fehlt, ist nicht Analyse, sondern Mut zur Verantwortung. Viele Bürgerinnen und Bürger erleben Politik als zögerlich, taktisch, abwartend. Vertrauen ist aber kein statischer Zustand. Es schwindet, wenn Ergebnisse ausbleiben. Und dieses schwindende Vertrauen verschwindet nicht einfach, es sucht sich neue Adressen. Solingen sollte sehr wachsam sein, wem dieses Vakuum am Ende nützt…
Ich schreibe das nicht als Politiker und nicht aus parteipolitischem Interesse. Verantwortung für eine Stadt endet nicht an einem Ratstisch. Sie beginnt bei der Frage, ob man bereit ist, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen.
Deshalb braucht Solingen jetzt eine stabile politische Arbeitsgrundlage. Mein persönlicher Wunsch ist eine Deutschland-Koalition plus. Eine Koalition der demokratischen Mitte mit klarer Mehrheit, ergänzt um verlässliche Partner für konkrete Projekte. Nicht als Machtbündnis, sondern als Zweckgemeinschaft für Ergebnisse. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Ernsthaftigkeit. Mein Appell gilt der CDU, SPD, SG.Zukunft, BfS und der FDP in Solingen: Sondiert über die Schaffung einer stabilen Koalition! Liefert ab! Solingen hat es verdient.
Ein erster sichtbarer Schritt könnte ein gemeinsames, ernst gemeintes Update der Wirtschaftsförderung sein. Nicht als Papiertiger, sondern als Signal. An Unternehmen, Beschäftigte und Investoren, dass Solingen gestalten will. Eine starke Wirtschaft ist keine Ideologie, sondern die Grundlage für soziale Stabilität, Umweltmaßnahmen und einen handlungsfähigen Haushalt.
Am Ende dieses Jahres geht es nicht um Schuldfragen. Es geht um Verantwortung. 2026 wird geschrieben, ob wir wollen oder nicht. Die entscheidende Frage ist, ob man später sagen kann, dass dieses Jahr der Moment war, in dem Solingen sich zusammengerauft hat.
Noch ist Zeit. Aber nicht mehr viel. Kommt gut ins neue Jahr.












