Solingen – Wirtschaftspolitik bleibt eines der zentralen Themen in Solingen. Im Zuge des Interviews mit dem neu gewählten Aufsichtsratsvorsitzenden der Wirtschaftsförderung Solingen (Wifö) haben die Vorsitzenden der grünen Ratsfraktion, Ruth Fischer-Bieniek und Leon Kröck, Stellung bezogen und eine insgesamt positive Bilanz der aktuellen Entwicklung gezogen.
Die Wifö habe in den vergangenen Jahren schwierige Zeiten durchlebt, so Fischer-Bieniek und Kröck. Bei Fraktionsbesuchen in den Räumen der Wirtschaftsförderung sowie auf dem Rasspe-Gelände im vergangenen Jahr habe man sich jedoch von der engagierten, lösungsorientierten und kollegialen Arbeitsweise der neuen Führung überzeugen können. Die Etablierung eines Dreierteams an der Spitze, mit Kämmerer Wienicke als Geschäftsführer, sei der richtige Schritt gewesen, um die Wifö wieder auf Kurs zu bringen.
Besonders begrüßen die Grünen den veränderten Ansatz der Wirtschaftsförderung: Statt abzuwarten, bis Unternehmen sich melden, sucht die Wifö nun aktiv und regelmäßig den Austausch mit Solinger Betrieben. Klare Zuständigkeiten innerhalb der Organisation sowie die Rolle als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Verwaltung stärken aus Sicht der Fraktion die Unterstützung für die Unternehmen vor Ort.
Gleichzeitig weisen Fischer-Bieniek und Kröck darauf hin, dass sich die Solinger Wirtschaft in einem grundlegenden Wandel befindet. Der Masterplan Arbeit und Wirtschaft zeige, dass zukünftiges Wachstum vor allem im Dienstleistungssektor zu erwarten sei – insbesondere in der Gesundheitswirtschaft. Diese Branche stelle andere Anforderungen an Standorte: eine innerstädtische Lage, gute Anbindung an den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr sowie kleinere Einheiten aufgrund des zunehmenden Homeoffice-Trends.
Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz werde das Wirtschaftsleben verändern. Gespräche mit Unternehmen des produzierenden Gewerbes hätten gezeigt, dass künftig eher kleinere Flächen benötigt würden, statt zusätzlicher großer Gewerbeareale.
Vor diesem Hintergrund betonen die Grünen die Bedeutung einer stärkeren regionalen Zusammenarbeit. Der frühere Rektor der Universität Wuppertal habe zu Recht gefordert, politisch, ökonomisch und kulturell „bergischer“ zu denken. Das Bergische Städtedreieck solle gemeinsam als Wirtschaftsregion weiterentwickelt werden.
Die Fraktion verteidigt zudem den Ratsbeschluss, neue Gewerbeflächen im Außenbereich der Stadt nicht pauschal auszuweisen. Die Flächenkonkurrenzen seien zu groß und zu vielfältig, um unüberlegt neue Gebiete zu erschließen. Aussagen über eine „steigende Nachfrage“ nach Gewerbeflächen müssten konkret definiert und überprüft werden.
Stattdessen solle Solingen vorhandene, teils zusammenhängende Gewerbebrachflächen prioritär vermarkten. In der Debatte dürften Aspekte wie Klimawandel, der Verlust von Grünflächen, Gesundheitsrisiken bei Hitzeperioden und der Artenschwund nicht ausgeblendet werden, so Fischer-Bieniek und Kröck abschließend: „So einfach ist die Welt nicht mehr – auch nicht in Solingen.“











