Nordrhein-Westfalen – Nach dem angekündigten Stillstand des öffentlichen Nahverkehrs in Solingen und weiten Teilen des Landes NRW zum Wochenbeginn spitzt sich der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst in Nordrhein-Westfalen weiter zu. Am Montag, 2. Februar 2026, bleiben in der Klingenstadt alle Linienbusse in den Depots. Der reguläre Busverkehr kommt infolge eines ganztägigen Warnstreiks der Gewerkschaft ver.di vollständig zum Erliegen. Pendler, Schüler sowie Berufstätige müssen auf das Auto, das Fahrrad oder alternative Verkehrsmittel ausweichen.
Auch in vielen anderen Städten Nordrhein-Westfalens kommt es aufgrund der Warnstreiks zu massiven Einschränkungen im Bus- und Straßenbahnverkehr.
Der Warnstreik im Nahverkehr ist Teil einer landesweiten Protestwelle, mit der ver.di auf die aus Sicht der Beschäftigten unzureichenden Arbeitsbedingungen und die stockenden Tarifverhandlungen aufmerksam macht. Neben besseren Löhnen fordert die Gewerkschaft unter anderem mehr Ruhezeiten, höhere Zuschläge sowie Maßnahmen gegen den zunehmenden Personalmangel.
Ausweitung der Streiks im öffentlichen Dienst der Länder
Nur wenige Tage nach dem ÖPNV-Stillstand weitet ver.di die Arbeitsniederlegungen nun weiter aus. Am Mittwoch, 4. Februar 2026, sind Beschäftigte des öffentlichen Dienstes der Länder in ganz Nordrhein-Westfalen zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.
Betroffen sind zahlreiche Bereiche, darunter Hochschulen, Justiz, Landesverwaltung sowie die sechs Universitätskliniken in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster. In den Kliniken gelten Notdienstvereinbarungen, dennoch müssen Patienten mit Einschränkungen im Regelbetrieb rechnen.
In mehreren Städten, unter anderem in Aachen, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hagen, Köln, Münster und Siegen, sind Kundgebungen und Demonstrationen geplant.
Druck vor dritter Verhandlungsrunde
Mit den Aktionen will ver.di den Druck auf die Arbeitgeber der Länder erhöhen. Die bisherigen Verhandlungsrunden blieben ohne ein verhandlungsfähiges Angebot. Frank Bethke, stellvertretender Landesbezirksleiter von ver.di NRW, kritisiert, dass viele Beschäftigte zunehmend verärgert seien.
„Viele Beschäftigte sind frustriert, weil es auch nach zwei Runden noch immer kein Angebot gibt“, erklärte Bethke. Aussagen wie „Inflation plus einen Schnaps obendrauf“ würden den Unmut zusätzlich verstärken. Zudem wachse die Sorge, dass sich die Bezahlung im Länderbereich weiter vom Tarifniveau bei Bund und Kommunen entferne.
Parallel beteiligen sich auch Beschäftigte der Autobahn GmbH an den Protesten, die sich ebenfalls in einer Tarifauseinandersetzung befinden.
Forderungen der Gewerkschaft
Im Mittelpunkt der Tarifrunde steht die Forderung nach sieben Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro pro Monat, um vor allem untere Lohngruppen zu stärken. Nachwuchskräfte sollen monatlich 200 Euro mehr erhalten und nach erfolgreicher Ausbildung unbefristet übernommen werden.
Zudem fordert ver.di eine Erhöhung aller Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte sowie eine Laufzeit des neuen Tarifvertrags TV-L von zwölf Monaten.
Spürbare Auswirkungen auf den Alltag
Die Warnstreiks machen sich zunehmend im Alltag der Menschen bemerkbar. Der komplette Stillstand des Busverkehrs in Solingen zu Wochenbeginn hat gezeigt, wie stark Mobilität, Arbeitswege und Schulbesuche von den Tarifkonflikten betroffen sind. Auch Einschränkungen an Hochschulen, in Verwaltungen und im Gesundheitswesen werden erwartet.
Ob die jüngste Eskalation Bewegung in die Gespräche bringt, bleibt offen. Die dritte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern ist für den 11. und 12. Februar 2026 in Potsdam angesetzt. Viele Beschäftigte hoffen nun auf ein ernstzunehmendes Angebot, um weitere Streiks zu vermeiden.











