Düsseldorf/Solingen – Wenn es nach den Plänen der NRW-SPD geht, könnte es mit dem Schulfrieden auch in Solingen bald vorbei sein. Der designierte SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im kommenden Jahr will im Fall eines Wahlsiegs seiner Partei ein zweigliedriges Schulsystem einführen. Bis zum Jahr 2032 strebe er ein Schulsystem an, das neben den Grundschulen im Wesentlichen nur noch aus Gymnasien und Gesamtschulen bestehen soll.
Diese Pläne stoßen bei der CDU-Fraktion in Solingen auf deutliche Kritik.
„Schulpolitik ist kein Experimentierfeld“
„Schulpolitik ist kein Experimentierfeld für die Politik. Ein möglichst breit aufgestelltes und vielfältiges Schulsystem entspricht am ehesten den Neigungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler. Bildung ist ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Zukunftschance unserer Kinder und unserer Stadt geht“, erklärt Torsten Küster (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Weiterbildung.
Er betont, dass sich Lernen und Lehren am besten entwickelten, wenn das bestehende System nicht grundsätzlich infrage gestellt werde. „Der Schulfrieden ist ein hohes Gut. Er hat uns in den letzten Jahren geholfen, dass wir uns im Schulausschuss auf das konzentrieren konnten, was Kommunen leisten können. Wir kümmern uns ja im Wesentlichen um die bauliche und technische Ausstattung unserer Schulen. Unruhe, die möglicherweise von Landesebene hineingetragen wird, können wir nicht gebrauchen“, so Küster weiter.
Kritik an möglichen Einheitsstrukturen
Auch die schulpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, Simone Lammert, äußert sich kritisch zu den Plänen der NRW-SPD. „Man könnte es wie folgt formulieren: Die NRW-SPD arbeitet anscheinend schon jetzt daran, nicht wählbar zu sein“, sagt sie.
Derzeit verfüge Solingen über eine vielfältige Schullandschaft mit Grund- und Förderschulen, einer Sekundarschule, Gesamtschulen, Realschulen, Gymnasien und Berufskollegs. „Und das ist auch gut so! Unsere Schullandschaft lebt von ihrer Vielfalt, die den Interessen der Kinder und Jugendlichen gerecht wird, und von der Wahlfreiheit der Eltern“, betont Lammert.
Eine Reduzierung auf wenige Schulformen werde dieser Vielfalt nicht gerecht. „Das lässt sich nicht alles über einen beziehungsweise zwei Kämme scheren. Auch an den anderen Schulformen wird eine tolle und engagierte Arbeit geleistet“, ergänzt sie.
Bedeutung der Berufsausbildung für Solingen
Lammert, die zugleich stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist, verweist zudem auf die besondere Struktur der Stadt. „Durch die neuen Pläne würde zum Beispiel der Versorgungsbereich der Berufskollegs untergraben, weil sowohl an den Gesamtschulen als auch an den Gymnasien Abitur gemacht werden kann“, erklärt sie.
Solingen sei eine „Blaumannstadt“, in der handwerkliche und praktische Berufe eine wichtige Rolle spielten. „Hier gilt der Meister nicht weniger als der Master. Es ist für unsere Stadt gar nicht erstrebenswert, dass alle Jugendlichen möglichst Abitur machen und studieren“, sagt die Christdemokratin.
Gerade die Realschulen mit ihrer praxisorientierten Ausbildung sicherten den Übergang in viele Ausbildungsberufe. „Solingen braucht Vielfalt und keinen Einheitsbrei – das gilt auch für die Schulpolitik“, so Lammert abschließend.











