Nordrhein-Westfalen – Schnelles Handeln kann Leben retten – dieses Ziel verfolgt das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen mit einem neuen, landesweiten Konzept zur Ersten Hilfe und Laienreanimation. Ab dem Schuljahr 2026/27 wird der Wiederbelebungsunterricht für Schülerinnen und Schüler der Klassen sieben bis neun verpflichtend. Davon profitieren auch die weiterführenden Schulen in Solingen.
Wie das NRW-Schulministerium mitteilt, starteten die Vorbereitungen Anfang Februar 2026 mit einer großen Fortbildungsveranstaltung in Mülheim an der Ruhr. Rund 150 Lehrkräfte trainierten dort an Reanimationspuppen die Herzdruckmassage. Ziel ist es, die Lehrerinnen und Lehrer fit zu machen, damit sie ihre Klassen künftig im Umgang mit Notfallsituationen schulen können.
An der Auftaktveranstaltung nahm unter anderem Schulministerin Dorothee Feller teil. Begleitet wurde sie von Vertretern verschiedener Stiftungen, medizinischer Fachgesellschaften und Hilfsorganisationen, darunter die Björn-Steiger-Stiftung und die Deutsche Herzstiftung.
Verpflichtender Unterricht ab Klasse 7
Kern des Programms ist eine verbindliche Schulung aller Jugendlichen der Sekundarstufe I. Jede Schülerin und jeder Schüler soll mindestens einmal in den Klassen sieben, acht oder neun eine 90-minütige Ausbildung in Laienreanimation erhalten. Auch Förderschulen und private Ersatzschulen werden zur Teilnahme ermutigt.
Für Solinger Schulen bedeutet das: In den kommenden Monaten werden Lehrkräfte gezielt fortgebildet und mit Unterrichtsmaterialien ausgestattet. Unterstützt werden sie durch eine zentrale Geschäftsstelle bei der Bezirksregierung Köln sowie durch zahlreiche Kooperationspartner.
Bis spätestens zum Schuljahr 2026/27 sollen alle rund 2.100 Schulen mit Sekundarstufe I in NRW – und damit auch die Schulen in Solingen – jeweils über zehn Reanimationspuppen und mindestens zwei geschulte Lehrkräfte verfügen. Bereits heute sind landesweit mehr als 8.000 Übungspuppen im Einsatz.
„Prüfen, Rufen, Drücken“
Im Mittelpunkt des Unterrichts steht das einfache und einprägsame Prinzip „Prüfen, Rufen, Drücken“. Schülerinnen und Schüler lernen, zunächst die Atmung und Ansprechbarkeit einer Person zu überprüfen, dann den Notruf zu wählen und sofort mit der Herzdruckmassage zu beginnen.
Hintergrund ist, dass bei einem Herzstillstand bereits nach wenigen Minuten schwere Hirnschäden drohen, wenn keine Hilfe erfolgt. Studien zeigen, dass selbst ungeübte Ersthelferinnen und Ersthelfer die Überlebenschancen deutlich erhöhen können.
„Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde“, betonte Ministerin Feller. Ziel sei es, dass richtiges Verhalten im Notfall für Kinder und Jugendliche so selbstverständlich werde wie Fahrradfahren.
Breites Netzwerk an Partnern
Das Programm basiert auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Schulministerium, Bezirksregierungen, Ärztekammern, Stiftungen und Hilfsorganisationen. Zu den Partnern zählen unter anderem das Deutsches Rotes Kreuz, die Johanniter, die Malteser, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft sowie medizinische Fachgesellschaften.
Ergänzend zu Online-Schulungen und Lehrvideos finden 2026 landesweit weitere Präsenzfortbildungen statt, unter anderem in Bielefeld, Münster, Dortmund und Aachen.
Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst unterstützt das Vorhaben: „Jeder kann zum Lebensretter werden. Wie es richtig geht, muss man lernen – und zwar schon in der Schule.“
Bedeutung für Solingen
Für Solingen eröffnet das Programm neue Chancen in der Präventions- und Gesundheitsbildung. Schülerinnen und Schüler werden nicht nur auf Notfälle im Schulalltag vorbereitet, sondern tragen ihr Wissen auch in Familien und Freundeskreise weiter. Damit erhält der Reanimationsunterricht eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung.
Das Schulministerium sieht in der Maßnahme einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Handlungssicherheit junger Menschen. Langfristig soll so die Quote der Ersthelfer in Nordrhein-Westfalen deutlich steigen.
Das Ziel ist klar: Wer im Notfall richtig handelt, kann Leben retten. Gemeinsam wird dafür gesorgt, dass alle Schülerinnen und Schüler – auch in Solingen – auf den Ernstfall gut vorbereitet sind.











