Solingen – Die Zukunft der Lutherkirche in Solingen beschäftigt weiterhin Politik, Kirchengemeinde und Öffentlichkeit. Nach einer Pressekonferenz des Presbyteriums, in der angekündigt wurde, dass ab 2030 keine regelmäßigen Sonntagsgottesdienste mehr in der Kirche stattfinden sollen, kam es zu Verunsicherung und Kritik. Nun haben sich sowohl der langjährige Unterstützer Hansjörg Schweikhart als auch der Evangelische Kirchenkreis Solingen zu den Hintergründen geäußert.
Auslöser der Debatte war unter anderem die Schlagzeile „Die Evangelische Kirche Solingen verliert ihr Wahrzeichen Lutherkirche“. Diese habe, so Schweikhart, zu Missverständnissen geführt. Tatsächlich solle die Lutherkirche weder aufgegeben noch entwidmet werden. Große Gottesdienste zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Konfirmationen oder kirchliche Großveranstaltungen sollen weiterhin stattfinden. Auch kulturelle Veranstaltungen sollen künftig sogar ausgeweitet werden.
Hohe Kosten und langjähriges Engagement
Schweikhart, der seit vielen Jahren im Lutherkirchen-Bauverein aktiv ist, verweist auf die hohen finanziellen Belastungen der Gemeinde. Die Lutherkirche sei das größte und zugleich kostenintensivste Gebäude im Kirchenkreis. Als denkmalgeschütztes Bauwerk verursache sie seit Jahrzehnten hohe Unterhalts- und Sanierungskosten.
Zwischen 2011 und 2021 wurden rund 1,56 Millionen Euro in die Restaurierung investiert. Ein erheblicher Teil davon stammt aus Spenden und Erlösen des Lutherkirchen-Bauvereins sowie aus Fördermitteln von Bund und Land. Seit 1994 habe der Verein insgesamt rund 1,1 Millionen Euro für den Erhalt der Kirche bereitgestellt.
Schweikhart kritisiert, dass die Lutherkirchengemeinde in der Vergangenheit finanziell überdurchschnittlich belastet gewesen sei und bei der Verteilung der Kirchensteuer nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Aus seiner Sicht sei der nun gefasste Beschluss des Presbyteriums auch eine Reaktion auf diese langjährige Situation.
Sicht des Kirchenkreises auf die Finanzlage
Dieser Einschätzung widerspricht Pfarrer Thomas Förster, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Solingen. Er betont, dass der Kirchenkreis selbst keine eigenen Kirchensteuereinnahmen habe und über kein frei verfügbares Vermögen verfüge. Die Kirchensteuer gehöre grundsätzlich den einzelnen Gemeinden.
In Solingen werde das Steueraufkommen entsprechend der Mitgliederzahlen auf die Gemeinden verteilt. Vorab legten diese gemeinsam fest, welcher Anteil an den Kirchenkreis abgeführt werde, um gemeinsame Aufgaben zu finanzieren – etwa die Notfallseelsorge, die Krankenhausseelsorge oder das Diakonische Werk. Zuschüsse für die Gebäudeunterhaltung seien daraus nicht vorgesehen.
Förster weist zudem darauf hin, dass sich die Debatte häufig auf die hohen Sanierungskosten der vergangenen Jahre konzentriere. Darüber hinaus verursache die Lutherkirche jedoch laufende Kosten von mehr als 200.000 Euro pro Jahr. Dazu gehörten Rücklagen für die Instandhaltung, Versicherungen, Heizkosten und Reinigung. Solche Rücklagen müssten alle Gemeinden abhängig vom Versicherungswert ihrer Gebäude bilden.
Zwar leiste der Lutherkirchen-Bauverein durch Spenden und andere Einnahmen weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung, dennoch müssten mehr als 80 Prozent dieser laufenden Kosten aus den Kirchensteuermitteln der Gemeinde gedeckt werden. Dies stelle eine dauerhafte Belastung für den Gemeindehaushalt dar.
Der Kirchenkreis verfüge daher über keine Mittel, um einzelne Kirchen gezielt finanziell zu unterstützen. Alle neun Gemeinden stünden vor ähnlichen Herausforderungen, viele von ihnen müssten ebenfalls denkmalgeschützte und kostenintensive Gebäude erhalten. Die besondere Belastung der Lutherkirchengemeinde erkenne man an, eine strukturelle Benachteiligung könne jedoch nicht festgestellt werden.
Blick nach vorn
Unabhängig von den unterschiedlichen Bewertungen der finanziellen Situation sehen beide Seiten die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen. Der Lutherkirchen-Bauverein plant, seine Spendenarbeit auszubauen und mehr Menschen für eine Mitarbeit zu gewinnen. Zudem soll das kulturelle Angebot in der Kirche weiterentwickelt werden. Eine neue Internetpräsenz und verstärkte Aktivitäten in sozialen Medien sind bereits geplant.
Ziel ist es, den Erhalt der Lutherkirche langfristig auf eine breitere Basis zu stellen. Schweikhart wirbt für ehrenamtliches Engagement und Unterstützung aus der Bürgerschaft. Die Kirche solle nicht nur Gotteshaus, sondern auch kultureller Treffpunkt bleiben.
Wahrzeichen mit Zukunft
Trotz der angekündigten Veränderungen im gottesdienstlichen Alltag bleibt die Lutherkirche ein zentraler Bestandteil des Solinger Stadtbildes. Sowohl Gemeinde als auch Kirchenkreis betonen, dass es nicht um eine Aufgabe des Gebäudes geht, sondern um eine Anpassung an veränderte finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, das Zusammenspiel aus kirchlicher Nutzung, kulturellem Angebot und bürgerschaftlichem Engagement so zu gestalten, dass das denkmalgeschützte Wahrzeichen auch für kommende Generationen erhalten bleibt.








