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SolingenEvangelische Kirche in Solingen stellt Weichen für 2035

Evangelische Kirche in Solingen stellt Weichen für 2035

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Gebäudekonzept bis 2035 vorgestellt – Synode entscheidet im März

Solingen – Mit klaren, aber schmerzhaften Perspektiven hat der Evangelischer Kirchenkreis Solingen seine vorläufigen Vorschläge zur künftigen Nutzung von Kirchen und Gemeindehäusern vorgestellt. Bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung mit rund 350 Teilnehmern wurden die Ergebnisse einer siebenköpfigen Arbeitsgruppe präsentiert, die im vergangenen Jahr von der Synode eingesetzt worden war.

Geleitet wurde die Gruppe vom ehemaligen Solinger Stadtdirektor Hartmut Hoferichter. Ziel war es, angesichts sinkender Mitgliederzahlen und einer prognostizierten Halbierung der Finanzkraft bis Mitte der 2030er Jahre eine tragfähige Gebäudestruktur zu entwickeln.

Superintendentin Ilka Werner betonte im Vorfeld der Veranstaltung die Transparenz des Prozesses: „Uns ist wichtig, dass wir diesen schwierigen Zukunftsprozess so transparent wie möglich gestalten. Entscheiden muss am Ende die Synode.“ Zugleich dankte sie der Arbeitsgruppe für die geleistete Vorarbeit.

Drei Kategorien und ein Sonderfall

Die vorläufige Liste unterscheidet drei Kategorien sowie einen Sonderfall.

Langfristiger Erhalt vorgesehen

Über das Jahr 2035 hinaus erhalten bleiben sollen nach dem Vorschlag die Evangelische Stadtkirche Ohligs, die Walder Kirche, die Dorper Kirche sowie die Evangelische Kirche Gräfrath. Auch drei Gemeindezentren stehen auf der sogenannten Positivliste: das Gemeindezentrum Höhscheid an der Neuenhofer Straße, das Gemeindezentrum Wittenbergstraße sowie das Gemeindezentrum Schützenstraße/Ritterstraße.

Weitere Klärung notwendig

Noch nicht abschließend bewertet sind die Christuskirche mit dem Gemeindezentrum Rupelrath sowie die Evangelische Kirche Mangenberg mit dem Gemeindehaus Corinthstraße.

Als besonderer Fall gilt die Evangelische Stadtkirche Mitte. Aufgrund ihrer zentralen Lage in der Innenstadt, ihrer vielfältigen Nutzung durch Kirchenkreis und Stadtgesellschaft sowie als einziges durchgehend barrierefreies evangelisches Kirchengebäude in Solingen nimmt sie eine Sonderstellung ein. Hier soll geprüft werden, ob eine konzeptionelle Neuausrichtung den langfristigen Erhalt rechtfertigt.

Keine langfristige kirchliche Nutzung

Mittelfristig nicht mehr kirchlich getragen werden können nach Einschätzung der Arbeitsgruppe die Evangelische Kirche Merscheid mit dem benachbarten Gemeindezentrum, die Evangelische Kirche Widdert, die Evangelische Kirche Ketzberg mit Gemeindehaus, das Gemeindezentrum an der Zwinglistraße sowie die Lutherkirche mit dem dazugehörigen Gemeindehaus. Für die Lutherkirche hatte die zuständige Gemeinde bereits angekündigt, das Gebäude nicht über 2030 hinaus als Kirche nutzen zu können.

Finanzielle Realität und Klimaziel

Die drastischen Einschnitte sind Folge einer langfristigen Prognose: Ab Mitte der 2030er Jahre wird der Kirchenkreis voraussichtlich nur noch etwa die Hälfte seiner heutigen Finanzmittel zur Verfügung haben. Parallel dazu werden auch Mitgliederzahlen und die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter zurückgehen.

Gleichzeitig hat sich die Evangelische Kirche im Rheinland das Ziel gesetzt, ihre Gebäude ab 2035 klimaneutral zu betreiben. Die dafür notwendigen Sanierungen würden erhebliche Investitionen erfordern. Mit einer gemeinsamen strategischen Planung wolle die Synode vermeiden, dass Entscheidungen allein aus kurzfristigen Sparzwängen heraus getroffen werden.

„Wir sind überzeugt, dass wir auch mit weniger Mitteln zu 100 Prozent Kirche sein werden“, sagte Superintendentin Werner.

Wunsch nach Zusammenhalt

In der Diskussion der Informationsveranstaltung wurde mehrfach der Wunsch geäußert, trotz unterschiedlicher Perspektiven für einzelne Standorte als Evangelische Kirche in Solingen zusammenzustehen. Werner griff diesen Gedanken auf: „Mein Ziel ist es, dass sich am Ende keine Gemeinde als Verliererin oder Gewinnerin fühlt, sondern dass wir alle gemeinsam um die Gebäude trauern, die wir nicht werden halten können.“

Die Arbeitsgruppe will nun die Rückmeldungen auswerten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Am 14. März 2026 soll eine Sondersynode über das Gebäudekonzept beraten. Ob bereits Beschlüsse gefasst werden, ist offen. Spätestens bis Ende 2027 sollen endgültige Entscheidungen getroffen werden.

Fest steht: Die evangelische Kirchenlandschaft in Solingen steht vor einem tiefgreifenden Wandel – organisatorisch, finanziell und emotional.

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