Solingen – Die Schlaganfallversorgung in Solingen und der umliegenden Region ist auf ein neues Qualitätsniveau gehoben worden: Die Klinik für Neurologie am Städtischen Klinikum Solingen hat in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie die Erstzertifizierung als überregionale Stroke Unit erfolgreich erhalten.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Marcel Dihné, Chefarzt der Neurologie, und Privat-Dozent Dr. Hannes Nordmeyer, Chefarzt der Neuroradiologie, arbeiten interprofessionelle Teams nach den strengen Qualitätsstandards der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft sowie der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Die Zertifizierung bestätigt die hohe fachliche Kompetenz und die strukturierten Abläufe in der Versorgung von Schlaganfallpatienten.
Umfassend geprüft – von der Notaufnahme bis zur Nachsorge
Im Rahmen eines umfangreichen Audits wurden sämtliche relevanten Schnittstellen der Schlaganfallversorgung überprüft. Neben der Notaufnahme standen unter anderem Kardiologie, Radiologie, Neurochirurgie, Gefäßchirurgie inklusive kardiovaskulärem Diagnostikbereich sowie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und der Sozialdienst im Fokus.
Die Auszeichnung als überregionale Stroke Unit bedeutet aus fachlicher Sicht die Erfüllung strenger Kriterien:
- Höchste Qualitätsstandards: Speziell geschultes Personal, lückenlose Patientendokumentation, regelmäßige Fort- und Weiterbildungen sowie klar definierte Notfallprozesse.
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Eng verzahnte Abläufe zwischen Neurologie, Neurochirurgie, Radiologie, Intensivpflege, Kardiologie und Notfallmedizin gewährleisten schnelle Entscheidungen.
- Schnelligkeit und Systematik: Standardisierte Alarmierungs-, Diagnostik- und Behandlungswege mit klaren Zeitvorgaben – von der Bildgebung über die Thrombolyse-Entscheidung bis hin zur möglichen Thrombektomie.
- Digitale Unterstützung: Multimodale, KI-gestützte Schlaganfallbildgebung steht rund um die Uhr – auch im Nachtdienst – zur Verfügung und beschleunigt die Befundung sowie die Alarmierungskette.
- Kontinuierliche Qualitätssicherung: Systematisches Monitoring patientenspezifischer Kennzahlen, regelmäßige Fallbesprechungen, Audits sowie die Teilnahme an regionalen und nationalen Registerdaten sichern eine stetige Weiterentwicklung.
„Time is Brain“ – jede Minute zählt
Ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall. Der Leitsatz „Time is Brain“ verdeutlicht, dass mit jeder Minute unbehandelter Durchblutungsstörung im Gehirn Nervenzellen unwiederbringlich verloren gehen. Je schneller die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu verhindern oder deutlich zu reduzieren.
Typische Warnzeichen sind:
- Plötzliche Lähmung oder Taubheitsgefühl – meist einseitig im Gesicht, Arm oder Bein
- Hängender Mundwinkel
- Sprach- oder Sprechstörungen
- Sehstörungen
- Schwindel oder Gangunsicherheit
- Plötzlich einsetzender, ungewöhnlich starker Kopfschmerz
Zur schnellen Orientierung hilft der sogenannte FAST-Test:
Face (Gesicht): Lächeln – hängt ein Mundwinkel?
Arms (Arme): Beide Arme heben – sinkt einer ab?
Speech (Sprache): Einfachen Satz nachsprechen – klingt die Sprache verwaschen?
Time (Zeit): Bei Auffälligkeiten sofort handeln.
Im Notfall richtig reagieren
Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, gilt: Sofort den Notruf 112 wählen. Betroffene sollten nicht selbst ins Krankenhaus fahren, da der Rettungsdienst bereits vorab die Klinik informieren und die Versorgung vorbereiten kann.
Wichtig ist, möglichst genau anzugeben, wann die Symptome begonnen haben. Diese Information ist entscheidend für die Wahl der Therapie, etwa für eine medikamentöse Thrombolyse oder eine mechanische Thrombektomie.
Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sollte die betroffene Person ruhig gelagert, enge Kleidung gelockert und – falls notwendig – die Atmung überprüft werden. Essen oder Trinken sollten nicht gegeben werden.
Klare Vorteile für Patientinnen und Patienten
Für Betroffene bedeutet die Zertifizierung vor allem eines: mehr Sicherheit und bessere Behandlungschancen.
Durch frühzeitige Bildgebung und eine rasche Therapieeinleitung kann wertvolle Zeit gewonnen werden. Der Zugang zu modernen Therapieverfahren wie der mechanischen Thrombektomie sowie die engmaschige Überwachung auf der spezialisierten Einheit erhöhen die Behandlungsqualität zusätzlich.

Zugleich profitieren Patientinnen und Patienten von einheitlichen, leitliniengerechten Standards, die Komplikationen reduzieren und die Behandlungsvariabilität minimieren. Auch die Nachsorge ist eng vernetzt: Logopädie, Physiotherapie, Neuropsychologie und Frührehabilitation greifen nahtlos ineinander.
Ausbau der regionalen Verantwortung
Mit der Erweiterung seines Leistungsspektrums um die Bereiche Neurologie und Neuroradiologie Anfang 2024 hat das Klinikum die Schlaganfallversorgung für Solingen und Teile des Kreises Mettmann übernommen. Herzstück dieses Versorgungskonzeptes ist die Stroke Unit, die aktuell über zwölf Betten mit modernster Monitoring-Technik verfügt.
Ein multidisziplinäres Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften sowie Therapeutinnen und Therapeuten arbeitet dort Hand in Hand, um Schlaganfallpatienten schnellstmöglich und nach neuesten wissenschaftlichen Standards zu behandeln.
Die erfolgreiche Zertifizierung als überregionale Stroke Unit unterstreicht damit nicht nur die medizinische Leistungsfähigkeit des Hauses, sondern sendet auch eine klare Botschaft an die Bevölkerung: Im Notfall zählt jede Minute – und in Solingen steht dafür eine hochqualifizierte Struktur bereit.








