Solingen – Die geplante Sperrung der Bahnübergänge Schnittert und Wilzhauser Weg wird Thema in der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid (BV OAM) am Montag, 23. Februar. Bezirksbürgermeister Marc Westkämper (CDU) kündigte an, offene Fragen zeitnah klären zu wollen – auch wenn es im Vorfeld unterschiedliche Auffassungen über die Dringlichkeit des Themas gibt.
Ausgangspunkt ist ein Dringlichkeitsantrag der SPD. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, das Thema offiziell auf die Tagesordnung zu setzen. Die Stadtverwaltung sieht nach Angaben Westkämpers jedoch keine rechtliche Grundlage für eine Dringlichkeit. Dennoch soll die Diskussion stattfinden: Die Fragen der SPD können im Rahmen der regulären Anfragen an die Verwaltung gestellt werden.
„Ich finde es richtig, dass offene Fragen gestellt und beantwortet werden“, erklärte Westkämper im Vorfeld der Sitzung. Zwar hielten sich manche Fragen eher mit der Vergangenheit auf, für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger seien jedoch vor allem die zukünftigen Auswirkungen entscheidend. Die Bezirksvertretung wolle daher eigene Fragen ergänzen und so zur Klärung beitragen.
Auswirkungen auf Anwohner im Fokus
Im Mittelpunkt stehen die Verkehrsfolgen der Sperrung. Besonders relevant ist die vorgesehene Umleitung über den Keusenhof. Nach Angaben der für Straßen zuständigen Stadtverwaltung gibt es derzeit keine realistische Alternative. Feld- und Waldwege seien entweder nicht ausreichend ausgebaut oder befänden sich nicht im öffentlichen Eigentum.
Die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung sieht deshalb wenig Spielraum für kurzfristige Änderungen. Fraktionssprecherin Gerlinde Steingrüber betonte, es gehe nun darum, praktikable Lösungen im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten zu finden. Gleichzeitig wandte sie sich gegen politische Schuldzuweisungen und erklärte, weder Oberbürgermeister noch Abgeordnete auf Landes- oder Bundesebene benötigten „Nachhilfe“ im Umgang mit der Situation.
Erwartung: Aufklärung statt falscher Hoffnungen
Die CDU verbindet mit der Sitzung drei zentrale Ziele: offene Fragen möglichst sofort klären, Belastungen für Anwohner begrenzen und unrealistische Erwartungen vermeiden. Entscheidungen über Bahnübergänge liegen maßgeblich bei der Deutschen Bahn und können von der Kommune nur begrenzt beeinflusst werden.
Westkämper kündigte an, sämtliche nicht direkt beantworteten Fragen zu protokollieren und an die zuständigen Fachbereiche weiterzuleiten. Idealerweise könnten bereits während der Sitzung erste Antworten gegeben werden.
Für die betroffenen Anwohner dürfte die Sitzung dennoch nur ein Zwischenschritt sein. Konkrete Änderungen an der geplanten Verkehrsführung sind derzeit nicht absehbar – doch zumindest soll mehr Klarheit über Ablauf und Folgen der Sperrungen entstehen.
Kommentar der Redaktion: „Wenn Sekunden entscheiden“
von Lars Schulz – Die Deutsche Bahn erklärt die Sperrung technisch schlüssig – schwere Maschinen, Schotterarbeiten, Kabeltiefbau. Was sie nicht beantwortet, ist die entscheidende Frage: Wie kommen im Ernstfall Rettungsdienst und Feuerwehr zuverlässig und schnell zu den Menschen hinter der Bahnlinie?
Denn die offiziell vorgesehene Umleitung führt über den Keusenhof. Genau dort liegt das Problem. Die Hofschaft ist eng, die Brücke am Keusenhof / Ecke Wilzhauser Weg unterliegt einer Gewichtsbeschränkung und ist für schwere Einsatzfahrzeuge praktisch ungeeignet. Zusätzlich wurde die Zufahrt zur Brücke durch massive Betonelemente weiter verengt, um größere Fahrzeuge bewusst fernzuhalten.
Ein Löschfahrzeug, ein Drehleiterwagen oder ein größerer Rettungswagen kann sich nicht durch Engstellen „irgendwie“ hindurchzwängen. Feuerwehr und Rettungsdienst brauchen sichere, planbare Anfahrtswege. Nicht theoretisch, nicht „bei Bedarf kurzfristig“, sondern jederzeit garantiert. Bei einem Gebäudebrand oder einem medizinischen Notfall zählt jede Minute, manchmal jede Sekunde!
Die offene Verantwortungsfrage
Was passiert also, wenn in den Hofschaften jenseits der Gleise Menschen in Lebensgefahr sind und Einsatzkräfte wegen der Baustelle verspätet eintreffen? Wer trägt die Verantwortung für verlorene Zeit – und möglicherweise verlorene Leben?
Genau darauf bleibt die Deutsche Bahn bislang eine klare Antwort schuldig!








