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SolingenZukunft ohne Oberleitung? Studie empfiehlt grundlegenden Umbau des Busverkehrs

Zukunft ohne Oberleitung? Studie empfiehlt grundlegenden Umbau des Busverkehrs

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Solingen – Der öffentliche Nahverkehr in Solingen steht vor einer möglichen Richtungsentscheidung von historischer Tragweite. Eine aktuelle fachliche Untersuchung zum künftigen Betriebssystem der Busflotte kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Stadt kann ihren Verkehr klimafreundlicher ausbauen – und gleichzeitig wirtschaftlicher betreiben – wenn sie langfristig vollständig auf Batteriebusse umstellt.

Damit gerät eine Technik ins Wanken, die seit Jahrzehnten zum Stadtbild gehört: der Oberleitungsbus.


Mehr Nachfrage geplant – Anteil soll sich verdoppeln

Die Stadt verfolgt das Ziel, deutlich mehr Menschen für Bus und Bahn zu gewinnen. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Gesamtverkehr soll nach den Planungen von heute rund 15 Prozent auf etwa 30 Prozent steigen.

Das bedeutet konkret: mehr Fahrten, größere Fahrzeuge und dichtere Takte – bei begrenzten Haushaltsmitteln.

Genau hier setzte das Gutachten an: Welche Technik ermöglicht Angebotsausbau, ohne die jährlichen Kosten dauerhaft steigen zu lassen?


Drei Strategien – ein klarer wirtschaftlicher Vorteil

Untersucht wurden drei Varianten:

  • Ausbau des bestehenden Oberleitungs-Hybridbetriebs
  • Mischsystem aus Oberleitung und Batteriebussen
  • Komplett batterieelektrischer Betrieb ohne Fahrdraht

Das Ergebnis: Nur die dritte Variante reduziert langfristig die Betriebskosten.
Der Grund liegt vor allem in der Infrastruktur. Oberleitungen, Unterwerke und Spezialtechnik verursachen über Jahrzehnte erhebliche Wartungs- und Instandhaltungskosten.

Nach Berechnungen der Gutachter könnten im Zielzustand jährlich rund
2,5 Millionen Euro Betriebskosten eingespart werden.


Warum die Leitung zum Kostentreiber wird

Solingen betreibt eines der letzten großen O-Bus-Netze Deutschlands. Heute fährt noch ein gemischter Fuhrpark, darunter rund 40 Prozent Dieselbusse sowie elektrische Fahrzeuge mit Stromabnehmer.

Die Oberleitungsinfrastruktur bringt Vorteile – lokal emissionsfreies Fahren und hohe Zuverlässigkeit. Gleichzeitig bindet sie das System räumlich und finanziell:

  • aufwendige Wartung der Fahrleitungen
  • feste Linienführung
  • hoher Aufwand bei Baustellen
  • teure Energieversorgungspunkte

Batteriebusse benötigen dagegen nur Ladepunkte im Betriebshof und an Endhaltestellen und können flexibel eingesetzt werden.


Übergang über mehr als ein Jahrzehnt

Ein sofortiger Wechsel ist nicht geplant. Der Umbau soll parallel zum Fahrzeugersatz erfolgen:

  • ab Anfang der 2030er-Jahre erste Batteriebusse
  • Aufbau der Ladeinfrastruktur bis etwa 2033
  • Ersatz der Oberleitungsfahrzeuge zwischen 2038 und 2044
  • möglicher Rückbau der Fahrleitungen ab etwa 2046

So müssten keine Fahrzeuge vorzeitig außer Betrieb genommen werden.


Verbesserungen für Fahrgäste

Die Einsparungen sollen direkt in das Angebot fließen. Geplant sind vor allem Verbesserungen auf den Hauptlinien, etwa:

  • dichterer Takt (z. B. etwa alle 7,5 Minuten tagsüber)
  • größere Fahrzeuge
  • stabilere Anschlüsse

Ein noch dichterer Metro-Takt wäre laut Gutachten jedoch weiterhin nur mit zusätzlichen Zuschüssen finanzierbar.


Tradition oder Ausbau?

Für Solingen wäre die Entscheidung emotional. Die Oberleitungsbusse prägen die Stadt seit Generationen. Gleichzeitig verlangt die Verkehrswende mehr Flexibilität und ein größeres Angebot.

Die Untersuchung legt nahe: Beides lässt sich am ehesten erreichen, wenn Solingen langfristig vollständig auf Batteriebusse setzt.

Eine politische Entscheidung steht noch aus – doch klar ist bereits jetzt: Der Nahverkehr der Zukunft könnte in Solingen leiser sein – und erstmals seit Jahrzehnten ohne Draht über den Straßen fahren.

Hinweis: Das vollständige Gutachten ist öffentlich im Ratsportal der Stadt Solingen abrufbar unter:

https://ratsportal.solingen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZU2q8VkdZ82jAL2MeHYXyPq1ueJTJntGdgUTLAiHbXao/706_Anlage_1_Machbarkeitsstudie_SWS_-_Strategiepapier.pdf

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