Streit um Parkplätze: Cityring spaltet Ohligs – Sargnagel für den Einzelhandel?
Solingen – Der geplante Ohligser Cityring sorgt für Diskussionen: Um neue Bushaltestellen einzurichten und den Busverkehr neu zu organisieren, könnten im Stadtteil mindestens 67 Parkplätze wegfallen. Die Bezirksvertretung will deshalb erneut beraten – und zunächst ein Gesamtkonzept für den Parkraum sehen.
ÖPNV-Ausbau mit Nebenwirkungen
Mit dem Cityring verfolgt die Stadt das Ziel, den öffentlichen Nahverkehr im Stadtteil neu zu ordnen. Bestimmte Wohn- und Gewerbebereiche sollen direkter an den Hauptbahnhof angebunden werden. Gleichzeitig soll die Innenstadt entlastet werden, indem große Gelenkbusse künftig nicht mehr durch das Zentrum fahren.
Vorgesehen sind fünf neue Haltepunkte: in der Südstraße, am Heiligenstock nahe der Einmündung Düsseldorfer Straße, am Rennpatt sowie in der Kottendorfer Straße mit jeweils einer Haltestelle pro Fahrtrichtung. Besonders das Gewerbegebiet Heiligenstock soll dadurch besser erreichbar sein.
Umfangreicher Flächenbedarf
Die geplanten Haltestellen greifen jedoch spürbar in den bestehenden Straßenraum ein. Für jede Station werden laut Verwaltung bis zu 23,5 Meter Verkehrsfläche benötigt. Dort soll das Parken am Fahrbahnrand entfallen.
Hinzu kommt zusätzlicher Platzbedarf, damit Busse und Autos in den teils engen Straßen aneinander vorbeikommen können. In der Kottendorfer Straße betrifft das 232 Meter, im Bereich Heiligenstock und Rennpatt weitere rund 113 Meter. Insgesamt ergibt sich daraus ein Flächenbedarf von etwa 345 Metern – rechnerisch rund 67 Parkstände, ohne die direkt für die Haltestellen benötigten Bereiche.
Entscheidung vertagt
Die Bezirksvertretung hat eine Beschlussfassung zunächst verschoben. In der Sitzung am 20. April soll das Thema erneut aufgerufen werden – dann unter Berücksichtigung eines umfassenderen Parkraumkonzepts. Ziel ist es, die Auswirkungen auf Anwohner und Gewerbetreibende genauer abzuschätzen und mögliche Alternativen zu prüfen.
Dabei steht die Politik vor einem Zielkonflikt: Einerseits gilt eine bessere ÖPNV-Anbindung als wichtiger Baustein für die Entwicklung des Stadtteils. Andererseits ist der Parkdruck in Teilen von Ohligs bereits heute hoch.
Unterschiedliche Bewertungen im Stadtteil
Auch im Stadtteil selbst wird das Vorhaben unterschiedlich bewertet. Während die verkehrliche Entlastung – insbesondere in der Lennestraße – grundsätzlich begrüßt wird, stößt der mögliche Wegfall zahlreicher Stellplätze nicht nur bei den Ohligser Einzelhändlern und Gewerbetreibenden auf massive Kritik. Befürchtet wird, dass die massiven Einschränkungen für Anwohner und Kunden den Nutzen der Maßnahme deutlich überwiegen könnten.
Der Cityring ist Teil des Nahverkehrsplans, der im März 2023 beschlossen wurde. Sollte die Entscheidung weiter verzögert werden, könnte sich auch die Umsetzung verschieben. Die Verwaltung hatte darauf hingewiesen, dass ein Beschluss im Februar notwendig gewesen wäre, um den Start zum Fahrplanwechsel am 14. Juni zu sichern.
Zunächst ist lediglich eine provisorische Einrichtung der Haltestellen vorgesehen. Ein barrierefreier Ausbau soll – vorbehaltlich einer Förderung durch den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr – im Jahr 2028 folgen.








