Solingen – Zum Equal Pay Day 2026 fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Solingen klare politische Konsequenzen statt pauschaler Kritik an Teilzeitmodellen im Schuldienst. Die aktuelle Debatte um eine angebliche „Lifestyle-Teilzeit“ gehe an der Realität vieler Lehrkräfte vorbei.
„Wer Teilzeit als Bequemlichkeit darstellt, verkennt die Situation an unseren Schulen“, erklärt Jens Merten, Vorsitzender des VBE Solingen. „Drei von vier Lehrkräften sind Frauen. Viele reduzieren ihre Stunden nicht aus Freizeitgründen, sondern weil die Arbeitsbelastung sonst nicht mehr tragbar ist. Weniger Deputat heißt in der Praxis oft nicht weniger Arbeit – sondern weniger Gehalt für nahezu gleiche Leistung.“
Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Digitalisierung und zusätzliche schulische Aufgaben führten dazu, dass zahlreiche Lehrkräfte dauerhaft an ihrer Belastungsgrenze arbeiteten. Teilzeit sei häufig ein Schutzmechanismus – kein Komfortmodell.
Daniel Weber, stellvertretender Vorsitzender des VBE Solingen, betont: „Wer jetzt am Teilzeitanspruch rüttelt, riskiert Burnout, Berufsausstieg und einen noch größeren Fachkräftemangel. Attraktive Arbeitsbedingungen sehen anders aus. Wir brauchen echte Wahlfreiheit, faire Bezahlung und strukturelle Entlastung – keine Scheindebatten.“
Der VBE Solingen fordert:
- gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit in allen Schulformen,
- verlässliche und flexible Arbeitszeitmodelle,
- spürbare Entlastung im Schulalltag,
- konsequente Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap.
„Gleichberechtigung endet nicht an der Schultür“, so Merten abschließend. „Wenn wir Bildungsgerechtigkeit ernst meinen, müssen wir auch für gerechte Arbeitsbedingungen derjenigen sorgen, die sie täglich ermöglichen.“








