Solingen – Ein Anruf, der klingt wie der schlimmste Albtraum: Die eigene Tochter soll einen schweren Unfall verursacht haben, ein Kind sei verletzt worden – und nur eine schnelle „Kaution“ könne verhindern, dass sie ins Gefängnis muss. Mit genau dieser Masche haben Trickbetrüger am Donnerstagvormittag (26. Februar 2026) in Solingen Erfolg gehabt. Auf der Mangenberger Straße wurde ein Ehepaar (74 und 73 Jahre alt) um Bargeld in fünfstelliger Höhe gebracht. Die Polizei bittet dringend um Hinweise.
Dramatischer Anruf – perfide Inszenierung
Gegen 9.30 Uhr klingelte bei dem Ehepaar das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: eine Frau, die sich weinend als Tochter ausgab. Sie habe bei einem Unfall ein kleines Kind verletzt, berichtete sie unter Tränen. Kurz darauf übernahm ein Mann das Gespräch, der sich als Polizeibeamter ausgab.
Er erklärte, es müsse umgehend eine hohe Kaution hinterlegt werden, andernfalls drohe der Tochter Untersuchungshaft. Die Senioren wurden massiv unter Druck gesetzt. Ein Bote werde vorbeikommen, um das Geld abzuholen.
Gegen 10.30 Uhr erschien der unbekannte Täter an der Haustür und nahm Bargeld entgegen. Wenige Momente später kehrte er zurück und ließ sich weiteres Geld aushändigen. Erst danach wurde klar: Die Geschichte war frei erfunden – das Ehepaar war Opfer eines professionellen Trickbetrugs geworden.
Täterbeschreibung – Wer hat etwas gesehen?
Der Abholer wird wie folgt beschrieben:
- etwa 20 bis 25 Jahre alt
- circa 175 cm groß
- osteuropäisches Erscheinungsbild
- dunkle Haare
- helles T-Shirt
Wer am Donnerstagvormittag im Bereich der Mangenberger Straße verdächtige Beobachtungen gemacht hat – etwa einen jungen Mann, der sich auffällig verhielt oder ein wartendes Fahrzeug – wird gebeten, sich bei der Polizei unter 0202/284-0 zu melden.
Warum der „Schockanruf“ so gefährlich ist
Diese Betrugsmasche ist kein Zufall, sondern psychologisch ausgefeilt. Die Täter spielen gezielt mit Angst, Schuldgefühlen und Zeitdruck. Die Opfer sollen keine Gelegenheit bekommen, die Geschichte zu überprüfen oder mit Angehörigen zu sprechen.
Besonders perfide: Die Kombination aus angeblichem Familienmitglied und vermeintlichem Polizeibeamten verleiht der erfundenen Geschichte scheinbare Glaubwürdigkeit.
So schützen Sie sich und Ihre Familie
Die Polizei warnt im Rahmen der Präventionskampagne „Gut Aufgelegt! Telefonbetrug kann jeden treffen“ eindringlich vor solchen Anrufen. Die wichtigsten Regeln:
- Tief durchatmen – auch bei dramatischen Schilderungen.
- Beim geringsten Zweifel sofort auflegen.
- Selbst die Polizei unter 110 anrufen – niemals zurückrufen.
- Sich nicht unter Druck setzen lassen.
- Mit echten Angehörigen direkt Kontakt aufnehmen.
- Keine Angaben zu Vermögensverhältnissen machen.
- Wichtig: Die Polizei fordert niemals Bargeld oder Wertsachen als Kaution – und sie ruft nicht unter der Notrufnummer 110 an.
Offenes Gespräch schützt
Die Polizei appelliert an Angehörige, mit älteren Familienmitgliedern offen über solche Betrugsmaschen zu sprechen. Vereinbaren Sie Notfallregeln oder ein Familien-Codewort. Im Zweifel gilt immer: Auflegen und überprüfen.
Hinweise zum Täter nimmt die Polizei unter 0202/284-0 entgegen.








