Bergisches Land – Die gute Nachricht zuerst: Die Kriminalität im Bergischen Städtedreieck ist 2025 leicht zurückgegangen. Gleichzeitig erreicht die Polizei bei der Aufklärung von Straftaten einen Höchstwert seit fast zwei Jahrzehnten. Doch insbesondere die Entwicklung bei Gewalt-, Straßen- und Messerkriminalität bereitet den Verantwortlichen weiterhin Sorgen.
Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die die Kreispolizeibehörde Wuppertal am 2. März vorgestellt hat.
Leichter Rückgang der Gesamtkriminalität
Insgesamt wurden 2025 in Wuppertal, Remscheid und Solingen 53.966 Straftaten registriert – 109 Fälle oder 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist damit eher marginal, zeigt aber zumindest eine stabile Entwicklung.
Besonders positiv bewertet die Polizei die Aufklärungsquote: 55,87 Prozent aller Straftaten konnten aufgeklärt werden. „Es ist der beste Wert seit 19 Jahren“, betonte Polizeipräsident Markus Röhrl bei der Vorstellung der Statistik. NRW-weit liege die Behörde damit auf einem Spitzenplatz.
Gewalt- und Straßenkriminalität: Zahlen weiter „zu hoch“
Weniger zufrieden zeigen sich die Verantwortlichen bei der Entwicklung bestimmter Deliktsbereiche.
Im Bereich der Gewaltkriminalität – dazu zählen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzung – stieg die Zahl der Fälle um 61 auf ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber 2024.
Auch die Straßenkriminalität nahm leicht zu. Hier registrierte die Polizei 67 Fälle mehr (+0,6 Prozent). Dazu gehören etwa gefährliche oder schwere Körperverletzungen auf Straßen, Wegen und Plätzen, Diebstähle aus Fahrzeugen oder Handtaschenraub.
„Die Zahlen bleiben zu hoch. Das bleibt ein Prio-1-Thema“, stellte Röhrl klar. Seit 2024 setzt die Polizei auf ein umfassendes Maßnahmenkonzept zur Bekämpfung der Straßen- und Gewaltkriminalität – insbesondere mit Blick auf Messer im öffentlichen Raum.
2025 fanden vier groß angelegte „Action Days“ sowie zwölf kleinere Einsätze in den jeweiligen Inspektionen statt. Zudem wurden gegen 19 weitere Personen Führverbote für Messer und ähnliche gefährliche Gegenstände verhängt. Insgesamt bestehen damit 43 solcher Verbote.
367 Messer-Einsätze – deutlicher Anstieg
Besonders aufmerksam verfolgt die Polizei die Entwicklung bei Straftaten mit Messern. 2025 kam es in 367 Fällen zum Einsatz eines Messers – 67 mehr als im Vorjahr.
Nach Einschätzung der Polizei tragen vor allem junge Menschen Messer bei sich – oft aus einem vermeintlichen Bedürfnis nach Selbstschutz. „Das klingt absurd, aber so ist der Gedankengang“, erklärte Röhrl. Sein Appell ist eindeutig: Messer seien gefährlich und könnten schwerste Verletzungen verursachen. Direktionsleiter Guido Liedke brachte es auf den Punkt: „Messer gehören in die Küche und nicht auf die Straße.“
Gleichzeitig relativiert die Behörde: Die meisten Taten mit Messern richteten sich nicht gegen „Otto-Normal-Bürger“, sondern seien häufig im Milieu-Bereich angesiedelt, etwa im Zusammenhang mit Drogengeschäften.
Auffällige Zahlen bei Tatverdächtigen
Ein weiterer Fokus der Statistik liegt auf der Struktur der Tatverdächtigen. 40,3 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im Bergischen Städtedreieck liegt dagegen bei 21,1 Prozent.
Im Bereich der Gewaltkriminalität beträgt der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger sogar 45 Prozent. Die Polizei verweist darauf, dass hinter diesen Zahlen komplexe soziale, migrations- und demografische Faktoren stehen, die differenziert betrachtet werden müssten.
Prävention: „Haus des Jugendrechts“ geplant
Sorgen bereitet den Verantwortlichen auch die Entwicklung bei jungen Tatverdächtigen. Zwar entspricht ihr Anteil in etwa dem Bevölkerungsanteil von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, dennoch setzt die Polizei verstärkt auf frühe Intervention.
Gemeinsam mit der Stadt und der Staatsanwaltschaft Wuppertal plant die Behörde den Aufbau eines „Hauses des Jugendrechts“. Ziel ist eine engere Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe, um schneller auf auffälliges Verhalten reagieren und Verfahren beschleunigen zu können.
Fazit für Solingen
Für Solingen bedeutet die Statistik ein gemischtes Bild: Die Gesamtzahl der Straftaten bleibt stabil, die Aufklärungsquote ist so hoch wie seit 19 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen bei Gewalt- und Messerkriminalität, dass insbesondere der öffentliche Raum weiterhin im Fokus der Sicherheitsbehörden steht.
Die vollständige Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 ist abrufbar unter https://wuppertal.polizei.nrw/sites/default/files/2026-03/Kriminalstatistik_2025.pdf
Quellen: Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 der Kreispolizeibehörde Wuppertal sowie Angaben aus der Pressekonferenz vom 2. März 2025.








