Solingen – Mit klaren Worten und frischen Impulsen hat die Arbeitsgemeinschaft „SelbstAktiv“ der SPD in Solingen am Wochenende ihren neuen Vorstand gewählt. Unter dem Leitsatz „Niemand wird für uns die Arbeit machen!“ bekräftigten die Mitglieder ihren Anspruch, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe aktiv mitzugestalten – und notfalls auch zu verteidigen.
Dorothee Daun bleibt Vorsitzende
Als Vorsitzende wurde Dorothee Daun im Amt bestätigt. Die ehemalige Richterin ist Vorsitzende von „Autismus Rhein-Wupper“ sowie des Paritätischen in Solingen. Über drei Jahrzehnte gehörte sie dem Rat der Klingenstadt an und engagiert sich aktuell auf Ebene des Landschaftsverbandes für soziale Teilhabe und Chancengleichheit.
Unterstützt wird Daun künftig von Oliver Backhaus und Yesim Özem als stellvertretende Vorsitzende.
Engagement aus eigener Erfahrung
Der 62-jährige Oliver Backhaus, Diplom-Medienwirt und Vorsitzender des Vereins „Barrierefreiheit“, ist seit einem Unfall im Jahr 1985 querschnittsgelähmt. Für ihn ist klar: Die Arbeitsgemeinschaft müsse als Stimme der Betroffenen selbstbewusst auftreten.
„Unsere Arbeit wird niemand machen, der nicht weiß, was es bedeutet, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein!“, betonte Backhaus. Mit Blick auf mögliche Leistungskürzungen kündigte er an, die AG „SelbstAktiv“ werde sich entschieden gegen Einschnitte stellen.
Yesim Özem arbeitet in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und engagiert sich ehrenamtlich im Werkstattrat als Interessenvertretung der Beschäftigten. Zudem vertritt sie die SPD-Fraktion im Solinger Beirat für Menschen mit Behinderung. Sie plädierte dafür, Inklusion im Stadtbild sichtbarer zu machen – auch kulturell.
„Warum gibt es in Solingen keinen inklusiven Karneval?“, fragte Özem in die Runde. Die Idee soll in einer der kommenden Sitzungen weiterverfolgt werden.
Kritik an Unterfinanzierung und Zuständigkeitswirrwarr
Als Gastreferent berichtete der Solinger Landtagsabgeordnete Josef Neumann über die Entwicklung der Inklusion in Nordrhein-Westfalen. Die vor rund zehn Jahren mit großer Euphorie gestartete inklusive Politik in Bildung und Arbeit habe deutlich an Schwung verloren. Vielmehr sehe man sich inzwischen Angriffen auf soziale Errungenschaften ausgesetzt.
Neumann verwies unter anderem auf eine aktuelle Kampagne der Lebenshilfe in Nordrhein-Westfalen gegen Kürzungen bei Integrationshelfern, die Kinder mit Beeinträchtigungen in Kitas und Schulen unterstützen.
Dorothee Daun kritisierte in diesem Zusammenhang strukturelle Probleme: „Die Ausgaben für die Eingliederungshilfe steigen auch deshalb bei den Kommunen, weil der Bildungsbereich von Seiten des Landes unterfinanziert ist.“ Zudem wechselten die Zuständigkeiten für Menschen mit Eingliederungshilfe je nach Lebensabschnitt zwischen Kommune, Landschaftsverband und Land. So müssten Kommunen Integrationshelfer in Schulen finanzieren – obwohl Bildung Ländersache sei.
Klare Botschaft zum Neustart
Mit der Wiederwahl der Vorsitzenden und einem engagierten Vorstandsteam setzt die AG „SelbstAktiv“ ein Zeichen: Inklusion soll in Solingen nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet werden.
Die Botschaft des Wochenendes ist eindeutig – und richtet sich gleichermaßen an Politik und Gesellschaft: Wer Teilhabe sichern will, darf sich nicht zurücklehnen. Oder, wie Oliver Backhaus es formulierte: „Niemand wird für uns die Arbeit machen.“








