Stadt und Förderverein setzen auf mehr Öffnungstage – Freiwillige gesucht
Solingen – Die sogenannten Liewerfrauen prägten über Jahrzehnte das Stadtbild Solingens – und sind heute ein deutschlandweit einzigartiges Kapitel der Industriegeschichte. Eine neue Ausstellung im historischen Lieferkontor nahe der Innenstadt widmet sich ihrem Alltag und ihrer harten Arbeit.
Bis zu 25 Kilogramm schwere Körbe mit Scherenteilen oder Messerklingen trugen die Frauen einst durch das bergige Stadtgebiet. Die Ausstellung im denkmalgeschützten Raum des Solinger Gründerzentrums erzählt ihre Geschichte anschaulich und greifbar.
Mehr Öffnungstage in der Wandersaison
Die Stadt Solingen und der Förderverein des Industriemuseums wollen das Lieferkontor in der Wandersaison von März bis Oktober stärker zugänglich machen. Geplant ist mindestens ein Öffnungstag pro Monat – mit der Perspektive auf weitere Termine, sofern sich zusätzliche Ehrenamtliche finden.
Das Stadtmarketing und die lokale Tourismusförderung öffnen das Kontor 2026 an fünf Terminen jeweils von 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr:
Sonntag, 22. März
Donnerstag, 14. Mai (Himmelfahrt & Tag des Wanderns)
Samstag und Sonntag, 11. und 12. Juli
Sonntag, 13. September (Tag des offenen Denkmals)
Ergänzend bietet Stadtführer Lutz Peters an vier Sonntagen zusätzliche Öffnungen von 11.00 Uhr bis 13.00 Uhr an:
Sonntag, 19. April
Sonntag, 21. Juni
Sonntag, 16. August
Sonntag, 18. Oktober
Begleitende Aktionen sollen die Besuche zusätzlich bereichern.
Wanderung auf historischen Wegen
Zum Auftakt ist zudem eine geführte Wanderung geplant. Interessierte können am 19. April um 13.00 Uhr am Gründerzentrum starten. Die Route führt auf einer Etappe des sogenannten Liewerfrauenwegs bis zum Wipperkotten. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen begrenzt.
Der rund 15 Kilometer lange Rundweg verbindet seit 2023 zentrale Orte der Solinger Industriegeschichte und folgt teilweise historischen Lieferwegen.
„Eine Fabrik ohne Dach“
Lutz Peters beschreibt die historische Bedeutung so: Solingen sei über Jahrhunderte „eine Fabrik ohne Dach“ gewesen. Halbfertige Waren seien ständig zwischen Schmieden, Schleifern und Fabrikanten unterwegs gewesen. Der Liewerfrauenweg mache diese Wege bis heute nachvollziehbar.

Das Lieferkontor spielt dabei eine zentrale Rolle: Hier lieferten die Frauen die transportierten Waren ab und nahmen den Lohn für die Schleifer entgegen.
Aufruf an Freiwillige
Um die Öffnungszeiten auszuweiten, setzen die Verantwortlichen auf ehrenamtliches Engagement. Perspektivisch soll das Lieferkontor von April bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat geöffnet sein.
Gesucht werden Freiwillige, die sich für die Solinger Industriegeschichte interessieren. Der Aufwand ist überschaubar: Bereits ein zweistündiger Einsatz pro Saison kann helfen. Fachwissen ist nicht zwingend erforderlich.
Die Geschichte der Liewerfrauen
Frauen, die Waren in Körben transportierten, gab es früher in vielen Teilen Europas. Mit der Industrialisierung verschwand diese Tätigkeit meist im 19. Jahrhundert – in Solingen jedoch nicht.
Mit dem Aufschwung der Stahlwarenindustrie um 1890 stieg der Bedarf sogar an. Liewerfrauen transportierten Rohlinge zwischen Schleifkotten an der Wupper und den Kontoren in der Stadt – und waren noch bis in die 1930er Jahre im Einsatz.
Teil eines lebendigen Industriemuseums
Das Lieferkontor ist heute Teil eines dezentralen Industriemuseums mit mehreren Standorten in Solingen. Dazu zählen unter anderem die Gesenkschmiede Hendrichs, der Wipperkotten und weitere historische Anlagen.
Das Konzept: Industriegeschichte nicht in einem Gebäude bündeln, sondern im gesamten Stadtgebiet erlebbar machen.
Mit dem Ausbau ehrenamtlicher Öffnungszeiten soll dieses Angebot nun weiter gestärkt werden – und die Erinnerung an die „starken Frauen“ Solingens lebendig bleiben.











