Nordrhein-Westfalen – Mit einem landesweiten Protesttag verschärfen die Apotheken am Montag, 23. März ihren Druck auf die Politik. Unter dem Motto „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag umsetzen“ bleiben vielerorts auch in Nordrhein die Türen geschlossen. Die Branche warnt: Ohne schnelles Eingreifen droht eine spürbare Verschlechterung der Arzneimittelversorgung.
Viele Patientinnen und Patienten werden die Auswirkungen direkt zu spüren bekommen. Zwar sichern Notdienst-Apotheken die Versorgung, doch der reguläre Betrieb ist stark eingeschränkt. Die Apothekerverbände raten daher, wichtige Rezepte möglichst vor dem Protesttag einzulösen.
„Die Lage ist dramatisch“
Hintergrund der Aktion ist eine wirtschaftliche Krise, die sich seit Jahren zuspitzt. Während Einnahmen stagnieren, steigen die Kosten massiv. „Die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken ist nicht mehr tragfähig“, warnen die Vertreter der nordrheinischen Apothekerschaft.
Tatsächlich ist die Entwicklung alarmierend: Seit 2013 hat etwa jede fünfte Apotheke in Deutschland geschlossen. Rein rechnerisch verschwindet inzwischen alle 20 Stunden eine weitere.

Protest auch in Düsseldorf
Zentraler Schauplatz in Nordrhein ist Düsseldorf. Dort versammeln sich Apothekerinnen, Apotheker und ihre Teams zu einer Kundgebung – eingebettet in bundesweite Aktionen unter anderem auch in Berlin, Hannover und München.
Die Botschaft ist eindeutig: Bleiben politische Maßnahmen aus, droht eine Ausdünnung der Versorgung. „Die Wege für Patientinnen und Patienten werden länger, die Versorgung unsicherer“, heißt es aus der Branche.
Kosten explodieren – Honorare bleiben stehen
Ein zentraler Kritikpunkt: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das Honorar für verschreibungspflichtige Medikamente – sie machen den Großteil des Umsatzes aus – wurde seit 2004 kaum angepasst. Gleichzeitig sind die Betriebskosten in den vergangenen Jahren um rund 65 Prozent gestiegen.
Personal, Energie, Mieten und zunehmende bürokratische Anforderungen setzen viele Betriebe unter Druck. Immer mehr Apotheken schreiben rote Zahlen – und geben schließlich auf.
Politik unter Zugzwang
Anlass für den Protest ist auch die aktuelle Beratung eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung im Bundestag. Die Apothekerschaft begrüßt zwar die Diskussion, fordert aber deutlich mehr Tempo.
Die im Koalitionsvertrag angekündigte Stärkung der Apotheken müsse jetzt umgesetzt werden – ohne Verzögerung. Andernfalls drohten „fatale Folgen“ für die Versorgung der Bevölkerung.
Mehr als ein Branchenkonflikt
Für die Apotheker geht es nach eigener Darstellung um mehr als wirtschaftliche Interessen. Sie sehen die flächendeckende Versorgung in Gefahr – gerade auch in Städten, wo Schließungen inzwischen ebenfalls zunehmen.
Der Protesttag am 23. März dürfte deshalb weit über die Branche hinaus Aufmerksamkeit erzeugen. Denn die zentrale Frage lautet: Wie lange bleibt die wohnortnahe Versorgung mit Medikamenten noch gesichert?











