Kunst & KulturKay Ganahl präsentiert: Man(n) ist unter Bäumen

Kay Ganahl präsentiert: Man(n) ist unter Bäumen

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von Kay Ganahl – Schriftsteller, du! Die Literatur gehört zu dir, aber auch die Natur. Du bist als Lebewesen ein Teil der Natur. Und so entstehen kreative Werke in dir nur, weil du die Natur bist, sie bewusst in dir wahrnimmst …

Als kreativer Mensch musst du gelegentlich etwas wagen, aber viel wichtiger ist es, nach innen zu blicken, die Augen auf das sich entfaltende oder schrumpfende Selbst zu richten, wofür einfach Ruhe nötig ist.

Wenn jemand schriftstellerisch wirkt, dann muss er seine Gedanken auf den literarischen Stoff fixieren. Es geht um konzentriertes Denken, aber auch und gerade die Gefühle spielen mit, sind Teil der kreativen Vorgänge …

Die Schöpferkraft des Einzelnen bedarf des bewussten Wahrnehmens der Natur, die mit der Fantasie in eins wirkt, weshalb die Gänge in die Freiheit der Natur, so sie inmitten der Zivilisation noch gegeben sein kann, nötig sind.

Der Wald … der Wald ist die Lebenszone, wo einem, nicht nur Kreativen, die Freiheit der Natur am nächsten ist.

Ja, nun … ich spreche jetzt zu dir, du Mensch, der Bücher liebt, liest und selber schreibt!

Du weißt, was du hier jetzt machst, es ist soweit: EMPFINDUNG, die es ermöglicht, zur Ruhe zu kommen … du denkst dabei nämlich, du BIST und du WIRST, in dieser Natur, die du liebst. Hier gibt es die Lebenszone als eine natürliche Ruhezone für das Nach-denken, Nach-fühlen. Es ist eine SELBSTSCHAU, die im Wald, aber auch anderswo in der Natur, einer möglichst freien, also „wilden“ Natur durchaus gelingen kann.

Hier rasen keine Autos

Und schwirren die Leute nicht durcheinander –

Es werden keine Tempel errichtet –

Hier wird kein Hochhaus gesprengt –

Wahrlich, du gehst dir selbst nach, in dir, und siehst mit deiner Fantasie, wie du ganz langsam wächst – in die Höhe wie der Baum, in die Tiefe wie die Wurzel.

Sitzt nun froh auf der Bank, vielleicht auf dem Blätterhaufen. Hier muss keiner weiter! Jeder kann sich setzen, seinen inneren Ruhepol suchen und finden. Raus mit der Flasche Wasser! Wenn nicht gerade von hinten gerempelt wird, weil zu viele Menschen im Wald spazieren oder wandern oder Fahrrad fahren oder singen oder brüllen oder diskutieren. Oder auch arbeiten!

Auf dieser Bank sitzend hast du, jedenfalls hier und jetzt, auch einen guten Rundumblick. Die Natur hat eine Szenerie: es wächst aber eben auch die Autobahn durch diesen Wald, ob du dies magst oder nicht. Trotzdem kann eine Ruhe entstehen, die zu genießen wäre. Wohl eventuell – eine gute Idee! – kann auch geplant werden, wäre es bloß, das „Waldbaden“ zu üben. Manch Baum ist dafür geeignet – der dort besonders: „Ich sehne mich nach ihm – !“ hast du ausgerufen.

Ich habe es gehört. Ja, ich denke, dass du heute ich bist.

Ich kenne dich, du würdest am liebsten hierbleiben und nur noch genießen. Atmen! Leben! Aber dann denkst du, die Baumstamm-Stapel da drüben lösen sich, Stämme rollen auf dich zu, gefährden dich, du hast viel Angst – und die Gedanken, die du hast, rollen mit.

Was könnte besser sein, als zu leben, aber wenn die Zivilisation ins schöne Braun und Grün einsortiert, eingeordnet, einbetoniert und eingemauert und asphaltiert wird, dann …

Anmerkung: Dieser Text wurde von Kay Ganahl im Rahmen der literarischen Lesung „In unserer Zeit“ der Solinger Autorenrunde und Freunde im Düsseldorfer Antoniushof als Gast des Freundeskreises Düsseldorfer Buch ῾75 e. V. gelesen. Neben ihm lasen auch Florian Meurer aus Solingen und Dirk Steinert aus Wuppertal.

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