SolingenBerufsverband VBE kritisiert "ABC-Klassen": Gut gemeint, aber kaum umsetzbar

Berufsverband VBE kritisiert „ABC-Klassen“: Gut gemeint, aber kaum umsetzbar

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Große Pläne aus Düsseldorf – große Sorgen vor Ort

Düsseldorf/Solingen – Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Solingen übt deutliche Kritik an den Plänen der nordrhein-westfälischen Schulministerin Dorothee Feller zur Einführung sogenannter „ABC-Klassen“. In einer Presseerklärung bezeichnet der Verband das Vorhaben als „gut gemeint, aber bislang schlecht gemacht“.

Zwar unterstütze man grundsätzlich das Ziel, die Sprachförderung frühzeitig zu verbessern. Doch die konkrete Umsetzung stoße vor Ort auf massive Bedenken. Aus Sicht des VBE werde die Realität in Kitas und Schulen dabei weitgehend ausgeblendet.


Kommunen vor kaum lösbaren Aufgaben

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die organisatorische Umsetzung. Nach den Plänen sollen Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen verpflichtend an Vorkursen teilnehmen.

Der VBE Solingen sieht darin jedoch einen erheblichen Mehraufwand für Schulträger und Kommunen. Bereits heute seien die Grundschulen stark ausgelastet, geeignete Räume für zusätzliche Klassen fehlten vielerorts. Förderangebote würden teilweise schon unter provisorischen Bedingungen stattfinden.

Hinzu komme der logistische Aufwand, Kinder regelmäßig von Kitas zu den Förderorten zu transportieren. Aus Sicht des Verbands wäre es deutlich sinnvoller, die Förderung direkt in den Kitas stattfinden zu lassen.


„Milchmädchenrechnung“ beim Personal

Noch schärfer fällt die Kritik beim Thema Personal aus. Der VBE Solingen weist darauf hin, dass es bereits jetzt an Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften mangele.

Der Vorsitzende des VBE Solingen, Jens Merten, spricht in der Presseerklärung von einer „Milchmädchenrechnung“. Die geplanten Maßnahmen würden Aufgaben für Personal schaffen, das in der Realität gar nicht vorhanden sei.

Viele Stellen könnten schon heute nicht besetzt werden. Zusätzliche Förderangebote würden daher zwangsläufig zulasten des regulären Unterrichts gehen.


Sozialpädagogische Fachkräfte bereits am Limit

Auch die Situation der sozialpädagogischen Fachkräfte bewertet der Verband kritisch. Diese seien ursprünglich dafür vorgesehen, Kinder beim Übergang von der Kita in die Schule zu begleiten und inklusive Prozesse zu unterstützen.

In der Praxis würden sie jedoch häufig eingesetzt, um personelle Engpässe auszugleichen. Durch die Einführung weiterer Fördergruppen drohe eine zusätzliche Überlastung dieser Berufsgruppe.

Statt gezielter Unterstützung im Schulalltag müssten sie dann verstärkt isolierte Sprachkurse übernehmen – mit negativen Folgen für die pädagogische Qualität.


Forderung nach Stärkung der Kitas

Grundsätzlich begrüßt der VBE Solingen, dass Sprachförderung früher ansetzen soll. Allerdings sieht der Verband die Lösung nicht in neuen Strukturen innerhalb der Schulen.

Vorstandsmitglied Daniel Weber betont, dass es keine „neuen Etiketten für alte Probleme“ brauche. Stattdessen fordert der VBE den Ausbau multiprofessioneller Teams in Kitas und Schulen sowie mehr Zeit für individuelle Förderung.

Besonders wichtig sei eine stärkere Unterstützung der Kitas, da dort die Grundlage für erfolgreiche Sprachentwicklung gelegt werde.


Fazit des VBE Solingen

In seiner Presseerklärung kommt der VBE Solingen zu einem klaren Schluss: Ohne zusätzliche Räume, ausreichend Personal und eine realistische Planung seien die „ABC-Klassen“ nicht umsetzbar.

Im Gegenteil drohe das Vorhaben, die ohnehin angespannte Situation an den Schulen weiter zu verschärfen. Der Verband fordert daher, die frühkindliche Bildung gezielt zu stärken und die Grundschulen spürbar zu entlasten, statt ihnen weitere Aufgaben zu übertragen.te droht das Vorhaben, mehr Probleme zu schaffen als zu lösen. Kritiker warnen: Statt das Bildungssystem zu entlasten, könnte die Reform die bestehende Überforderung weiter verschärfen.

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