Dies & DasEin Jahr Krankenhausplanung NRW: ver.di sieht zunehmende Belastung von Beschäftigten

Ein Jahr Krankenhausplanung NRW: ver.di sieht zunehmende Belastung von Beschäftigten

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Kritische Bilanz nach zwölf Monaten Reform

Düsseldorf – Ein Jahr nach Einführung der neuen Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen zieht die ver.di NRW eine kritische Bilanz. Die Reform sei mit dem Anspruch gestartet, eine qualitativ hochwertige, bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung sicherzustellen. In der praktischen Umsetzung zeigten sich jedoch erhebliche Probleme.

„Die Reform adressiert reale Herausforderungen, schafft in der Umsetzung aber neue Risiken für Beschäftigte und Versorgung“, erklärt Susanne Hille, Fachbereichsleiterin für Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft bei ver.di NRW. „Statt einer echten Verbesserung erleben wir vielerorts eine Verschiebung von Problemen.“

Strukturwandel mit spürbaren Folgen

Zentrale Elemente der Reform sind die Spezialisierung und Konzentration medizinischer Leistungen auf weniger Standorte sowie die verstärkte Verlagerung von Behandlungen in den ambulanten Bereich. Laut ver.di führen diese Maßnahmen an vielen Klinikstandorten zu Leistungsverschiebungen, Abteilungsverkleinerungen oder sogar Stationsschließungen.

Die Eingriffe in bestehende Strukturen seien tiefgreifend und hätten unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Beschäftigten. Viele Mitarbeitende müssten ihre Abteilung oder ihren Standort wechseln, manche sogar den Arbeitgeber.

Unsicherheit und steigende Belastung für Beschäftigte

Diese Veränderungen bringen laut Gewerkschaft eine Vielzahl an Belastungen mit sich: längere Pendelzeiten, veränderte Arbeitsbedingungen und Einsätze in fachfremden Bereichen. Hinzu komme der Verlust gewachsener Teamstrukturen, was die Arbeit zusätzlich erschwere. Besonders betroffen seien Teilzeitbeschäftigte, für die Flexibilität oft nur eingeschränkt möglich ist.

Auch strukturelle Veränderungen wie Trägerwechsel und Ambulantisierung könnten den Verlust von Tarifbindung und Mitbestimmung bedeuten. Gleichzeitig geraten die aufnehmenden Einrichtungen zunehmend unter Druck.

„Die Belastung steigt – und das in einem System, das längst am Limit arbeitet“, warnt Hille. „Für die Beschäftigten ist das kaum noch tragbar, für die Patientinnen und Patienten riskant.“

Versorgung unter Druck – besonders im ländlichen Raum

Neben den Auswirkungen auf die Beschäftigten sieht ver.di auch Risiken für die Patientinnen und Patienten. Insbesondere marginalisierte Gruppen und Menschen mit Sorgeverantwortung seien von einer schlechteren Erreichbarkeit betroffen.

Während eine Zentralisierung bei komplexen, planbaren Eingriffen sinnvoll sein könne, zeigten sich bei zeitkritischen und wohnortnahen Leistungen deutliche Defizite. In vielen Regionen würden wichtige Erreichbarkeitsziele nicht eingehalten – etwa bei der Grundversorgung, der Schlaganfallversorgung oder in der Geburtshilfe.

Vor allem ländliche und strukturschwache Regionen seien betroffen. Gleichzeitig entstünden neue wirtschaftliche Risiken für Kliniken: Der Wegfall bislang lukrativer Leistungen gefährde die Finanzierung weniger rentabler, aber essenzieller Bereiche.

„Wenn Patientinnen und Patienten im Notfall längere Wege zurücklegen müssen, kann das ernsthafte gesundheitliche Folgen haben“, so Hille. „Wohnortnähe ist kein Luxus, sondern ein entscheidendes Qualitätsmerkmal.“

Forderungen nach Nachbesserung

Angesichts dieser Entwicklungen fordert ver.di NRW eine gezielte Nachsteuerung der Krankenhausplanung. Im Mittelpunkt stehen dabei:

  • eine stärkere Transparenz und Mitbestimmung
  • die Absicherung von Arbeitsplätzen
  • der Erhalt von Tarifbindung und guten Arbeitsbedingungen
  • die Sicherstellung der Versorgung, bevor Standorte reduziert werden
  • eine konsequente Ausrichtung der Planung am tatsächlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten

„Die Krankenhausplanung in NRW darf nicht zur Blaupause für Fehlentwicklungen werden“, betont Hille abschließend. „Gesundheitsversorgung muss sich am Bedarf der Menschen orientieren – nicht an ökonomischen Logiken.“

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