Solingen – Blaulicht, Einsatzfahrzeuge und zahlreiche Helfer prägten das Bild am Schulzentrum Vogelsang: Im Rahmen einer groß angelegten Übung trainierten mehrere Hilfsorganisationen gemeinsam mit Feuerwehr und Rettungsdienst am Samstagmorgen den Ernstfall eines Chemieunfalls im Schulbetrieb.
Chemieunfall als realistisches Szenario
Ausgangspunkt der Übung war ein fingierter Unfall während eines Chemieunterrichts. Durch die Freisetzung gefährlicher Stoffe erlitten rund 30 Schülerinnen und Schüler Atemwegsreizungen sowie teilweise Verletzungen.

Die zuerst eintreffenden Kräfte des Regelrettungsdienstes und der Feuerwehr erkannten schnell die Dimension des Geschehens und leiteten umgehend weitere Maßnahmen ein. Aufgrund der Vielzahl an Betroffenen wurde unverzüglich ein sogenannter Massenanfall von Verletzten (ManV-Alarm) ausgelöst.
Schnelle Alarmierung und koordinierte Zusammenarbeit
Im weiteren Verlauf wurden zusätzliche Einheiten der Hilfsorganisationen alarmiert, darunter:
- Deutsches Rotes Kreuz
- Malteser Hilfsdienst
- Johanniter-Unfall-Hilfe
- Arbeiter-Samariter-Bund
Gemeinsam mit Feuerwehr und Rettungsdienst wurde die Einsatzstelle strukturiert abgearbeitet. Ziel der Übung war insbesondere das reibungslose Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen unter realitätsnahen Bedingungen.
Einsatz des BHP-50-Konzepts
Zentraler Bestandteil der Übung war der Aufbau und Betrieb eines sogenannten Behandlungsplatzes 50 (BHP-50) – ein bewährtes Konzept des Katastrophenschutzes in Nordrhein-Westfalen.
Die Behandlungsplatz-Bereitschaft 50 NRW (BHP-B 50 NRW) ist speziell darauf ausgelegt, bei Großschadenslagen eine große Anzahl von Verletzten zu versorgen.

Wesentliche Merkmale des Systems:
- Versorgung von mindestens 50 Patienten pro Stunde
- Eigenständiger Betrieb für etwa 4 bis 8 Stunden (inkl. Zelte, Strom und Material)
- Bis zu 116 Einsatzkräfte für Führung, Sichtung, Behandlung und Transport
- Großschadenslagen und Katastrophen im Rahmen überörtlicher Hilfe
Bei der Übung in Solingen waren am Samstagvormittag laut Feuerwehrsprecher Michael Pölcher insgesamt 88 Einsatzkräfte beteiligt.
Strukturierte Patientenversorgung im Fokus
Nach dem Aufbau des Behandlungsplatzes erfolgte die strukturierte Sichtung und Behandlung der „Verletzten“. Dabei wurden die Patienten je nach Schwere ihrer Verletzungen kategorisiert und entsprechend versorgt. Parallel wurde der Transport in umliegende Krankenhäuser organisiert – ebenfalls ein zentraler Bestandteil der Übung.

Wichtige Erkenntnisse für den Ernstfall
Solche Übungen sind essenziell, um Abläufe zu optimieren, Kommunikationswege zu testen und die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen zu stärken. Gerade bei komplexen Schadenslagen wie einem Chemieunfall mit vielen Betroffenen kommt es auf eingespielte Teams und klare Strukturen an.

Die Verantwortlichen zeigten sich mit dem Verlauf der Übung zufrieden: Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte funktionierte effektiv und zielgerichtet – eine wichtige Grundlage für den Ernstfall.
Fazit
Die Großübung am Schulzentrum Vogelsang verdeutlichte eindrucksvoll, wie wichtig Vorbereitung und Kooperation im Katastrophenschutz sind. Dank moderner Konzepte wie dem BHP-50 und dem Engagement der beteiligten Organisationen ist die Region für außergewöhnliche Einsatzlagen gut gerüstet.










