Kunst & KulturFlorian Meurer präsentiert: Ohne festes Ziel der Welt und sich selbst begegnen

Florian Meurer präsentiert: Ohne festes Ziel der Welt und sich selbst begegnen

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von Florian Meurer – Wir gehen hinaus in die Welt und wandern durch unser Leben wie Menschen, die sich mit einem Kompass orientieren. Wir folgen der Richtung, in die unsere innere Kompassnadel zeigt. Unser Ziel kennen wir aus eigener Anschauung nicht. Wir kennen es nur aus unserer Vorstellung, unserer Vision.

Jeder hat einen Drang, eine innere Besessenheit, die ihn zwingt, an der eingeschlagenen Richtung festzuhalten. Meistens folgen wir diesem Drang, manchmal ändern wir den Kurs auch. Immer aber orientieren wir uns und wähnen uns auf einem Weg. Wir tun dies, weil wir in einer Wirklichkeit leben, in der es keine Ziele gibt. Die Welt gibt uns nichts vor. Alle Objekte existieren gleichberechtigt, so wie auch alle Lebewesen gleichberechtigt leben. Nichts um uns fordert uns zu irgend etwas auf. Alles kann betrachtet werden, ohne das etwas daraus folgt. Wir erkennen meist nicht, wie frei wir eigentlich sind. Unser Bedürfnis nach Leitbildern sorgt dafür, dass wir uns laufend selbst versklaven. Indem wir unserer Kompassnadel folgen, bestimmen und takten wir unser Leben. Ihr zu folgen wird unsere Priorität, der wir alles andere unterordnen. Doch wer hält es aus, weiterzugehen, ohne orientiert zu sein? Wer kann weitergehen, ohne zu wissen, in welche Richtung er sich wenden muss? Wer kann seinen Geist so weit befreien?

Welchen Weg gehen wir ohne Kompass und Karte?

Man beginnt damit, indem man einfach geradeaus geht. Wo ist geradeaus? Es spielt keine Rolle. In meiner Phantasie startet man so einen lange Spaziergang durch die Wälder, während die Jahreszeiten wechseln. Das Laub wird grün, beginnt sich zu verfärben und fällt ab. Dann folgt eine äußert karge Gegend, sie wird zur Wüste. Später befindet sich auf der einen Seite eine Meeresküste und schließlich liegt vor einem der dunkle, grüne Regenwald der Tropen. Immer geradeaus. Immer schauen, wie sich alles ändert. Wahrnehmen, welchen Menschen man begegnet und wie sie sich ändern. Das Ziel der Reise ist nichts anderes als die Welt selbst. Der eigene, regelmäßige Atem führt den Wanderer. Der eigene Atem führt zum Atem der Welt und man geht so lange ohne Ziel, bis beide Atemzüge im gleichen Rhythmus gehen. Wo immer man dann ist, man hat sein Ziel erreicht.

Ich begänne damit, durch die Wälder zu gehen. Würde ich so gehen, wären immer sie die Orte, an denen ich mich eine Zeitlang hinsetze und ausruhe. Die Wälder sprechen zu uns. Wenn das Sonnenlicht durch die Blätter fällt, die Rinde der Buche sich kühl anfühlt oder im Frühjahr die Vögel mit ihrem Gesang ihr neues Jahr beginnen, kann man den Wald vernehmen. Man kann über Stunden am Bach sitzen und nur auf sein Gluckern hören. Es ist einfach da. Jeder kann diese Dinge wahrnehmen, sie sind kostenlos und dauerhaft zugänglich. Doch man muss still und aufmerksam sein, um die Kleinigkeiten wirklich wahrzunehmen. Es braucht ein großes Maß an Gegenwärtigkeit und innerer Ruhe, nur um das Rauschen des Winds in den Baumkronen wirklich zu hören. Wer es einfach nur hören kann, ohne es innerlich zu kommentieren, der könnte schon fast ein Meister sein. Die grundlegenden Dinge sind manchmal die schwersten.

Ohne Gedanken zu sich selbst finden

Denn das Hören ist nichts beiläufiges. Es muss mit wahrer Aufmerksamkeit geschehen. Wer sich weiterentwickelt, der schafft es, vom Hören zum Lauschen zu kommen. Wind und Regen sprechen zu uns. Die letzten Gedankenreste dürfen dann gehen. Man lässt die Bürde des Denkens ganz fallen. Es zehrt an den Kräften. Jedes »Morgen muss ich auf jeden Fall…« oder »Was wäre wenn…« laugt den Menschen aus. Die Zeit rast im Heute, im Morgen, im Übermorgen an uns vorbei. Wir rennen verzweifelt und atemlos der Umsetzung der eigenen Pläne, Pflichten und Verbindlichkeiten hinterher. Keiner scheint das Leben zu würdigen, das man führen könnte, würde man sich von all dem verabschieden. Man wäre nur im Wald, spräche mit niemandem. Es ginge nur noch darum, da zu sein. So wird man selbst unmerklich wie die Bäume, die auch einfach da sind. Man vergisst die anderen Menschen und letztlich auch sich selbst. Entfernt von allem schöpft man Kraft. Es gab in meinem Leben schon Momente dieser Art. Ich bin geneigt, sie zu meinen Besten zu zählen.

Die Begegnung mit der Natur lehrt uns, die Welt wahrzunehmen und die Verhaftung im eigenen Denken fallen zu lassen.

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