Dies & DasVerfall der Innenstadt? Über Wandel, Leerstand und die Zukunft des städtischen Lebens

Verfall der Innenstadt? Über Wandel, Leerstand und die Zukunft des städtischen Lebens

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Leben in der Stadt im Veränderungsprozess

von Kay Ganahl – Keine Stadt ist wie die andere. Die Vielfalt der deutschen Städte – jede hat ein eigenes Gesicht, könnte man sagen – weckt das Interesse, sie zu besuchen. Auch der langjährige Bewohner der Stadt, die er seine Heimatstadt nennt, möchte sich in ihr wohlfühlen und sie interessant finden.

Die wirtschaftliche Entwicklung und die größer gewordene Mobilität der Gesellschaft werfen allerdings Fragen auf. So z. B.: „Wird die City unserer Stadt irgendwann aussterben, statt weiterhin wichtiger Teil der Stadt zu sein?“

Es sieht ja in der letzten Zeit, wenn man die Augen öffnet und sich kritisch umschaut, ganz nach einem Verfallsprozess von dem aus, was wir durchaus auch schätzen lernten, denn die City der deutschen Stadt bildete – und bildet noch bis heute – oft den Mittelpunkt für Bürger, die öffentliche oder private Dienstleistungen in Anspruch nehmen, einkaufen gehen, sich treffen, in Gastronomie einkehren …


Bunte Geschäftigkeit: Was gut ist

Cityleben bedeutet auch und gerade Lebendigkeit.

Du hältst dich in einem sozialen Umfeld auf, wie immer, wenn du als Bürger unterwegs bist. Selbst wenn du allein in einer Fußgängerzone der City bist, ist das nicht wirklich ein Alleinsein – auch nicht in einer Stadt wie Solingen.

In der modernen Innenstadt, einer City, bewegst du dich allerdings meist inmitten vieler anderer und hast etwas zu erledigen. Du schlenderst auch durch diese City, suchst nach angenehmen Eindrücken. Es geht nämlich nicht nur um die Erledigung von dem, was du dir vorgenommen hast zu tun, sondern um das Erlebnis, hier, in dieser City, unterwegs zu sein.

Das dich Umgebende ist aber heutzutage nicht mehr ganz das, was dir vor Jahrzehnten noch ein Wohlbefinden verschafft hatte. Cityleben, vor allem das in einer Fußgänger-Oase, entsteht durch die Vielfalt von Läden mit interessant und bunt ausgestatteten Schaufenstern, an denen Bürger mit Vergnügen vorbeigehen, so dass auch Kaufinteresse geweckt werden kann.

Das ist das Cityleben, für das du dich einst erwärmt hast. Es ist ein freundliches der Schaufenster von Einzelhandelsgeschäften, Restaurants, Cafés, Imbissen, Schuhgeschäften, Frisiersalons …

Die gezeigten Warenangebote in den Schaufenstern der Einzelhandelsgeschäfte können informieren und unterhalten. Vieles wirkt auf den Betrachter bunt und einladend. Jedenfalls, so die Meinung, sollte es möglichst so sein.

Wohl kaum jemand wünscht sich heute, dass diese Lebendigkeit irgendwann ganz verschwunden sein wird.


Veränderungen

Was wir in der Gegenwart sehen und hören, weist darauf hin, wie sich diese Lebendigkeit mehr und mehr auf den intensiven, auch gefährlichen Straßenverkehr beschränkt.

Der – ich möchte sagen: Wahnsinn – eines überhand nehmenden wilden Durchgangsverkehrs durch die City, auch in Solingen, wirft die Frage auf: Muss denn diese Art der negativen Lebendigkeit in dieser City weiterhin dominant sein?

Klar ist natürlich, dass sich viele Fragen stellen, wenn es um eine moderne Stadt und deren konkrete Gestaltung geht: Verkehrstechnische, wirtschaftliche und die der Sicherheit.

In Solingen ist es so, dass sich die City als „sich verändernd“, aber dann doch auch „mehr oder weniger seelenlos“ zeigt. Das ist zwar ein subjektiver Eindruck, mehr nicht, doch ist das schon der Hinweis auf die Bereiche der City, in denen sich der Passant und Konsument vorzugsweise aufhält und sich mit der City auch ein stückweit positiv zu identifizieren sucht.

Die City-Fußgängerzonen sind es, die einem besonders zu denken geben.

Weil in der City – so wird an dieser Stelle frei von der Leber weg behauptet – mit architektonisch mäßig überzeugenden Gebäuden und Straßenzügen viele Laden-Leerstände die Anziehungskraft für den Bürger als eines Konsumenten, auch und gerade für den aus anderen Städten und Regionen, als eher eng begrenzt anzusehen ist.

Das Foto zeigt den Solinger Schriftsteller Kay Ganahl.

So ist das eben in Solingen und einigen anderen größeren deutschen Städten.

Was Schönheit ist, ist stets umstritten. Offensichtlich längere Zeit leerstehende Läden tragen auf keinen Fall dazu bei, z. B. Solingen für eine Perle der städtischen Kultur zu halten.

Mit Sicherheit ist das ein Makel, der zu beheben ohne Zweifel problematisch und langwierig sein dürfte, sofern Gewerbetreibende in den Fußgängerzonen sich gar nicht mehr gern aufhalten, oder aber ihre Käufe schlicht ganz woanders tätigen, so seit mehreren Jahrzehnten zunehmend im Internet mit Hilfe von Transport- und Liefer-Dienstleistern.

Es ist anzunehmen, dass so mancher diesen weltweiten Trend gern stoppen würde. Doch das dürfte unmöglich sein.

Also: Muss man nicht etwa nach radikalen Alternativen zur alten City der Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg suchen?


Die Bürger sind gefragt

Die Bürger sind es letztlich, die bestimmen müssen, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt. Man kann die Zukunft durchaus als offen begreifen.

Die politischen Mitwirkungsmöglichkeiten in den parlamentarischen Demokratien des sog. Westens sind immer noch groß. Sie sollten noch größer werden.

Was stets gewissenhaft zu gestalten ist, ist natürlich auch die bauliche Ordnung einer Stadt, somit auch und gerade das, was als städtisches Leben jeweils konkret vor Ort zu verstehen ist.

Das findet überall innerhalb der städtischen Grenzen statt, am sichtbarsten allerdings im Citybereich einer jeden deutschen Stadt, wo sich das Miteinander der Bürger in seiner Dichte und auch Unübersichtlichkeit zeigt.

Gerade dort ist die bauliche, sprich architektonische Gestaltung konkret-tatsächlich sehr wichtig. Dies weist auf diverse Aspekte der Repräsentation und Schönheit, aber natürlich auch der Sicherheit, der wirtschaftlichen Bedürfnisse des Konsumenten und des Einzelhandels, des Straßenverkehrs u. v. m.

Fortsetzung folgt.

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