Solingen – Die Zukunft des Theater- und Konzerthauses bewegt die Menschen in Solingen offenbar stark. Das zeigt eine Bürgerumfrage der Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS), an der sich zwischen dem 17. April und dem 5. Mai insgesamt 497 Personen in der Klingenstadt beteiligt haben. Das zentrale Ergebnis: Viele Solinger hängen emotional am bestehenden Haus – gleichzeitig wünschen sie sich eine sachliche und transparente Prüfung aller Zukunftsoptionen.
Starke emotionale Bindung an das Haus
In zahlreichen Rückmeldungen wird das Theater- und Konzerthaus als wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens beschrieben. Begriffe wie „Kulturtempel“, „Wahrzeichen“ oder „Palast der Kultur“ tauchten in den Antworten immer wieder auf.
Für viele Bürger ist das Haus eng mit persönlichen Erinnerungen verbunden – sei es durch Schulaufführungen, Vereinsveranstaltungen, Konzerte oder Tanzveranstaltungen. Besonders hervorgehoben wurden die Akustik des Konzertsaals, die Multifunktionalität des Gebäudes und seine Bedeutung als Heimat der Bergische Symphoniker.
Auch der Standort am Schlagbaum wird von vielen als prägend für das Stadtbild wahrgenommen. Das Gebäude gelte als „Eingang zur Innenstadt“ und wichtige Visitenkarte der Stadt.
Wirtschaftlichkeit bleibt zentrales Thema
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass die finanzielle Situation der Stadt den Bürgern bewusst ist. Viele Rückmeldungen betonen die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Umgangs mit öffentlichen Geldern.
Dabei sprechen sich die Teilnehmer jedoch klar gegen vorschnelle Entscheidungen aus. Ein möglicher Abriss dürfe nicht allein mit kurzfristigen Einsparungen begründet werden. Vielmehr fordern viele eine vollständige und nachvollziehbare Gegenüberstellung von Sanierungs-, Neubau- und Folgekosten.
Insbesondere langfristige Aspekte wie Betrieb, Instandhaltung und Energieverbrauch müssten bei einer Entscheidung berücksichtigt werden.
Feuerwache am Schlagbaum umstritten
Ein weiterer Schwerpunkt der Umfrage ist die Diskussion um den Vorschlag, auf dem Gelände des Theater- und Konzerthauses eine zentrale Feuer- und Rettungswache zu errichten.
Viele Teilnehmer äußerten Zweifel an der Eignung des Standorts. Genannt wurden unter anderem die bereits hohe Verkehrsbelastung, mögliche Staus sowie Sicherheitsbedenken bei Einsätzen.
Zudem gibt es Sorgen um die Auswirkungen auf Anwohner, ein nahegelegenes Altenheim sowie den Hotelstandort in unmittelbarer Umgebung.
Gleichzeitig erkennen viele Bürger die Bedeutung einer modernen Feuerwehrinfrastruktur an. Denkbar sei eine Kombination aus neuem Feuerwehrstandort und neuer Kulturstätte – allerdings nur nach sorgfältiger Prüfung und auf Grundlage belastbarer Konzepte.
Wunsch nach breiterem Kulturangebot
Die Umfrage zeigt auch klare Erwartungen an die zukünftige kulturelle Ausrichtung des Hauses. Gewünscht wird ein breites Angebot für alle Altersgruppen und Einkommensschichten.
Neben klassischen Theater- und Konzertformaten wünschen sich viele Bürger mehr Angebote für Kinder und Jugendliche sowie Veranstaltungen wie Musicals, Comedy, Rock- und Popkonzerte, Märkte oder Lesungen.
Kritisch gesehen wird, dass das derzeitige Programm aus Sicht einiger Teilnehmer zu stark ältere Zielgruppen anspreche. Gefordert werden mehr junge Formate und günstigere Eintrittspreise.
Vertrauen in politische Prozesse auf dem Prüfstand
Ein wiederkehrendes Thema in den Rückmeldungen ist der Wunsch nach mehr Transparenz und echter Bürgerbeteiligung. Viele Teilnehmer fordern nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen und einen offenen Vergleich aller denkbaren Varianten.
Zugleich zeigt sich eine Skepsis gegenüber weiteren Gutachten, wenn diese ohne konkrete politische Konsequenzen bleiben.
Die BfS sieht darin ein deutliches Signal an Politik und Verwaltung: Die Entscheidung über die Zukunft des Theater- und Konzerthauses müsse transparent, nachvollziehbar und unter Einbeziehung der Bürgerschaft getroffen werden.
BfS fordert ergebnisoffene Prüfung
Für die BfS ergibt sich aus der Umfrage ein klares politisches Fazit: Weder Abriss noch Sanierung oder Verlagerung dürften vorab festgelegt werden.
Stattdessen fordert die Wählergemeinschaft eine ergebnisoffene Prüfung aller realistischen Optionen – von der Sanierung am bisherigen Standort über einen möglichen Neubau bis hin zu Kombinationslösungen mit anderen städtischen Bedarfen.
Die Ergebnisse der Umfrage wurden inzwischen an Oberbürgermeister und Ratsfraktionen übergeben. Nach Angaben der BfS will man den weiteren politischen Prozess kritisch begleiten.
Die Botschaft aus der Bürgerschaft sei eindeutig: Schwierige Entscheidungen würden mitgetragen – wenn sie transparent vorbereitet und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern getroffen werden.










