Nahost-Konflikt, hohe Energiekosten und Reformstau belasten Unternehmen massiv
Die wirtschaftliche Lage im Bergischen Land bleibt angespannt. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der Bergischen IHK verschlechtern sich insbesondere die Geschäftsaussichten deutlich. Die Unternehmen sorgen sich vor allem wegen der Folgen der Nahost-Krise, steigender Energie- und Rohstoffpreise sowie fehlender wirtschaftspolitischer Reformen. Viele Betriebe planen inzwischen Investitionskürzungen und Stellenabbau.
Geschäftslage bleibt schwach
Im Frühjahr 2026 bewerten die Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation ähnlich negativ wie bereits zu Jahresbeginn. Nur 18 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, während 32 Prozent von einer schlechten Lage sprechen. Die Hälfte der Unternehmen bewertet ihre Situation lediglich als befriedigend. Der Geschäftslageindex verharrt mit minus 13,4 Punkten nahezu unverändert im negativen Bereich.
Besonders alarmierend ist jedoch der Blick in die Zukunft: 35 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage. Nur 14 Prozent erwarten eine Verbesserung. An der Umfrage beteiligten sich 492 Unternehmen mit rund 19.200 Beschäftigten.
Energiepreise sorgen für große Unsicherheit
Nach Einschätzung von IHK-Präsident Henner Pasch rückt ein wirtschaftlicher Aufschwung zunehmend in weite Ferne. Hauptgrund seien die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten.
74 Prozent der befragten Unternehmen sehen in steigenden Energie- und Rohstoffpreisen inzwischen ein erhebliches Risiko für ihren Geschäftserfolg. Damit hat die Sorge gegenüber dem Jahresbeginn deutlich zugenommen. Gleichzeitig schwächen die hohen Energiekosten die Kaufkraft vieler Verbraucher und drücken auf den Konsum.
Industrie kürzt Investitionen
Vor allem die Industrie reagiert zunehmend vorsichtig. Mehr als die Hälfte der Industriebetriebe plant, ihre Investitionen in Maschinen und Anlagen im laufenden Jahr zu reduzieren. Die Bergische IHK sieht darin ein weiteres Zeichen für die fortschreitende Deindustrialisierung.
Zudem kritisieren viele Unternehmen fehlende politische Reformen. Hohe Steuern und Abgaben, Probleme in der Energiepolitik sowie zunehmende Bürokratie gelten inzwischen als zentrale Belastungsfaktoren. Fast zwei Drittel der Betriebe bewerten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als großes Risiko für ihre weitere Entwicklung – ein neuer Höchststand in der IHK-Umfrage.
Handel und Gastronomie besonders betroffen
Auch andere Branchen geraten zunehmend unter Druck. Der Großhandel berichtet weiterhin von erheblichen Umsatzeinbußen. Im Verkehrsgewerbe verschärfen stark gestiegene Treibstoffkosten die wirtschaftliche Lage zusätzlich.
Der Einzelhandel und die Gastronomie leiden vor allem unter der schwachen Konsumstimmung. Viele Verbraucher halten sich angesichts steigender Lebenshaltungskosten mit Ausgaben zurück. Im Gastgewerbe kommen zusätzlich höhere Personalkosten durch den steigenden Mindestlohn hinzu.
Etwas stabiler zeigt sich bislang lediglich der Dienstleistungssektor. Doch auch dort rechnen inzwischen 30 Prozent der Unternehmen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage.
Remscheid blickt besonders kritisch auf die Lage
Im Vergleich der bergischen Großstädte bewerten die Unternehmen in Remscheid ihre aktuelle Geschäftslage negativer als die Betriebe in Wuppertal und Solingen. Beim Blick auf die kommenden Monate zeigen sich die Remscheider Unternehmen allerdings etwas weniger pessimistisch als ihre Nachbarn.
Unternehmen planen Stellenabbau
Die schlechten Aussichten wirken sich inzwischen auch auf den Arbeitsmarkt aus. Rund ein Viertel der IHK-zugehörigen Betriebe plant im Jahr 2026 Stellen abzubauen. Zudem rechnet die Bergische IHK mit einem Rückgang neuer Ausbildungsverhältnisse.
Damit drohen der Region nicht nur kurzfristige wirtschaftliche Probleme, sondern auch langfristige Folgen für Beschäftigung und Fachkräftesicherung.










