SolingenSolingen setzt auf klare Regeln für Smartphones und Social Media an Schulen

Solingen setzt auf klare Regeln für Smartphones und Social Media an Schulen

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Solingen – Die Diskussion über Handys und soziale Medien an Schulen nimmt auch in der Klingenstadt weiter Fahrt auf. Während das Schulministerium Nordrhein-Westfalen keine landesweit einheitlichen Handyverbote plant, setzt die Klingenstadt auf individuelle Regelungen an den Schulen – und zugleich auf ein bundesweit beachtetes Pilotprojekt gegen die frühe Nutzung sozialer Medien.

Das geht aus einer Stellungnahme der Stadt Solingen auf Anfrage unserer Redaktion hervor. Grundlage dafür sind neue Handlungsempfehlungen des NRW-Schulministeriums zum Umgang mit Smartphones und Smartwatches im Schulalltag.

Keine landesweite Pflicht – Schulen entscheiden selbst

Nach Angaben der Stadt ruft das Schulministerium seit dem vergangenen Jahr alle Schulen dazu auf, verbindliche Regeln für die Nutzung von Handys im Schulalltag festzulegen. Dafür stellt das Ministerium eine schriftliche Handlungsempfehlung sowie eine beispielhafte Handyordnung zur Verfügung.

Eine einheitliche Vorgabe für alle Schulen gibt es jedoch nicht. Stattdessen sollen die jeweiligen Regelungen vor Ort in den Schulkonferenzen beschlossen werden. Dadurch unterscheiden sich die Konzepte teilweise deutlich von Schule zu Schule.

Das Ministerium betont in seinen Empfehlungen, dass unterschiedliche Altersgruppen und Schulformen differenzierte Lösungen benötigen. Während an Grundschulen eine weitgehende Einschränkung der Handynutzung sinnvoll sei, könnten weiterführende Schulen Smartphones gezielt in den Unterricht integrieren.

Handygaragen und klare Verbote

Wie die Stadt mitteilt, setzen manche Schulen bereits auf praktische Lösungen wie „Handygaragen“ oder verschließbare Tresore. Dort geben Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones vor Unterrichtsbeginn ab, um Ablenkungen zu vermeiden.

Auch das Ministerium nennt solche Modelle ausdrücklich als mögliche Maßnahme. In den Handlungsempfehlungen wird vorgeschlagen, Geräte während des Unterrichts ausgeschaltet oder im Flugmodus aufzubewahren. Zudem werden handyfreie Zonen auf Schulhöfen empfohlen.

Darüber hinaus weist das Ministerium darauf hin, dass Lehrkräfte bei Regelverstößen Handys zeitweise einziehen dürfen. In schweren Fällen sei sogar eine Einbehaltung über das Wochenende möglich, etwa verbunden mit einem Elterngespräch.

Solinger Pilotprojekt gegen Social-Media-Druck

Besonders im Fokus steht in Solingen ein neues Pilotprojekt zur Nutzung von Social Media und Smartphones an Schulen. Seit dem Schuljahr 2025/26 läuft das Projekt an allen weiterführenden Schulen mit Sekundarstufe I zunächst in den fünften Klassen.

Ziel ist es, dass Kinder unter 13 Jahren möglichst auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat verzichten. Damit orientiert sich das Projekt auch an den offiziellen Altersvorgaben der Anbieter.

Nach Angaben der Stadt soll vor allem der soziale Druck unter Jugendlichen reduziert werden. Gleichzeitig sollen Konzentration, Sozialverhalten und psychische Gesundheit gestärkt werden. Der Verzicht auf soziale Medien soll möglichst nicht nur während der Schulzeit, sondern auch im privaten Umfeld gelten.

Dafür unterschreiben Eltern freiwillige Vereinbarungen gemeinsam mit den Schulen. Die Stadt spricht von einer „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Schule und Elternhaus.

Ausweitung auf Grundschulen geplant

Das Projekt soll bereits im kommenden Schuljahr ausgeweitet werden. Dann sollen neben den fünften auch die sechsten Klassen sowie die Grundschulen einbezogen werden.

Am 8. Juni 2026 will sich NRW-Schulministerin Verena Schäffer an der Gesamtschule Höhscheid persönlich über die bisherigen Entwicklungen informieren. Dabei soll es unter anderem um verstärkte Elternarbeit sowie den Einsatz sogenannter Medienscouts gehen.

Schulen sollen Regeln gemeinsam entwickeln

Das Schulministerium legt in seinen Empfehlungen großen Wert darauf, dass Regeln gemeinsam mit Lehrkräften, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern entwickelt werden. Nur so könne langfristig Akzeptanz geschaffen werden.

Die Schulen sollen dabei unter anderem festlegen:

  • wann und wo Smartphones genutzt werden dürfen,
  • welche Ausnahmen gelten,
  • welche Konsequenzen Verstöße haben,
  • und wie Eltern in dringenden Fällen erreichbar bleiben.

Zudem empfiehlt das Ministerium eine regelmäßige Überprüfung der Regeln und gegebenenfalls Anpassungen an neue Entwicklungen.

Diskussion noch nicht abgeschlossen

Nach Angaben der Stadt Solingen wird das Projekt von den beteiligten Schulen bislang überwiegend positiv bewertet. Gleichzeitig sei die Debatte über einen altersgerechten und reflektierten Umgang mit Smartphones noch längst nicht abgeschlossen.

Auch das Schulministerium hält sich weitere Schritte offen. Sollte sich zeigen, dass freiwillige Regelungen nicht ausreichen, könnte später sogar eine landesweite gesetzliche Regelung in Betracht gezogen werden.

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