Stadt lädt am 29. Mai zum gemeinsamen Gedenken ein
Solingen – Mit einer stillen Gedenkveranstaltung erinnert die Stadt Solingen am Freitag, 29. Mai, an die Opfer des rassistischen Brandanschlags von 1993. Gemeinsam mit der Familie Genç und dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage lädt die Stadt alle Interessierten dazu ein, der fünf ermordeten Frauen und Mädchen zu gedenken.
Die Veranstaltung beginnt um 15.30 Uhr am Mahnmal vor dem Mildred-Scheel-Berufskolleg an der Beethovenstraße. Oberbürgermeister Daniel Flemm wird die Gedenkansprache halten. Anschließend ist eine Schweigeminute vorgesehen. Auch der türkische Generalkonsul Ali İhsan İzbul, Superintendentin Dr. Ilka Werner sowie Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs beteiligen sich am Programm. Den Abschluss bilden ein Gebet und Koranrezitationen der Imame Enis Camli und Ali Riza Yilmaz.
Einer der schwersten rassistischen Anschläge der Nachkriegsgeschichte
Der Brandanschlag vom 29. Mai 1993 gehört zu den schwersten rassistischen Gewalttaten in der Geschichte der Bundesrepublik. In der Nacht zum Pfingstsamstag setzten vier junge Rechtsextremisten das Haus der türkischstämmigen Familie Genç in der Unteren Wernerstraße in Brand. Fünf Menschen starben: Gürsün İnce (27), Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12), Hülya Genç (9) und Saime Genç (4). Vierzehn weitere Angehörige wurden teils lebensgefährlich verletzt.
Der Anschlag ereignete sich in einer Zeit zunehmender fremdenfeindlicher Gewalt nach der deutschen Wiedervereinigung. Bereits zuvor hatten die Ausschreitungen in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sowie der Brandanschlag von Mölln bundesweit Entsetzen ausgelöst. Solingen wurde schließlich zum Symbol für den mörderischen Rechtsextremismus der frühen 1990er-Jahre.
Die Folgen prägen Solingen bis heute
Die Täter wurden 1995 vom Oberlandesgericht Düsseldorf wegen Mordes und schwerer Brandstiftung zu Haftstrafen zwischen zehn und fünfzehn Jahren verurteilt. Die Urteile wurden später vom Bundesgerichtshof bestätigt.
Besonders im Gedächtnis vieler Menschen blieb die Haltung von Mevlüde Genç (†79), die bei dem Anschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verlor. Trotz ihres persönlichen Leids rief sie öffentlich zu Versöhnung und Menschlichkeit auf und warnte vor Hass und Vergeltung. Damit wurde sie weit über Solingen hinaus zu einer moralischen Stimme gegen Rassismus und Gewalt.
Heute erinnert an der Unteren Wernerstraße ein Mahnmal an die Opfer des Anschlags. Die Stadt Solingen begeht den Jahrestag seit vielen Jahren mit offiziellen Gedenkveranstaltungen. Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spannungen erhält das Erinnern für viele Menschen erneut besondere Bedeutung.
Programm des Gedenkens am 29. Mai
15.30 Uhr – Ansprache von Oberbürgermeister Daniel Flemm, anschließend Schweigeminute
15.40 Uhr – Ansprache des türkischen Generalkonsuls Ali İhsan İzbul
15.50 Uhr – Ansprache von Superintendentin Dr. Ilka Werner
16.00 Uhr – Beitrag von Schülerinnen und Schülern des Mildred-Scheel-Berufskollegs
16.10 Uhr – Gebet und Koranrezitationen durch Imam Enis Camli und Imam Ali Riza Yilmaz
Die Stadt lädt ausdrücklich alle Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme ein.










