„Einer der größten Transformationsprozesse in Solingen“
Solingen – Die Zukunft kirchlicher Gebäude in der Klingenstadt stand im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen Vertretern der evangelischen Kirche, Politik, Stadtverwaltung und interessierten Gemeindemitgliedern. Bei der Veranstaltung wurde deutlich: Die Umnutzung von Kirchenimmobilien wird die Stadt in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen stellen – bietet zugleich aber auch Chancen für die Stadtentwicklung.
Für den planungspolitischen Sprecher der Grünen Ratsfraktion, Finn Grimsehl-Schmitz, handelt es sich um einen tiefgreifenden Wandel. „Die Umnutzung kirchlicher Gebäude wird in den kommenden Jahren zu den größten stadtentwicklungspolitischen Transformationsprozessen in Solingen gehören“, erklärte er. Kirchen prägten vielfach seit Generationen ihre Stadtteile und hätten für viele Menschen einen hohen emotionalen Wert.
Gleichzeitig eröffne sich die Möglichkeit, die oftmals markanten Gebäude als Orte der Begegnung, des Austauschs und der Gemeinschaft neu zu denken. Grimsehl-Schmitz sprach sich dafür aus, frühzeitig neue Nutzungsformen gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln. Dabei seien insbesondere Fragen des Bau- und Denkmalschutzes sowie eine enge Abstimmung zwischen den zuständigen Ämtern entscheidend. Auch Übergangs- und Zwischennutzungen könnten helfen, neue Ideen zu erproben und tragfähige Konzepte zu entwickeln.
Herausforderung für Kommunen und Kirchen
Dass die Problematik weit über Solingen hinausreicht, betonte der Vorsitzende des Planungsausschusses, Thilo Schnor. Die großen Kirchen verlören seit Jahren in erheblichem Umfang Mitglieder. Dadurch stünden immer weniger finanzielle Mittel für den Erhalt der Gebäude zur Verfügung.
„Die Umnutzung von Kirchenimmobilien ist ein landes- wenn nicht gar bundesweites Thema“, sagte Schnor. Gleichzeitig seien auch die finanziellen Spielräume vieler Kommunen begrenzt. Daher müsse die Frage, wie mit den Gebäuden künftig umgegangen werde, auch auf Landesebene diskutiert werden.
Nach Ansicht der Grünen sollte geprüft werden, wie kirchlicher Immobilienbestand so bewirtschaftet werden kann, dass Gebäude nicht dem Verfall preisgegeben werden, wenn Nach- oder Zwischennutzungen nicht unmittelbar umgesetzt werden können. Die Fraktion will deshalb auch das Land Nordrhein-Westfalen und das für Kommunen zuständige Ministerium einbeziehen, um mögliche Unterstützungsangebote auszuloten.
Zukunft der Quartiere mitgestalten
Die Veränderungen beträfen nicht allein die Kirchen selbst, sondern die Entwicklung ganzer Stadtteile und das Erscheinungsbild der Stadt. Nach Einschätzung der beiden Kommunalpolitiker zeigen Erfahrungen aus anderen Städten, dass erfolgreiche Nachnutzungskonzepte vor allem dann entstehen, wenn sie gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt werden und einen konkreten Mehrwert für das jeweilige Quartier schaffen.
Deshalb sei es wichtig, den anstehenden Wandel frühzeitig, transparent und gemeinsam zu gestalten. Ziel müsse es sein, möglichst viele der prägenden Kirchengebäude als lebendige Orte für die Stadtgesellschaft zu erhalten und ihnen eine langfristig tragfähige Perspektive zu geben.










