Hoher Besuch beim „Chef„
Solingen – Besonderer Besuch am Donnerstagnachmittag im Städtischen Klinikum: Der syrische Gesundheitsminister Musaab Nazzal al-Ali nutzte einen kurzen Aufenthalt in Deutschland, um seinem ehemaligen Arbeitgeber einen Besuch abzustatten. Im Mittelpunkt stand dabei das Wiedersehen mit Priv.-Doz. Dr. Ralf Buhl, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie – und für den Minister bis heute „der Chef“.
Fünf Jahre lang absolvierte Musaab Nazzal al-Ali seine neurochirurgische Ausbildung in Solingen. Die enge Verbindung zu seinem früheren Chef ist bis heute geblieben. „Das wird er immer bleiben“, sagt der syrische Gesundheitsminister über Dr. Buhl. Auch der Chefarzt erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit: „Er ist jeden Tag zuverlässig aus Dortmund angefahren und hat den weiten Weg für seine Ausbildung in der Neurochirurgie auf sich genommen.“
Große Herausforderungen im syrischen Gesundheitswesen
Nach dem Ende des Krieges kehrte Musaab Nazzal al-Ali in seine Heimat Syrien zurück. Seit März 2025 ist der 41-Jährige parteiloser Gesundheitsminister des Landes. Eine Aufgabe, die mit großen Herausforderungen verbunden ist: Viele Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen wurden während des Krieges zerstört, wichtige Ausrüstung fehlt und qualifiziertes Personal ist knapp.
Mehr als 6,8 Millionen Syrer haben das Land verlassen, darunter zahlreiche hochqualifizierte Fachkräfte. „Es sind erst wenige nach Syrien zurückgekehrt“, berichtet al-Ali. Um die medizinische Versorgung dennoch zu verbessern, setzt der Minister auf pragmatische Lösungen. So genehmigt er persönlich und unbürokratisch befristete Einsätze syrischer Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland. „Ich selbst unterschreibe die Genehmigung, dass Fachärzte für drei Monate in Syrien arbeiten können. Das geht sehr schnell“, erklärt er.
Mit Erfolg: Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Ministers 10.800 Operationen von syrischen Ärzten durchgeführt, die im Ausland leben. Viele nutzen ihren Urlaub, um Menschen in ihrer Heimat medizinisch zu versorgen, bevor sie wieder zu ihren Familien und Arbeitsplätzen in aller Welt zurückkehren.
Kooperation mit Solingen geplant
Beim Besuch in Solingen wurde auch über die Zukunft gesprochen. Der syrische Gesundheitsminister kann sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Städtischen Klinikum Solingen vorstellen.
„Dazu sind wir sehr gern bereit“, betont Prof. Dr. Martin Eversmeyer, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Solingen. In den kommenden Monaten sollen konkrete Möglichkeiten einer Kooperation geprüft werden.
Vorstellbar sind für al-Ali verschiedene Modelle, etwa ein Austauschprogramm für angehende Fachärztinnen und Fachärzte. Diese könnten einen Teil ihrer Ausbildung in Deutschland absolvieren und anschließend nach Syrien zurückkehren, um dort ihr Wissen weiterzugeben und selbst junge Mediziner auszubilden.
„Das muss auf politischer Ebene in die Wege geleitet werden“, sagt Prof. Dr. Martin Eversmeyer. Er sicherte zu, die notwendigen Kontakte herzustellen und den Austausch zu unterstützen.
Wiedersehen mit Perspektive
Der Besuch von Musaab Nazzal al-Ali war weit mehr als ein freundschaftliches Wiedersehen. Er zeigte, wie wertvoll internationale Netzwerke und persönliche Verbindungen für die Entwicklung des Gesundheitswesens sein können. Für das Städtische Klinikum Solingen und seinen ehemaligen Mitarbeiter könnte damit der Beginn einer vielversprechenden Zusammenarbeit entstehen – zum Nutzen beider Länder und ihrer Patientinnen und Patienten.










