Solinger Armutskonferenz sieht steigenden Unterstützungsbedarf bei Senioren und Alleinerziehenden – Ehrenamtliche Initiativen leisten wichtige Hilfe
Solingen – Die Armut in Deutschland nimmt weiter zu. Das geht aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hervor. Auch in Solingen beobachten soziale Einrichtungen und Hilfsorganisationen eine ähnliche Entwicklung. Gleichzeitig sehen sie ihre Arbeit durch eine unzureichende finanzielle Ausstattung zunehmend erschwert.
„Die Zuschüsse für soziale Träger halten mit den Tarifsteigerungen oft nicht Schritt“, sagt Horst Koss, Sprecher der Solinger Armutskonferenz. Die Folgen seien in vielen Bereichen spürbar. Einrichtungen müssten mit steigenden Kosten umgehen, ohne dass die öffentliche Finanzierung entsprechend angepasst werde.
Anders als auf Bundesebene fehlt in Solingen jedoch eine aktuelle Datengrundlage zur Armutsentwicklung. „Wir können uns im Solinger Armutsbericht nur auf veraltete Zahlen aus dem Jahr 2018 berufen“, erklärt Koss. Zwar gebe es zahlreiche Hinweise auf eine Verschärfung der sozialen Lage, belastbare aktuelle Zahlen lägen jedoch nicht vor.
Nach Beobachtungen der Armutskonferenz ist insbesondere der Unterstützungsbedarf bei älteren Menschen und Alleinerziehenden gestiegen. Viele Betroffene seien angesichts steigender Lebenshaltungskosten auf zusätzliche Hilfe angewiesen.

Eine zentrale Rolle bei der Unterstützung Bedürftiger spielen dabei ehrenamtliche Initiativen. „Wir haben allein in der Klingenstadt 48 Vereine und Gruppen, die sich ehrenamtlich um Bedürftige kümmern“, berichtet Uli Preuss, der innerhalb der Armutskonferenz für die Koordination ehrenamtlicher Aktivitäten zuständig ist.
Wie groß der Bedarf inzwischen geworden ist, zeigt das Beispiel der Solinger Tafel. Nach Angaben der Armutskonferenz werden dort mittlerweile bis zu 3.000 Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt. Mehr als ein Drittel der Hilfesuchenden sind Kinder.
Für die Mitglieder der Armutskonferenz unterstreichen diese Zahlen die Notwendigkeit einer aktuellen Bestandsaufnahme der sozialen Situation in Solingen. Sie sehen die Stadtverwaltung in der Verantwortung, zeitnah neue Daten zur Armutsentwicklung vorzulegen.
„Nur mit aktuellen Zahlen können Politik, Verwaltung und soziale Träger zielgerichtet handeln“, betont Koss. Die Bekämpfung von Armut sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die verlässliche Informationen über das tatsächliche Ausmaß der Probleme voraussetze.
Angesichts steigender Nachfrage nach Hilfsangeboten und begrenzter finanzieller Ressourcen wächst deshalb der Druck auf Politik und Verwaltung, die soziale Lage in der Klingenstadt genauer in den Blick zu nehmen.










