Solingen – Die Stadtverwaltung treibt die Planungen für den „Ohligser Cityring 2.0“ weiter voran. Das Projekt soll den öffentlichen Nahverkehr stärken, die Verbindung zum Hauptbahnhof verbessern und die Verkehrsführung im Stadtteil neu ordnen. Gleichzeitig sieht die aktuelle Planung jedoch deutliche Einschnitte beim öffentlichen Parkraum vor. Nach den von der Stadt vorgestellten Unterlagen könnten insgesamt 35 öffentliche Stellplätze wegfallen.
Ein Schlüsselprojekt für die Zukunft des Stadtteils
Der Ohligser Cityring gilt als eine zentrale Maßnahme der städtischen Verkehrsplanung. Ziel ist es, den Anteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel zu erhöhen, die Erschließung des Stadtzentrums transparenter zu gestalten und die Anbindung des Hauptbahnhofs zu verbessern. Gleichzeitig sollen Verkehrsabläufe optimiert und die Infrastruktur barrierefrei ausgebaut werden.
Im Rahmen einer Informationsveranstaltung stellte die Verwaltung verschiedene Prüfaufträge vor. Dabei ging es insbesondere um die Auswirkungen auf den ruhenden Verkehr, die Einrichtung einer Einbahnstraßenregelung im Rennpatt sowie Veränderungen an Bushaltestellen.
Mehr Platz für Busse und mehr Barrierefreiheit
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. An mehreren Stellen sollen barrierefreie Bushaltestellen entstehen oder ausgebaut werden. Die Verwaltung verspricht sich davon einen attraktiveren Busverkehr und eine bessere Erreichbarkeit des Stadtteilzentrums.
Darüber hinaus wird die Einführung einer Einbahnstraße im Bereich Rennpatt geprüft. Nach Angaben der Stadt würde dies den Verkehrsfluss verbessern, den Busbetrieb erleichtern, Gehwege freihalten und die Ausfahrt für Busse sowie Schwerlastverkehr auf die Bahnstraße vereinfachen. Zudem soll eine barrierefreie Bushaltestelle insbesondere für Schulkinder entstehen.
35 Stellplätze sollen entfallen
Besonders aufmerksam verfolgt wird jedoch die Entwicklung beim Parkraum.
Nach der von der Stadt vorgestellten Gesamtübersicht sollen im Zuge des Projekts insgesamt 35 Stellplätze wegfallen. Die größten Auswirkungen betreffen dabei die Kottendorfer Straße und die Bahnstraße. Dort entfallen allein durch neue Halteverbote und Verkehrsregelungen 28 Stellplätze. Hinzu kommen weitere Stellplatzverluste im Zusammenhang mit dem Ausbau von Bushaltestellen.
Übersicht der vorgesehenen Stellplatzverluste
| Bereich | Stellplätze |
|---|---|
| Kottendorfer Straße / Bahnstraße (A-F) | -28 |
| Haltestelle Heiligenstock | -3 |
| Haltestelle Südstraße | -4 |
| Rennpatt (Saldo) | 0 |
| Gesamt | -35 |
Rennpatt: Weniger Parkplätze – aber Ausgleich vorgesehen
Besonders interessant ist die Situation am Rennpatt. Während die Stadt in ihrer Präsentation allgemein von „wenig Stellplätzen, die entfallen“ spricht, zeigt der Blick in die Detailplanung ein differenzierteres Bild.
Durch neue Halteverbote sollen am Rennpatt zunächst acht bisher nutzbare Stellplätze wegfallen. Betroffen sind zwei Bereiche mit fünf beziehungsweise drei Stellplätzen.
Gleichzeitig plant die Stadt jedoch, die ehemalige Schulbushaltefläche künftig als Parkplatzfläche zu nutzen. Dort sollen acht neue Stellplätze entstehen. Dadurch ergibt sich rechnerisch kein Verlust an Parkraum.
Ob diese Ersatzlösung von Anwohnern, Eltern und Besuchern gleichermaßen angenommen wird und den bisherigen Parkraum tatsächlich vollständig kompensieren kann, dürfte allerdings erst die Praxis zeigen.
Verwaltung verweist auf Sicherheitsgründe
Die geplanten Änderungen werden von der Stadt überwiegend mit Sicherheitsaspekten begründet. An zahlreichen Stellen seien die Fahrbahnen zu schmal für Begegnungsverkehr. Zudem müssten Sichtbeziehungen verbessert und ausreichend Flächen für den Busverkehr geschaffen werden.
An mehreren Standorten sollen daher Halteverbote oder zusätzliche Fahrbahnmarkierungen eingerichtet werden. Ziel sei es, Konflikte zwischen parkenden Fahrzeugen, Linienbussen und Gegenverkehr zu reduzieren und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Offene Fragen bleiben
Trotz der ausführlichen Darstellung der Vorteile bleiben wichtige Fragen offen. So wurde bislang nicht erläutert, ob und wo die wegfallenden Stellplätze außerhalb des Rennpatts ersetzt werden könnten.
Gerade für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsbetriebe spielt die Erreichbarkeit mit dem Auto weiterhin eine wichtige Rolle. Auch viele Anwohner sind auf wohnungsnahe Stellplätze angewiesen. Bislang hat die Stadt keine Übersicht darüber vorgelegt, wie viele öffentliche Parkplätze insgesamt im Umfeld zur Verfügung stehen und welche Auswirkungen der Wegfall von 35 Stellplätzen auf die tatsächliche Parksituation haben wird.
Zwischen Verkehrswende und Alltagstauglichkeit
Der Ohligser Cityring verfolgt nachvollziehbare Ziele: bessere Busverbindungen, barrierefreie Haltestellen und mehr Verkehrssicherheit. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Planung, dass diese Ziele nicht ohne Eingriffe in den vorhandenen Parkraum erreicht werden sollen.
Die politische Diskussion dürfte sich daher nicht allein um Verkehrsströme und Buslinien drehen. Entscheidend wird auch die Frage sein, ob die vorgesehenen Verbesserungen die Einschränkungen beim Parkraum rechtfertigen und welche Lösungen die Stadt für Anwohner, Kunden und Besucher anbieten kann.











