SolingenMenschen in Krisen beistehen: Notfallseelsorge sucht neue Ehrenamtliche

Menschen in Krisen beistehen: Notfallseelsorge sucht neue Ehrenamtliche

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Infoabende geben Einblick in Ausbildung und Einsatz in der Klingenstadt

Solingen – Wenn Polizei und Feuerwehr nach einem schweren Einsatz wieder abrücken, bleiben Angehörige oft mit Schock, Trauer und vielen offenen Fragen zurück. In diesen Momenten kommt die Notfallseelsorge ins Spiel. Rund um die Uhr steht in Solingen ein Team bereit, um Menschen in akuten Krisensituationen zu begleiten. Nun wirbt die Notfallseelsorge um neue Ehrenamtliche und lädt zu zwei Informationsabenden ein.

Hilfe in den schwersten Stunden

Ob nach einem Todesfall in der eigenen Wohnung, einem Verkehrsunfall oder einem Wohnungsbrand: Die Mitarbeiter der Notfallseelsorge unterstützen Betroffene unmittelbar nach belastenden Ereignissen. Etwa 100 Mal im Jahr wird das Team in Solingen alarmiert. Die Anforderung erfolgt ausschließlich durch Polizei oder Feuerwehr.

„Wenn Einsatzkräfte weitermüssen, bleiben oft Angehörige in einer für sie unerwarteten Schocksituation zurück“, erklärt Koordinatorin Simone Henn-Pausch. Für die Einsatzkräfte sei es eine wichtige Entlastung zu wissen, dass jemand von der Notfallseelsorge vor Ort bleibt und die Betroffenen begleitet.

Ehrenamt mit großer Wirkung

Eine von ihnen ist Heike Joerß. Seit 2021 engagiert sie sich ehrenamtlich in der Notfallseelsorge und blickt mit großer Zufriedenheit auf ihre Tätigkeit.

„Wenn ich nach einem Einsatz wieder nach Hause fahre und weiß, dass ich Menschen helfen konnte, mit einer sehr schweren Situation besser umzugehen, dann empfinde ich ein sehr zufriedenes Gefühl“, berichtet sie. Ihre Entscheidung für die Ausbildung habe sie nie bereut. „Ich mache das total gerne.“

Besonders schätzt sie den Zusammenhalt im Team. Die Ehrenamtlichen kommen aus unterschiedlichen Altersgruppen und Berufen. „Wir sind eine tolle Gruppe. In dieser Gemeinschaft können wir auch herausfordernde Erfahrungen gut besprechen“, sagt Joerß.

Evangelische Kirche trägt die Struktur

Das Solinger Team der Notfallseelsorge besteht aus rund 50 Mitarbeitern. Etwa die Hälfte davon sind ehrenamtlich Engagierte, die andere Hälfte evangelische Pfarrpersonen aus Gemeinden und Kirchenkreis.

Die organisatorische Verantwortung liegt beim Evangelischen Kirchenkreis Solingen. Dort koordiniert die Diplom-Theologin und Traumatherapeutin Simone Henn-Pausch die Arbeit der Notfallseelsorge. Regelmäßige Teamtreffen und Supervisionsangebote sorgen dafür, dass die Mitarbeiter auch selbst Unterstützung erhalten.

„In Solingen stellen wir als Evangelische Kirche nicht nur einen Teil der Mitarbeitenden. Wir stellen auch die Strukturen sicher, in denen die Notfallseelsorge funktionieren und das Team gut arbeiten kann“, erläutert Pressepfarrer Thomas Förster. Finanziell werde die Arbeit zudem vom Förderverein Notfallseelsorge Solingen sowie von der Katholischen Kirche unterstützt.

Gründliche Ausbildung für den Ernstfall

Wer sich engagieren möchte, wird umfassend auf die Aufgabe vorbereitet. Der nächste Ausbildungskurs beginnt am 6. Oktober 2026 und läuft bis Mai 2027.

Die Ausbildung umfasst rund 200 Stunden. Dazu gehören etwa 120 Stunden Theorie, ein Erste-Hilfe-Kurs, Schulungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt sowie Einblicke in die Arbeit von Polizei, Feuerwehr und Leitstelle. Außerdem begleiten die Teilnehmenden erfahrene Notfallseelsorgende bei Einsätzen, bevor sie selbst Verantwortung übernehmen.

„Erst danach wird jemand in den ersten eigenständigen Einsatz geschickt“, betont Henn-Pausch.

Offenheit und Belastbarkeit gefragt

Voraussetzungen für die ehrenamtliche Mitarbeit sind vor allem persönliche Stabilität, Belastbarkeit und Offenheit gegenüber unterschiedlichen Menschen und Lebensentwürfen. Auch körperliche Fitness spielt eine Rolle, da Einsätze mitunter mehrere Stunden dauern können.

Die Ausbildung ist kostenfrei. Entstehende Aufwendungen während der Einsätze werden erstattet.

Zwei Infoabende im Juni und Juli

Wer mehr über die Arbeit der Notfallseelsorge erfahren möchte, kann sich bei zwei Informationsabenden unverbindlich informieren. Dort erhalten Interessierte einen Einblick in Aufgaben, Ausbildung und Anforderungen des Ehrenamts.

Infoabende zur Mitarbeit in der Notfallseelsorge

  • Dienstag, 23. Juni 2026, 19.00 Uhr
  • Dienstag, 7. Juli 2026, 19.00 Uhr

Ort: Gemeindehaus an der Lutherkirche, Kölner Straße 1a, 42651 Solingen.

Weitere Informationen gibt es bei Koordinatorin Simone Henn-Pausch unter Telefon 0212 / 287226 oder per E-Mail an simone.henn-pausch@ekir.de.

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