Politik"So kann es nicht weitergehen" – Solinger CDU-Urgestein schreibt an den Bundeskanzler

„So kann es nicht weitergehen“ – Solinger CDU-Urgestein schreibt an den Bundeskanzler

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Jürgen Axel Seeh fordert mehr Führung, Klarheit und politische Orientierung

Solingen. Mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich der Solinger CDU-Politiker und langjährige Christdemokrat Jürgen Axel Seeh an die Öffentlichkeit gewandt. In dem Schreiben äußert der seit 52 Jahren der CDU angehörende Solinger deutliche Kritik an der aktuellen politischen Führung und der strategischen Ausrichtung der Partei.

Seeh beschreibt die gegenwärtige Situation als eine Phase von „Führungsschwäche, kommunikativer Unklarheit und strategischer Orientierungslosigkeit“. Besonders die öffentliche Kommunikation der vergangenen Monate habe nach seiner Auffassung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Verunsicherung ausgelöst.

In seinem Brief kritisiert er zudem die Arbeit der schwarz-roten Koalition. Die Bundesregierung werde vielfach als unkoordiniert und widersprüchlich wahrgenommen. Dies schade sowohl dem Ansehen des Bundeskanzlers als auch dem Vertrauen in die CDU.

Ein weiterer Schwerpunkt des Schreibens ist die Wahrnehmung der Führungsrolle des Kanzlers. Seeh fordert Friedrich Merz auf, seine Richtlinienkompetenz stärker wahrzunehmen und der Bundesregierung eine klar erkennbare politische Richtung zu geben.

Darüber hinaus setzt sich der Solinger Christdemokrat mit der sogenannten Brandmauer-Debatte auseinander. Er vertritt die Auffassung, dass die bisherige Strategie der politischen Abgrenzung ihr Ziel verfehlt habe und stattdessen zu einer Stärkung der politischen Ränder beigetragen habe.

Trotz seiner kritischen Worte betont Seeh, dass sein Schreiben von der Sorge um die Zukunft der CDU und Deutschlands geprägt sei. Gleichzeitig verbindet er seine Kritik mit der Hoffnung auf mehr Führung, Klarheit und politische Gestaltungskraft.

Nachfolgend veröffentlichten wir den offenen Brief im Wortlaut.


Offener Brief an den Bundeskanzler Friedrich Merz

Sehr geehrter Herr Merz,

seit 52 Jahren bin ich Mitglied der CDU. In dieser Zeit habe ich Höhen und Tiefen unserer Partei erlebt – aber noch nie eine Phase, in der Führungsschwäche, kommunikative Unklarheit und strategische Orientierungslosigkeit so sichtbar waren wie heute.

Ich schreibe Ihnen diesen offenen Brief, weil ich mir ernsthafte Sorgen um die Zukunft unserer Partei und unseres Landes mache. Nachfolgend meine Kritikpunkte:

Kommunikative Fehltritte – ein Dauerzustand

Ihre öffentlichen Aussagen der vergangenen Monate haben wiederholt Verunsicherung ausgelöst – bei Rentnern, Arbeitnehmern, Familien und auch in den eigenen Reihen. Kommunikation ist Führung. Genau hier entsteht der Eindruck, dass klare Linie und Verlässlichkeit fehlen.

Eine Regierung ohne Richtung

Die schwarz-rote Koalition wirkt reaktiv statt gestaltend. Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen die Bundesregierung als unkoordiniert und widersprüchlich wahr. Das beschädigt nicht nur das Amt des Bundeskanzlers, sondern auch das Vertrauen in die CDU als stärkste Volkspartei.

Ihre Richtlinienkompetenz

Sie besitzen als Bundeskanzler die Richtlinienkompetenz – nicht Herr Klingbeil oder Frau Bas. Ich hätte nie gedacht, einen CDU-Kanzler zu erleben, der so zögerlich, so unklar und so wenig durchsetzungsfähig erscheint. Die Partei wirkt orientierungslos, die Regierung ohne Kompass.

Widersprüche als Markenzeichen

Aussagen werden relativiert, korrigiert oder stehen im Widerspruch zu vorherigen Positionen. Das schafft kein Vertrauen – weder in der Bevölkerung noch in der eigenen Partei.

Ein Führungsstil, der spaltet statt eint

Ihr Stil wirkt konfrontativ nach innen und unklar nach außen. Führung bedeutet nicht nur Härte, sondern Richtung, Verlässlichkeit und Integrationskraft. Diese Eigenschaften vermisse ich zunehmend.

Die Brandmauer – ein politischer Bumerang

Das starre Festhalten an der sogenannten Brandmauer hat sich zu einem politischen Wachstumsbeschleuniger für die AfD entwickelt. Die Strategie, Probleme durch Abgrenzung zu lösen, ist gescheitert. Sie stärkt nicht die CDU – sie stärkt die Ränder.

Herr Merz, so kann es nicht weitergehen. Die CDU braucht wieder Führung, Klarheit, Mut und politische Gestaltungskraft.

Ich erwarte von Ihnen als Bundeskanzler, dass Sie klare Kante zeigen, Orientierung geben und die CDU wieder zu einer Partei machen, die Vertrauen schafft statt Unsicherheit.

Mit besorgten, aber hoffnungsvollen Grüßen

Jürgen Axel Seeh

CDU-Mitglied seit 52 Jahren

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