Solingen. Wie soll die Zukunft des Theater- und Konzerthauses aussehen? Diese Frage dürfte in den kommenden Monaten zu den wichtigsten politischen Entscheidungen in Solingen gehören. Nun liegen die Ergebnisse einer umfangreichen Szenarien-Studie vor, die sowohl verschiedene Sanierungsvarianten als auch mögliche Neubauten untersucht hat.
Die vom Stuttgarter Architekturbüro LRO erarbeitete Untersuchung bewertet insgesamt sechs unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten. Drei Sanierungs- und drei Neubauvarianten wurden miteinander verglichen. Die Ergebnisse sollen nun als Grundlage für die anstehenden Beratungen in den politischen Gremien dienen.
Verwaltung schlägt weitere Prüfung von zwei Varianten vor
Bereits am kommenden Montag sollen die Ergebnisse in einer gemeinsamen Sondersitzung der zuständigen Ausschüsse öffentlich vorgestellt werden. Der Stadtrat wird sich anschließend Anfang Juli mit dem Thema befassen.
Die Stadtverwaltung empfiehlt dabei, nicht sofort eine Grundsatzentscheidung zu treffen. Stattdessen soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden, die jeweils eine Sanierungs- und eine Neubauvariante detailliert untersucht. Ziel ist es, anschließend auf einer belastbaren Grundlage über die Zukunft des Kulturstandortes und der Feuerwehr zu entscheiden.
Neubau auf dem Omega-Gelände als Favorit der Studie
Am besten bewertet wurde in der Untersuchung ein Neubau auf dem sogenannten Omega-Gelände.
Dort könnte ein modernes Theater- und Konzerthaus entstehen, das bestehende Industriehallen mit neuen Gebäudeteilen verbindet. Vorgesehen sind unter anderem eine Konzerthalle, ein Theater, Multifunktions- und Seminarräume. Das Gebäude könnte damit nicht nur für klassische Kulturveranstaltungen, sondern auch für Kongresse, Messen und andere Events genutzt werden.

Nach Einschätzung der Gutachter würde ein solcher Neubau zudem die Entwicklung des Südpark-Quartiers fördern und neue Impulse für die Innenstadt setzen.
Neue Feuerwache am Schlagbaum
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Szenarios ist zugleich eine grundlegende Neuordnung der Feuerwehrstandorte.
Auf dem heutigen Gelände des Theater- und Konzerthauses könnte eine neue Zentralwache entstehen. Dort würden die bestehenden Feuerwachen am Frankfurter Damm und an der Katternberger Straße zusammengeführt. Die Wache an der Brunnenstraße bliebe als Nebenstandort erhalten.
Nach Angaben der Stadt ist eine Zentralwache am Schlagbaum notwendig, um die gesetzlich vorgeschriebenen Rettungszeiten im gesamten Stadtgebiet dauerhaft einzuhalten.
Sanierung erhält den bisherigen Standort
Als Alternative soll auch eine umfangreiche Sanierung des bestehenden Theater- und Konzerthauses weiter untersucht werden.
Das Gebäude würde dabei grundlegend modernisiert. Geplant wären unter anderem eine Erneuerung der Haustechnik, Verbesserungen beim Brandschutz, die Beseitigung vorhandener Schadstoffe sowie ein Anbau mit zusätzlicher Probebühne und Multifunktionsräumen. Auch eine neue Theatergastronomie ist Bestandteil der Überlegungen.

Der Kulturstandort am Schlagbaum bliebe damit erhalten. Größere städtebauliche Impulse für die Innenstadt erwarten die Gutachter von dieser Variante allerdings nicht.
Für die Feuerwehr würde in diesem Szenario das bisherige Drei-Wachen-Konzept bestehen bleiben.
Kosten: Neubau fast 100 Millionen Euro günstiger
Besonders deutlich fallen die Unterschiede bei den kalkulierten Gesamtkosten aus.
Für das bevorzugte Neubau-Szenario werden Investitionen von rund 335 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten sind etwa 165 Millionen Euro für das neue Theater- und Konzerthaus sowie 170 Millionen Euro für die neue Feuerwehr-Zentralwache.
Die untersuchte Sanierungsvariante würde nach den Berechnungen insgesamt rund 433 Millionen Euro kosten. Davon entfallen etwa 193 Millionen Euro auf die Modernisierung des Theater- und Konzerthauses sowie 240 Millionen Euro auf die Zukunft der Feuerwehrstandorte.
Damit läge die Neubauvariante nach den Berechnungen der Studie um rund 98 Millionen Euro unter den Kosten der Sanierung. Zusätzlich rechnet die Stadt mit jährlichen Einsparungen von mehr als vier Millionen Euro, insbesondere durch Synergieeffekte bei der Feuerwehr.
Entscheidung frühestens 2027
Sollte der Stadtrat die vorgeschlagene Machbarkeitsstudie beschließen, werden beide Varianten in den kommenden Monaten vertieft untersucht. Politik und Bürgerschaft sollen dabei in den weiteren Prozess eingebunden werden.
Mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie rechnet die Stadt Ende des zweiten Quartals 2027. Erst anschließend soll eine Grundsatzentscheidung darüber fallen, ob das Theater- und Konzerthaus saniert oder an anderer Stelle neu errichtet wird.
Bis zu einer endgültigen Umsetzung soll der Spielbetrieb des Theater- und Konzerthauses nach Angaben der Stadt in jedem Fall aufrechterhalten werden.
Großer Sanierungsbedarf
Hintergrund der Überlegungen ist der erhebliche Sanierungsbedarf des in den frühen 1960er-Jahren errichteten Theater- und Konzerthauses. Neben veralteter Haustechnik bestehen Defizite beim Brandschutz. Zudem weist die Stadt darauf hin, dass bei umfangreichen Bauarbeiten ein erhöhtes Risiko besteht, Asbest freizulegen, was eine zeitweise Schließung des Hauses erforderlich machen könnte.
Auch die Feuer- und Rettungswachen an der Katternberger Straße und am Frankfurter Damm gelten als baulich überaltert und entsprechen nach Einschätzung der Stadt nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Feuerwehr.











