PolitikEx-SPD-Landtagsabgeordneter Ernst Martin Walsken legt Konzept für Solingens Innenstadt vor

Ex-SPD-Landtagsabgeordneter Ernst Martin Walsken legt Konzept für Solingens Innenstadt vor

- Anzeige - spot_img

Solingen – Der frühere Solinger SPD-Landtagsabgeordnete Ernst Martin Walsken (79) macht sich mit einem ausführlichen Impulspapier für einen grundlegenden Neustart der Solinger Innenstadt stark. Dabei richtet der langjährige Kommunal- und Landespolitiker den Blick nicht nur auf die Fußgängerzone selbst, sondern fordert einen umfassenden Masterplan für das gesamte Umfeld der City. Nach seiner Auffassung könne nur ein ganzheitlicher Ansatz die seit Jahren anhaltende Abwärtsspirale stoppen.

Solingens Innenstadt braucht einen Neustart

Die Solinger Innenstadt befinde sich in einem schwierigen Zustand, stellt Walsken gleich zu Beginn seiner Ausführungen fest. Leerstehende Ladenlokale, ein zurückgegangenes qualifiziertes Warenangebot, zu wenig Gastronomie, fehlende Treffpunkte sowie eine schwierige Einkommens- und Sozialstruktur prägten das Bild.

Diese Entwicklung sei nicht plötzlich entstanden, sondern habe sich über viele Jahre hinweg vollzogen. Zwar habe die Kommunalpolitik die Probleme erkannt und mit einzelnen Projekten – etwa der Gläsernen Werkstatt – versucht, Akzente zu setzen. Zahlreiche Fachkonzepte seien ebenfalls erarbeitet worden. Was aus seiner Sicht bislang fehle, sei jedoch eine umfassende Gesamtstrategie für die Zukunft der Innenstadt.

Gegen große Trends komme die Kommune nur begrenzt an

Nach Auffassung Walskens sind viele Ursachen für die Entwicklung kommunal kaum zu beeinflussen. So verweist er auf die Konzentration wichtiger Dienstleistungen in größeren Städten, die Verlagerung industrieller Produktion ins Ausland sowie den wachsenden Einfluss von Discountern und dem Onlinehandel.

Umso wichtiger sei es deshalb, attraktive Rahmenbedingungen für Menschen zu schaffen, die modern, mobil und gut bezahlt seien. Positiv bewertet der 79-Jährige in diesem Zusammenhang den vollständigen Ausbau der Kinderbetreuung, das Angebot weiterführender Schulen sowie die gute Anbindung durch die S-Bahn. Darin sieht er durchaus gute Ansätze, um die Entwicklung wieder umzukehren.

Der Blick muss über die Innenstadt hinausgehen

Den eigentlichen Schlüssel für eine erfolgreiche Stadtentwicklung sieht Walsken jedoch nicht ausschließlich in der Innenstadt selbst. Stattdessen müsse der Bereich rund um das Zentrum stärker in den Fokus rücken – von der Mangenberger Straße über die Bahntrasse und die Friedrichstraße bis hin zum Graf-Wilhelm-Platz und dem Werwolf.

Dort lägen nach seiner Einschätzung erhebliche Entwicklungspotenziale – sowohl für neue Bewohner als auch für Wirtschaft, Verkehr und Kultur.

Als sinnvolle Einzelmaßnahmen nennt Walsken unter anderem eine stärkere Anbindung der Gläsernen Werkstatt an das Gründer- und Technologiezentrum, Wohnangebote für Studierende aus den Nachbarstädten, eine stärkere Dezentralisierung des Krankenhausangebots sowie Beratungsstellen für Menschen, die Schwierigkeiten mit der Digitalisierung haben.

Eine klare Position bezieht der ehemalige Landtagsabgeordnete auch bei der Diskussion um das Theater- und Konzerthaus. Es wäre aus seiner Sicht „verheerend“, Besucher der Solinger Innenstadt künftig mit einer Feuerwache statt mit dem Theater- und Konzerthaus zu begrüßen.

Masterplan für den Innenstadtring

Für die Entwicklung des gesamten Rings rund um die Innenstadt fordert Walsken einen umfassenden Masterplan. Dieser müsse neben städtebaulichen Fragen insbesondere soziale, kulturelle, klimapolitische, verkehrliche und gemeinschaftsbildende Aspekte berücksichtigen. Genannt werden unter anderem Bereiche wie der Weyersberg, das Industriegebiet Kieserling sowie die Lutherkirche.

Eine breite Bürgerbeteiligung hält er dabei für unverzichtbar. Gleichzeitig könne auch die Beauftragung externer Fachleute sinnvoll sein, um die Diskussion zwischen Bürgern, Eigentümern, Anwohnern, Politik und Verwaltung fachlich zu bereichern. Der städtische Leitungsstab spiele zwar eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Prozesses, stoße bei der konkreten Maßnahmenplanung jedoch an seine Grenzen.

Erneuerung müsse jetzt beginnen

Walsken räumt ein, dass die Umsetzung eines solchen Masterplans viele Jahre in Anspruch nehmen werde. Gerade deshalb müsse der Erneuerungsprozess möglichst bald beginnen. Die lange Planungsphase könne genutzt werden, um die Voraussetzungen für künftige Bebauungen zu schaffen und auf eine verbesserte Finanzlage der Kommunen hinzuarbeiten.

Zugleich spricht sich der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete für eine stärkere finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt aus. Investitionen in die Innenstadt würden sich langfristig refinanzieren. Mit Akteuren wie dem Spar- und Bauverein, der Sparkasse sowie weiteren Investoren sieht Walsken gute Chancen, Kräfte zu bündeln und moderne, energieeffiziente Lösungen für die Zukunft der Solinger Innenstadt zu verwirklichen.

Mit seinem Impulspapier plädiert der 79-Jährige damit für einen langfristigen Strategiewechsel: Weg von einzelnen Projekten, hin zu einer ganzheitlichen Entwicklung des gesamten Innenstadtbereichs und seines Umfeldes. Nur so könne die Solinger Innenstadt nach seiner Überzeugung wieder zu einem lebendigen Mittelpunkt der Klingenstadt werden.

- Anzeige - spot_img